Hilfe für Afrika

Ein Gespräch mit dem Haller Walter Döring, der am „Marshall Plan mit Afrika“ mitgearbeitet hat. Dieser versteht sich als Denkschrift. Er wurde jetzt der Bundesregierung vorgelegt.

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Hilfe für Afrika erscheint möglich. Von links: Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker (Club of Rome), Dr. Walter Döring (Senat der Wirtschaft), Dr. Gerd Müller (Bundesentwicklungsminister), Dr. Christoph Brüssel (Senat für Wirtschaft), Professor Franz Josef Radermacher (Club of Rome, Präsident des Senats der Wirtschaft).  Foto: 

Walter Döring, ehemals Wirtschaftsminister Baden-Württembergs, gehört dem Senat der Wirtschaft an, außerdem gründete er die Akademie deutscher Weltmarktführer. In den zurückliegenden Monaten arbeitete er mit am „Marshall Plan mit Afrika“. Dieser versteht sich als Denkschrift für die Bundesregierung. Es geht um nachhaltige Hilfe für den schwarzen Kontinent. Dieser Tage wurde der Plan übergeben. Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller nahm ihn entgegen.

Herr Döring, wie sind Sie zum Thema Hilfe für Afrika gekommen?

Walter Döring: Ich kenne Professor Radermacher seit mehr als 20 Jahren, aus der Zeit, in der ich noch Landtagsabgeordneter war. Als wir uns dann nach vielen Jahren wiedergetroffen haben, sprach er mich auf dieses zentrale Thema an.

Wie kann denn Hilfe für Afrika konkret ankommen?

Es ist zum einen einfach eine Geldfrage. Aber es geht auch um Energieversorgung. Dabei kann die Sahara hinsichtlich der Gewinnung von Energie aus Sonne und Wind eine große Rolle spielen. Es wird aber betont, dass der Plan ausdrücklich heißt „mit Afrika“. Es muss gewährleistet sein, dass die Zusammenarbeit fair verläuft. Wenn Afrika geholfen wird, vermindert das die Migrationszahlen gewaltig. Mein zentrales Thema in diesem Plan war die Bildung. Wenn heute ein junger Mensch in Afrika aufwächst, dann weiß er, dass er in die komplette Perspektivlosigkeit hineinlebt. In dieser Hinsicht müssen wir helfen. Es geht um Schulbau, Lehrerausbildung, aber auch um den Appell an die Wirtschaft, in Afrika zu produzieren und für Arbeitsplätze zu sorgen. Auch wenn sich die nötigen Hilfssummen gewaltig anhören, müsste es der Völkergemeinschaft möglich sein, diese Hilfe zu leisten. Afrika ist vor unserer Haustüre. Und bis 2050 wird sich die Bevölkerungszahl verdoppeln. Da kommen möglicherweise gewaltige Wanderungsbewegungen auf uns zu.

Diese Völkergemeinschaft beschäftigt sich derzeit sehr mit dem Ergebnis der US-Wahl, dem Ausstieg der Briten aus der EU, der Staatsschuldenkrise in Europa. Dringt das Thema Afrika überhaupt noch durch?

Ich habe vor 14 Tagen Jean-Claude Juncker getroffen.  Der EU-Präsident hat mir erzählt, dass die EU ein 48-Milliarden-Hilfspaket für Afrika auflegt. Gemessen an der nötigen Billion ist das ein überschaubarer Betrag. Dennoch sind wir auf dem richtigen Weg. Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller bekommt einige hundert Millionen Euro mehr, um Afrika zu helfen.

Es klingt logisch, in der Sahara Energie aus Sonne und Wind zu gewinnen. Bisher sind die Versuche allerdings gescheitert, auch weil Investoren den politischen Verhältnissen und der Rechtsprechung in afrikanischen Ländern zum Teil nicht trauen.

Die Korruption in Afrika muss massiv bekämpft werden. Wir müssen mehr darauf achten, wohin die Gelder fließen und Garantien abgeben, dass die Unterstützung dort landet, wo sie hingehört. Deshalb brauchen wir auch mehr Manpower in den betreffenden Regionen. Man darf nicht vergessen, dass die meiste Zuwanderung aus der Mena-Region kommt (Mena steht für „Middle East & North Africa“ - Nahost und Nordafrika). So wie wir in manche Länder Soldaten schicken, so müssen wir viel mehr Fachleute nach Afrika entsenden, die dort beim Aufbau der Verwaltungen helfen.

In dem Marshall Plan mit Afrika wird davon ausgegangen, dass die Globalisierung allen hilft. Hört sich gut an, aber ist das nicht ein Widerspruch?

Die Armut in der Welt ist durch die Globalisierung deutlich zurückgegangen. Dennoch stimmt: Es gibt Globalisierungsverlierer. Nicht nur in Afrika. Die gibt es auch bei uns. Zum Beispiel in kleinen und mittleren Unternehmen, die befürchten müssen, dass ihnen die Großen das Geschäft wegnehmen. Es gibt einen Begriff, für den ich noch keine gute deutsche Bezeichnung gefunden habe: Caring Capitalism. Man könnte es mit verantwortungsvollem Kapitalismus übersetzen. Daran müssen wir appellieren. In der  Verantwortung und in der Pflicht sind diejenigen, die etwas haben. Die Frage ist, wie unser Wohlstand geteilt werden kann. Und in unserer Gesellschaft müsste es selbstverständlich sein, dass derjenige, der jeden Morgen aufsteht und seiner Arbeit nachgeht, davon auch leben kann, ohne dass er auf Unterstützungsleistungen angewiesen ist. Auch dies ist für mich Caring Capitalism.

Wie lässt sich mehr Verständnis für die Afrikahilfe gewinnen?

Wir kümmern uns vielleicht ein bisschen spät. Aber wen man heute noch überzeugen muss, dass man in den Herkunftsländern helfen muss, der ist von vorgestern.

Dringt diese Erkenntnis auch durch?

Ja, ich glaube schon. Die vielen Flüchtlinge im vergangenen Jahr haben viele Probleme gemacht, aber auch ein hohes Problembewusstsein geschaffen. Wenn ich 30 Jahre jünger wäre und würde in Afrika leben, würde ich es nicht anders machen – ab die Post.

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Kommentare

26.11.2016 09:41 Uhr

Geld verbrennen für Afrika?

Seit dem Ende der Kolonialzeit sind Milliarden an Hilfsgeldern nach Afrika geflossen und dort versickert.
Internationale Konzerne plündern in Zusammenarbeit mit den afrikanischen Eliten die reichen natürlichen Resourcen, die Bevölkerung bleibt arm. Alle paar Jahre kommt ein neuer "Marshallplan" mit dem sich ein paar Politiker hier wichtig machen und bleibt ohne Folgen.

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