Hauptversammlung der Bausparkasse Schwäbisch Hall: Marktanteil wächst wieder

"Wir schlagen den Markt", kündigte Reinhard Klein den Aktionären der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG an. Die ersten Monate des Jahres seien ausgesprochen gut gelaufen, so der Vorstandsvorsitzende gestern.

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"Wenn das Jahr so weiterläuft, ist alles im grünen Bereich", sagt Reinhard Klein, der Vorstandsvorsitzende der Bausparkasse Schwäbisch Hall, zu den Aktionären des Haller Instituts. Firmenfoto: Jürgen Weller  Foto: 

Der Großteil der 566 Aktionäre - sie halten zusammen 6 Millionen Stückaktien - traf sich gestern zur ordentlichen Hauptversammlung in der Haller Konzernzentrale. Mit Abstand größter Anteilseigner an der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG ist die DZ-Bank (81,8 Prozent). 15 Prozent hält die WGZ-Bank. 3,2 Prozent der Aktien verteilen sich auf mehr als 560 einzelne Genossenschaftsinstitute.

Am Kurs der Bausparkasse gab es bei der gestrigen Hauptversammlung keine Kritik. Die positiven Zahlen aus dem vergangenen Jahr sind bereits seit Februar bekannt. Der Start in 2015 verspricht ein erfolgreiches Jahr: Das Bauspargeschäft konnte in den ersten vier Monaten weiter ausgebaut werden, die Baufinanzierung boome und der Vorsorgebereich bewege sich auf dem Niveau des Vorjahres, so Reinhard Klein bei seiner ersten Hauptversammlung als Vorstandschef.

"Wir wachsen zu Lasten unserer Wettbewerber. Das muss uns erst mal einer nachmachen!", freute sich Klein. Er habe ein gutes Gefühl, dass die Ziele erreicht, wenn nicht sogar übererfüllt werden. Zuletzt hatte die größte Bausparkasse an Marktanteilen eingebüßt - der Wert sank von 32,2 auf zuletzt 29,8 Prozent. Reinhard Klein versprach aber: "Das drehen wir wieder um."

Schatten auf den überwiegend positiven Geschäftsverlauf werfen nach wie vor die niedrigen Zinsen in Deutschland und dem Euro-Raum. Abzulesen ist dies bei Schwäbisch Hall zuallererst am Zinsüberschuss, der von 2013 auf 2014 von 979 auf 943 Millionen Euro gefallen ist (minus 3,7 Prozent). Um diesen Rückgang zu korrigieren, wünscht sich Klein eine Risikostrategie in der Anlage von Kundengeldern, die mehr Flexibilität ermöglicht.

Reinhard Klein sprach am Donnerstag auch vom "Sorgenkind Rumänien". Während der Bausparkassen-Vorstand mit der Geschäftsentwicklung in China, Ungarn, Tschechien, Slowakei zufrieden sei, werde sich Schwäbisch Hall bald schon von der Tochtergesellschaft in Rumänien trennen.

Kündigungen

Altverträge Bausparverträge, die zehn Jahre oder länger zuteilungsreif sind, aber nicht abgerufen werden, kündigt die Bausparkasse Schwäbisch Hall zum Jahresende. Davon betroffen seien weniger als 1 Prozent der insgesamt 8,3 Millionen Bausparverträge in Deutschland, sagte Vorstandsvorsitzender Reinhard Klein gestern bei der Hauptversammlung. Die Zahl von 50000, die die Deutsche Presseagentur nennt, bestätigt die Bausparkasse nicht. Diese so genannten Altverträge sind meist mit verhältnismäßig hohen Guthabenzinsen hinterlegt. Angesichts der Niedrigzinsphase wirken sich diese nicht abgerufenen Altverträge negativ auf das Ergebnis der Bausparkasse aus. Andere Bausparkassen hatten die Kündigungen der Altverträge schon vor längerer Zeit vollzogen. Schwäbisch Hall hat sich diesen Schritt in den zurückliegenden Monaten vorbehalten. Das Landgericht Mainz bestätigte die Rechtmäßigkeit der Kündigungen, Verbraucherschützer sind anderer Meinung.

JUST

FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner in Schwäbisch Hall

Mut Über Freiheit, Flexibilität und Reformbereitschaft, zusammengefasst unter dem Stichwort "Mut zur Marktwirtschaft", sprach Christian Lindner bei der Hauptversammlung. Der Bundesvorsitzende der FDP sieht Deutschland in einem exzellenten Zustand. Dieser sei aber keine Selbstverständlichkeit, er müsse ständig neu gesichert werden. Allerdings sei es ein Problem, dass mehr über das Verteilen des Wohlstands diskutiert werde als über das Erhalten. Es gehe darum, Pflöcke einzuschlagen, an denen das soziale Netz aufgehängt werden kann. Anhand der Beispiele Mietpreisbremse und Vorruhestandsregelung machte der Bundesvorsitzende Positionen der Liberalen deutlich. "In Deutschland zählt das edle Motiv, weniger die sinnvolle, praktikable Lösung", behauptete Christian Lindner.

Hinter den niedrigen Zinsen sieht Lindner eine Umverteilung von Privat zu Staat, von der Gegenwart auf die Zukunft. Bürokratie, Abkassieren und Bevormundung mache die Menschen klein. Bevor der Staat gerufen wird, habe aber jeder die Chance verdient, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Der FDP-Hoffnungsträger sprach nahezu eine Stunde frei. Er schlenderte haarscharf an der Bühnenkante entlang. Auf den Mainstream nahm Lindner wenig Rücksicht. Deutlich wurde der neue Kurs der

Liberalen, es nicht mehr

allen rechtmachen zu wollen.

JUST

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