Haustür in Sekunden aufgebrochen

Heimische Unternehmen verzeichnen eine erhebliche Nachfrage. Ein Fenster zu sichern, kostet rund 250 Euro, bei einer Terrassentüre kann das Doppelte anfallen. Betroffene investieren großzügiger.

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Der Einbrecher kommt über die Terrasse. Aktuelle Sicherheitstechnik hält einer Kraft von bis zu einer Tonne stand. Je höher der Aufwand, desto häufiger geben die Täter ihren Einbruchversuch auf.  Foto: 

Die Sorge vor Einbrüchen in Häuser und Wohnungen beschert Unternehmen, die Sicherheits­technik installieren, wachsende Umsätze. Aktiv wird aber auch die Politik. An diesem Dienstag zeigten die Koalitionsfraktionen in Berlin, mehr Geld für private Schutzmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Wer bereit ist, 500 Euro oder mehr in Sicherheitsmaßnahmen zu investieren, kann erwarten, dass der Bund dazu 100 Euro (20 Prozent) beisteuert. Ab 1000 Euro ist ein Zuschuss von 10 Prozent möglich.

Freilich kommt man mit 500 Euro nicht weit. Die Sicherung eines Fensters gegen Einbruch kostet um 250 Euro. Darin enthalten sind Material und Montage. Eine Balkon- oder Terrassentür sicher zu machen, kann bis zu 500 Euro kosten.

Krasser Anstieg

„Seit anderthalb Jahren steigt die Nachfrage nach Sicherheitstechnik ganz krass“, erzählt Bernd Schmalzer. Er betreibt in Hall ein Unternehmen, das berät und die Technik auch installiert. Einen ähnlichen Eindruck hat Walter Haering von der Kupferzeller Firma KBK. Diese bietet Fenster und Türen an – auch solche, die besonders gut isoliert sind und einen verhältnismäßig hohen Schutz vor Einbrüchen bieten.

„Vor zehn Jahren hatte ich im Monat vielleicht vier Beratungen. Inzwischen sind es zwischen neun und elf in der Woche“, macht Bernd Schmalzer die gestiegene Nachfrage nach Sicherheitstechnik deutlich. Sein Umsatz in diesem Bereich habe sich in den vergangenen anderthalb Jahren in etwa verdoppelt.

Grundsätzlich bestätigt Walter Haering von KBK den Trend. Dennoch wundert sich der Fachmann darüber, dass insbesondere bei Neubauten oft der Schutz von Fenstern und Türen vernachlässigt würde. Etwa 30 bis 40 Euro würde ein neues Fenster, das mit Sicherheitsbeschlägen ausgerüstet ist, mehr kosten als ein herkömmliches. Doch viele Bauherren würden sich diese Kosten sparen. „Großzügig nachrüsten lassen viele erst, nachdem eingebrochen wurde“, so die Erfahrung von Walter Haering.

Absoluten Schutz gibt es nicht

Gibt es den absoluten Schutz vor Einbrüchen? Die beiden Fachleute sind sich einig: „Nein.“ Der Faktor Mensch spiele eine große Rolle. Es komme vor, dass Diebe klingeln und ins Haus kommen, ohne einzubrechen. Walter Haering erzählt von einem Fall, in dem zwar alle Fenster und Terrassentüren ausreichend gesichert sind, der Einbrecher aber deshalb leichtes Spiel hatte, weil der Sohn, der das Haus morgens als Letzter verlassen hat, es versäumte, die Haustüre abzuschließen. Er ließ sie lediglich ins Schloss fallen. „Das ist dann für den Einbrecher eine Sache von fünf bis zehn Sekunden“, macht Walter Haering deutlich.

Bernd Schmalzer zückt sein Smartphone und zeigt Bilder von den Zerstörungen, die Einbrecher an gut gesicherten Fenstern und Türen hinterlassen haben. In einem Fall sind sie doch ins Haus gekommen, weil sie ein großes Loch in eine Scheibe geschlagen haben. Das aber ist die Ausnahme. In den allermeisten Fällen wird versucht, ein Fenster oder eine Tür aufzustemmen. Die Einbrecher scheuen den Krach.

Hohe Hebelkraft

„Mit einem 40 Zentimeter langen Schraubenzieher lässt sich viel Unfug anrichten“, weiß Bernd Schmalzer. Die Hebelkraft eines solchen Werkzeugs sei enorm. Deshalb empfiehlt er Beschläge und weitere Sicherungsmaßnahmen, die einer Kraft von mindestens einer Tonne widerstehen können.

Wohin mit den teuren Uhren, mit dem hochwertigen Schmuck, der größeren Menge Bargeld, dem unersetzbaren Erbstück? Der Tresor kann eine Möglichkeit sein. Allerdings schränken Fachleute ein. Ein kleiner Tresor, den die Einbrecher mitnehmen können, ist sinnlos. „Das ist wie eine Einkaufstasche aus Stahl“, meint der Haller Bernd Schmalzer, der in Hall Sicherheitstechnik verkauft. Versicherungen sehen das ganz ähnlich. Sie springen nicht automatisch ein, wenn private Tresore geknackt oder mitgenommen werden. Der Wertschrank sollte mindestens 200 Kilogramm wiegen oder so fest ins Mauerwerk eingearbeitet sein, dass er sich nicht herauslösen lässt. Andernfalls gilt ein Tresor sogar als zusätzliches Risiko: Die Einbrecher finden alles Wertvolle gesammelt an einer Stelle.  „Wenn kleine Tresore für 45 Euro angeboten werden, bekomme ich Tränen in den Augen. Den nehmen die Einbrecher einfach mit und öffnen ihn später mit einem Hammer in zwei Minuten“, so der Haller Bernd Schmalzer, der seit 1988 in der Branche arbeitet. Die Nachfrage nach Tresoren steigt dennoch deutlich. In der Nähe von Grenzen, Autobahnen und im ländlichen Raum verzeichnet das Unternehmen Eisenbach Tresore erhöhten Absatz. Ein Grund sei, dass Banken und Sparkassen Filialen an kleinen Orten schließen. Und damit gingen auch Gelegenheiten verloren, Geld sicher aufzubewahren.

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