Idee überlebt den Bankrott

Heute vor 175 Jahren wurde Pfarrer Hermann Faulhaber geboren. Er gründete in Schwäbisch Hall die Diakonie. Obwohl er finanziellen Schiffbruch erlitt, blüht sein Werk heute auf.

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Am 1. Februar 1886 hat das Diakonissenhaus in aller Stille seine Weihe erhalten“, berichtete das Haller Tagblatt einige Tage nach der offiziellen Eröffnung damals. Ganz unspektakulär nahm das Diak, das sich heute mit mehr als 2­300 Mitarbeitern um pflegebedürftige und hilfesuchende Menschen in Schwäbisch Hall und Umgebung kümmert, seine Arbeit auf. Am 8. Februar 2017 könnte der Gründer des Evangelischen Diakoniewerkes, Pfarrer Hermann Faulhaber, seinen 175. Geburtstag feiern.

Als Reiseprediger der südwestdeutschen Konferenz für Innere Mission hatte Faulhaber die vielfältigen Aktivitäten in der evangelischen Kirche und der Diakonie kennengelernt; er wusste aber auch um die Defizite. Gerade die häusliche Kranken-, Alten- und Armenpflege, vor allem in ländlichen Gebieten, lagen im Argen.  Durch diese Erfahrungen keimte in ihm die Vision von einem „Diakonissenhaus“ mit einem darin untergebrachten Krankenhaus, das junge Frauen in der Krankenpflege ausgebildet, und vom Aufbau eines flächendeckenden Netzes von Gemeindestationen im nördlichen Württemberg.

Große Erfolge und schwere Misserfolge

Als das Diakonissenhaus seine Arbeit am 1. Februar 1886 aufnahm,  war ein Teil der Vision Realität geworden; 1888 folgte der zweite Teil mit der Eröffnung der ersten Gemeindestation in Langenburg. Bis 1899 wuchs die Zahl der Gemeindestationen auf 34, die der ausgebildeten Schwestern auf 65 an.  Außerdem wurden in der Ära Faulhaber das Johanniterhaus und ein weiteres Krankenhaus (abgerissen 1968) gebaut.

Faulhabers oberstes Prinzip für die Gemeindearbeit war die Unentgeltlichkeit; allein durch Spenden sollte sie sich finanzieren. Faulhaber war jedoch Realist genug, in dieser Freiwilligkeit und in der Spendenbereitschaft ein großes Risiko zu sehen.

Wie sein großes Vorbild Gustav Werner, Begründer der Bruderhausdiakonie in Reutlingen, gründete er unter dem Namen „Haller Industrie“ verschiedene Wirtschaftsunternehmen, deren Erträge dem Diak zugutekommen sollten.

Doch Faulhabers Hoffnungen und Vorstellungen sollten sich nicht erfüllen. Im September 1898 musste der  Pfarrer einsehen, dass seine „Haller Industrie“ vor dem Bankrott stand und das Diakonissenhaus unrentabel arbeitete.  Am 5. Mai 1899 legte Pfarrer Faulhaber offiziell sein Amt als Leiter des Diaks nieder.  Am 9. Dezember 1914 starb Hermann Faulhaber in Berlin. „Ein arbeitsreiches, von großen Erfolgen und schweren Misserfolgen begleitetes Leben ist abgeschlossen. Unsere Anstalt bleibt dem Entschlafenen für seine Verdienste um ihr Entstehen und ihre Entwicklung dauernd dankbar“, konnte man damals in den „Blättern der Diakonissenanstalt“ lesen.

Info Die Autorin Dr. Heike Krause leitet das Archiv des Schwäbisch Haller Diakoniewerks und das Gaildorfer Stadtarchiv.

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