Hebammen im Landkreis sehen sich durch Krankenkassen unter Druck gesetzt

Die Hebammen kämpfen ums Überleben. Schlechte Vergütung und hohe Haftpflichtprämien für jene, die Hausgeburten begleiten, erschweren ihre Arbeit. Von den Krankenkassen erwarten sie Unterstützung.

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Etwa 60 Frauen und Männer sowie viele Kinder ziehen am Dienstag durch die Haller Innenstadt, um auf die Probleme der Hebammen und die hohen Kosten für deren Berufshaftpflichtversicherung aufmerksam zu machen.  Foto: 

Viele Hebammen haben sich in den letzten Jahren schon von Hausgeburten verabschiedet, denn die Berufshaftpflichtprämie ist so stark angestiegen, dass sie diese kaum noch erwirtschaften können. "Ab Juli 2015 soll sie wieder um mehr als 20 Prozent auf über 6000 Euro angehoben werden", berichtet die Vorsitzende des Haller Hebammenverbands Susanne Otter.

Die Vergütung durch die Krankenkassen sei so "hundsmiserabel", dass viele Hebammen aufgehört hätten und auch im Landkreis Hall ein akuter Hebammenmangel herrsche. "Wir haben nicht einmal einen Inflationsausgleich bekommen", so Otter. Eine gewisse Sicherheit bedeute der sogenannte Sicherstellungszuschlag, den Hebammen, die nur wenige Hausgeburten betreuen, ab Juli 2015 von der gesetzlichen Krankenkasse bekommen sollen, um die hohe Haftpflichtprämie zahlen zu können. Das ändere aber nichts an der weiterhin schlechten Vergütung, betont Otter.

Kommt das Kind später, zahlt die Krankenkasse nicht

Diese soll nach dem Willen der Krankenkasse nur steigen, wenn sich die Hebammen auf Bedingungen einlassen, die für sie nicht tragbar seien. So wollten die gesetzlichen Krankenkassen etwa eine Hausgeburt nicht mehr zahlen, wenn sie auch nur einen Tag nach dem errechneten Termin stattfinde. Sie sei dann zu risikoreich.

Eine Hebamme, die trotzdem eine solche Hausgeburt betreut, handele aus Sicht der gesetzlichen Krankenkassen grob fahrlässig. "Das ist wissenschaftlich nicht begründbar, denn nur vier Prozent aller Geburten fallen auf den errechneten Termin. Zwei Tage vorher oder nachher ist völlig normal", erklärt Susanne Otter. Diese Regelung sei eine Gängelung der Frauen ohnegleichen. Dadurch würden sie gezwungen, in einer Klinik zu entbinden. Außerdem wollen die Krankenkassen die Beratung einer schwangeren Frau über Geburt und die Wahl des Geburtsortes durch eine Hebamme nicht mehr ausreichend honorieren, so Otter. Wenn Frauen das privat zahlen müssen, sei ihr Selbstbestimmungsrecht massiv eingeschränkt, stellt die Hebamme aus Satteldorf fest. Es ärgert sie, dass in Deutschland Ärzteverband und Pharmalobby so viel Einfluss hätten und Hausgeburten als risikoreich einstuften. "In den Niederlanden sollen 30 Prozent der Frauen und in Großbritannien möglichst alle gesunden Frauen zu Hause entbinden", berichtet sie.

Selbst für Vor- und Nachsorge gibt es zu wenige Hebammen

Auch für Susanne Kischkat von der Elterninitiative "Hausgeburt in Hohenlohe" ist die Entwicklung nicht hinnehmbar. "Die gesetzliche Krankenkasse schafft die Hausgeburt letztlich ab", sagt sie. Sie fordert deshalb von der Politik, das Selbstbestimmungsrecht der Frau auf freie Wahl des Geburtsorts ihres Kindes endlich gesetzlich festzuschreiben und damit die Krankenkassen zu zwingen, den Frauen Alternativen zur Klinikentbindung anzubieten.

Statt des Sicherstellungszuschlags zur Haftpflichtprämie wünscht sie sich eine langfristige Lösung, damit die Schadenssummen der Versicherer nicht noch mehr steigen. Die Kosten für ein Kind, das während der Geburt einen Schaden erleidet, obwohl die Hebamme nicht grob fahrlässig gehandelt hat, sollten von der Solidargemeinschaft getragen werden und nicht die Hebamme dafür mit ihrem Privatvermögen haften, meint Susanne Kischkat.

Sie hat die Hausgeburt ihrer Tochter so positiv erlebt, dass sie sich mit rund 300 Müttern und Vätern mit ähnlichen Erfahrungen für den Erhalt der Hausgeburt und den Berufsstand der Hebamme engagiert. "Selbst für die normale Vor- und Nachsorge bei der Entbindung gibt es nicht mehr genug Hebammen", so die junge Frau aus Hall.

Info Der Verein "Hausgeburt in Hohenlohe" befindet sich in der Gründungsphase. Weitere Infos unter www.unsere-hebammen.de

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