Hausärzte: Hall laut Verband überversorgt

In Schwäbisch Hall hat zuletzt der Hausarzt Dr. Günter Seither im Teurershof aufgehört. Die Kreisärzteschaft sieht einen Mangel. Die Kassenärztliche Vereinigung stellt klar: Hall sei noch überversorgt.

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Postkarten aus aller Welt: Während viele Patienten von Dr. Günter Seither vom Teurershof unterwegs waren, musste er von morgens bis abends arbeiten - und manchmal auch nachts raus. Nun hat der Ruheständler mehr Zeit. Er hat im ersten Anlauf aber keinen Nachfolger gefunden.  Foto: 

"Derzeit ist die Versorgung noch insgesamt gut, im Landesdurchschnitt kommen auf rund 1500 Einwohner ein Hausarzt, im Landkreis Schwäbisch Hall auf 1400 Einwohner", teilt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) auf Nachfrage der Redaktion mit. Die Zahl der Hausärzte sei in den vergangenen Jahren konstant geblieben.

"Der Mittelbereich Schwäbisch Hall ist derzeit noch rechnerisch überversorgt und damit bei den Hausärzten für Neuzulassungen gesperrt, auch im Mittelbereich Crailsheim liegt die Versorgung bei deutlich über 100 Prozent", teilt Kai Sonntag, Leiter der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Vereinigung mit.

Dem widersprechen Ärzte aus Hall. Denn: Nicht alle Mediziner gehen zu 100 Prozent ihrer Arbeit nach. Die Fälle, in denen beispielsweise Ärztinnen nur wenige Tage in der Woche arbeiten, weil sie nebenher ihre Kinder betreuen, würden in der Zählweise der Kassenärztlichen Vereinigung nicht erfasst. Doch auch die Kassenärztliche Vereinigung - ein Dienstleister für rund 20.000 Ärzte und Psychotherapeuten im Land - sieht Probleme am Horizont. "Knapp 40 Prozent der Hausärzte im Landkreis sind 60 Jahre und älter und werden in absehbarer Zeit ihre Praxen an einen Nachfolger übergeben wollen. Da es heute schon schwierig ist einen Nachfolger zu finden, werden auch in Schwäbisch Hall Praxen nicht weitergeführt werden können."

Doch die Vertreter der Mediziner auf Landesebene beschwichtigen: "Bisher sind wir weit von einer Unterversorgung entfernt. Die Versorgung wird sich wandeln, sicherlich werden in dem ein oder anderen Fall auch weitere Wege in Kauf genommen werden müssen. Die KV unternimmt eine Vielzahl von Maßnahmen zur Ansiedlung von Ärzten. Dazu gehören umfangreiche Förderprogramme, ein enger Kontakt zu den Medizinstudenten und Beratungsangebote. Klar ist aber auch, dass wir nicht für mehr Ärzte sorgen können."

Ähnlich wie die Ärzte vor Ort in Hall und die Vertreter der Kreisärzteschaft, sieht die Vereinigung die Politik in der Pflicht. "Wichtig ist aus unserer Sicht eine wirksame Patientensteuerung, einen anderen Zugang zum Medizinstudium und der Abbau von vielen bürokratischen Hürden und Fallstricken für die Niederlassung."

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