Hilliard-Ensemble und Jan Garbarek faszinieren in Haller Michaelskirche 900 Zuhörer

Ruhe und Konzentration, Schwingungen und Schwebungen, Alte Musik und Jazz - das Hilliard-Vokalensemble und der Saxofonist Jan Garbarek fesseln ihr Publikum in der vollbesetzten Michaelskirche.

|
Vorherige Inhalte
  • David James (Countertenor), Steven Harrold, Rogers Covey-Crump (beide Tenor) und Gordon Jones (Bariton) bilden das Hilliard-Ensemble - noch bis Dezember. Dann löst sich das Ensemble nach 40 Jahren auf den Bühnen der Welt und 20 mit vielen Auftritten mit Jan Garbarek auf und geht in den Ruhestand. Fotos: Hans Kumpf 1/2
    David James (Countertenor), Steven Harrold, Rogers Covey-Crump (beide Tenor) und Gordon Jones (Bariton) bilden das Hilliard-Ensemble - noch bis Dezember. Dann löst sich das Ensemble nach 40 Jahren auf den Bühnen der Welt und 20 mit vielen Auftritten mit Jan Garbarek auf und geht in den Ruhestand. Fotos: Hans Kumpf
  • Rund 900 Besucher strömen zum Konzert in die Michaelskirche. 2/2
    Rund 900 Besucher strömen zum Konzert in die Michaelskirche.
Nächste Inhalte

"Die kleinste Metropole der Welt" - so nannte sich Schwäbisch Hall einmal in einem Imagefilm. Wenn man den Tourneeplan von Jan Garbarek und dem Hilliard-Ensemble anschaut, sieht man: Darauf ist Hall die zweitkleinste Metropole - aber dafür die erste. Denn in Hall haben die Musiker am Mittwoch den Auftakt zu ihrer Abschiedstournee "Officium. The Last Concerts" gemacht. Es folgen das Kloster Eberbach in Eltville am Rhein (die kleinste Metropole auf der Liste) und dann eine lange Reihe Großstädte, darunter Berlin, München und London. Der Tourplan geht bis 6. Dezember, und danach wird es das Hilliard-Ensemble nicht mehr geben. Nach 40 Jahren auf den Bühnen der Welt - davon 20 Jahre mit vielen gemeinsamen Auftritten mit Jan Garbarek - geht das Ensemble in den Ruhestand.

Das war sicher für viele der Besucher aus Nah und Fern ein zusätzlicher Anreiz, das Haller Konzert nicht zu verpassen. Die Kirche St. Michael ist ausverkauft, etwa 900 Zuhörer sind gekommen.

Sie bekommen eine ruhige, meditative Musik zu hören. Das Hilliard-Ensemble hat offenbar mit Absicht lauter Stücke ausgewählt, die kaum jemand kennt. Es gibt auch kein Programmheft, dem man Titel und Komponisten hätte entnehmen können. Die Sänger wünschen wohl, dass das Publikum die Musik einfach hörend aufnimmt, ohne zwischendrin etwas zu lesen, zu denken, wiederzuerkennen. Das meiste, was sie singen, ist Alte Musik, es kommen aber auch schräge Harmonien vor, die wohl der russischen Spätromantik entstammen. Es erklingen Teile des Messe-Textes in Latein und in verschiedenen slawischen Sprachen, Motetten und als Zugabe ein englischsprachiges Madrigal. Nicht dabei sind Kompositionen von Arvo Pärt in seinem berühmten Tintinnabuli-Stil, die nicht zuletzt durch das Hilliard-Ensemble bekannt geworden sind - oder das Hilliard-Ensemble durch sie. Aber ein Pärt ist am Mittwoch doch dabei: "Most Holy Mother of God" aus dem Jahr 2003.

Zwei der vier Sänger des Hilliard-Ensembles sind im Rentenalter angekommen. Die Stimmen sind vielleicht nicht mehr ganz so brillant, wie sie mal waren, aber das Ensemble berückt nach wie vor mit Präzision und mit großer Ruhe im Klang. Es breitet einen langen, weichen Klangteppich aus, auf dem Jan Garbarek mit seinen Sopransaxofon-Klängen schreiten, sich drehen oder auch lustig herumhüpfen kann.

Der Instrumentalist spielt ohne Noten, meist geht er im Altarraum umher und lotet die Klangräume der Kirche aus. Er nimmt die Harmonien und die Stimmungen der Gesangswerke auf, improvisiert, verbindet die Stücke miteinander und gibt dabei die tonalen Stichwörter für die nächste Motette, das nächste gesungene Vaterunser.

So entsteht ein großer musikalischer Bogen, der das Publikum gut eine Stunde lang trägt - es ist eine gute Entscheidung, das Konzert ohne Pause und dafür kurz zu gestalten. So bleibt die Atmosphäre bis zum Schluss konzentriert und doch entspannend.

Das Publikum in der St. Michaelskirche ist hingerissen, es applaudiert stehend, Bravo-Rufe und begeistertes Trampeln sind zu hören. Mit zwei Zugaben bedanken sich die Musiker dafür.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Wie Hall die Bauern das Fürchten lehrte

Laut einer Chronik kam die Reichsstadt Hall im Bauernkrieg ungeschoren davon, weil ihre Bürger nicht mit einer Kanone umgehen konnten. Fake News oder Wahrheit? weiter lesen