Hohenloher Kultursommer: Musikfest auf Schloss Weikersheim bietet einen Hauch von Welt

Sieben Konzerte an einem Tag – jeder Besucher hört zwei davon: Das Musikfest auf Schloss Weikersheim war wieder ein Höhepunkt im Kultursommer.

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    Einblicke in die Musikwelt Asiens: Youjin Sung spielt Gayageum, die koreanische Zither. Foto: 
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    Stelzenläufer bilden einen optischen Reiz beim Musikfest. Foto: 
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Mit Decken unterm Arm geht’s zum Open-Air-Festkonzert, einem Höhepunkt des Hohenloher Kultursommers. Hier, fern vom EM-Stress, kann am Samstagabend die Seele baumeln. Den Veranstalter freut, in Anspielung auf die Viertelfinal-Austragung Deutschland – Italien, dass sich das „Publikum trotz vieler Nebenschauplätze so zahlreich eingefunden hat“.  Wer glaubte, dass hier beim Konzert des Kammer- und Symphonieorchesters des Nationaltheaters Prag nur Fußball-Muffel sitzen, irrt: Als das Publikum erfährt, dass der Maestro am Pult, Gudni A. Emilsson, aus Island stammt, braust der erste Applaus auf.

Und der steigert sich mit jedem Stück. Ein wunderbar kantabler Einstieg ist Hugo Wolfs „Italienische Serenade“ in G-Dur. In der Tondichtung des Wahl-Wieners schwingt die jahrhundertelange Sehnsucht der Deutschen nach dem Süden mit. Die Elstern zetern um die Wette mit den Crescendi des schwungvoll aufspielenden Orchesters.

Grandios die „Variationen über ein Rokoko-Thema“ in A-Dur für Violoncello und Orchester op. 33 von Peter Tschaikowsky. Hatte sich der Komponist damit ins 18. Jahrhundert geflüchtet, wo die Welt weiß gepudert und die Lust am Tanzen groß war, klingt diese Gegenwelt heller, freundlicher und unbekümmerter als bei dem von Ängsten und Sorgen geplagten Russen sonst üblich. Subtil, kraftvoll und mit Witz präsentiert der Cellist  Petr Nouzovský das Bravourstück, lässt höchste Töne vibrierend sanft in Stille gleiten. Eine Kunstpause ist quasi die Minute der Krähen, deren Krächzt-Kommentar den Solisten zum Lächeln bringt.

Mit der triumphalen Sinfonie Nr. 9 in e-Moll op. 95, die Antonín Dvo?ák inspiriert durch seinen dreijährigen Amerika-Aufenthalt als Echo „Aus der Neuen Welt“ mitgebracht hat, begeistern die voll Elan spielenden Prager das Publikum. Während sich Emilsson, mal Gischt, mal Geysir impulsiv und  temperamentvoll heiß dirigiert hat, kriecht nächtliche Kühle unter Decken und Kleidung. Während einige dem Ausgang entgegeneilen, um eventuell noch das Ende des Fußball-Krimis mitzubekommen, lassen sich die Meisten vom leuchtenden Feuerwerk-Konfetti verzaubern.

Ein Hauch von Welt mit einer Prise Nationalstolz wehte am frühen Abend an sechs Spielorten – Rittersaal, Gärtnerhaus, Schlosskapelle, Stadtkirche und beide Flügel der Orangerie – gemäß dem Motto „Weit und schön ist die Welt“ Sinneseindrücke aus unterschiedlichsten Klangkulturen herein. Mit dem Gesang der Finnin Laura Ryhänen und der Ungarin Katalin Horvath konnte man von der Puszta in die Taiga galoppieren, das Gitarrenquartett „Take Four“ reiste im Orient-Express zu Klängen des Ostens, und das koreanische Trio Il-Ryun Chung (Gitarre, Janggu und Moderation), Youjin Sung (Gayageum) und Hong Yoo (Daegum und Janggu) entführte in einer hochspannenden Klangexpedition nach Fernost.

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