Hartmut Baumann: „Bin auch Fan von Hochhäusern“

Hartmut Baumann ist Bauingenieur und Statiker: Der FWV-Fraktionsvorsitzende fordert einen Baubürgermeister. Er findet Hochhäuser gut.

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Wie wohnen Sie eigentlich?
HARTMUT BAUMANN:
Es war mein Traum, ein eigenes Haus zu besitzen. Deshalb habe ich mit meiner Frau 1975 im Teurershof gebaut. Wir waren die Ersten. Das ist normaler Mittelstand, solide, eingeschossiges Haus, also ein Bungalow mit einem ordentlichen Grundstück.

Warum braucht Schwäbisch Hall wieder einen Baubürgermeister?
HARTMUT BAUMANN: Siedlungsentwicklungen wie Sonnenrain oder Bahnhofsareal müssen von einem Städtebaufachmann führend begleitet werden. Die Pflege unserer Bausubstanz ist mit gleicher Gewichtung zu sehen. Wir kommen mit einem Baubürgermeister und der passenden strukturellen Veränderung des Dezernats auf ein anderes Level, auch im Bereich Stadtentwicklung.

Hat es der Oberbürgermeister in den vergangenen Jahren nicht gut genug gemacht?
HARTMUT BAUMANN: Unser OB hat den Baubürgermeister aus dem Bauch heraus gemacht. Er hat die ganze Welt gesehen und viele gute Ideen. Bei Architektur und Städtebau braucht es aber mehr als diese Erfahrung und eigenen Geschmack.

Wäre Peter Klink der richtige Baubürgermeister?
HARTMUT BAUMANN: Ja, ich halte sehr viel von ihm. Er hat großes Fachwissen. Zudem ist er nicht nur Architekt, sondern kennt sich auch beim Städtebau aus, hat den Gesamtblick.

Kann er das als Fachbereichsleiter Planen und Bauen nicht genauso leisten?
HARTMUT BAUMANN: Der Baubürgermeister hat ein Alleinstellungsmerkmal, viel mehr Akzeptanz und Durchsetzungsvermögen. Kurz: Der König ist mehr wert als der Baron.

Für Bettina Wilhelm ist in der neuen Struktur kein Platz mehr. Ihre Amtszeit endet am 31. März 2017. Ist die Erste Bürgermeisterin das Opfer?
HARTMUT BAUMANN: Nein, sie hat ja selbst die Entscheidung getroffen, Wahlbeamtin zu werden. Sie wurde vom Gemeinderat auf acht Jahre gewählt. Da kann es wieder vorbei sein. Es war eine rein sachbezogene Entscheidung. Die FWV war und ist mit der Arbeit von Bettina Wilhelm äußerst zufrieden.

Wer übernimmt ihre Aufgaben künftig? Passt das?
HARTMUT BAUMANN: Der OB, hat er ja früher bereits gemacht. Zudem ist das Feld gut bestellt, viel beispielsweise im Bereich Gemeinschaftsschule und Ganztagsschule auf den Weg gebracht, die Schullandschaft neu geordnet.

Sie sind Statiker und Stadtrat: Wie kommen Sie mit dieser Doppelrolle beim Thema Stadtentwicklung zurecht?
HARTMUT BAUMANN: Mein Beruf ist kein Handel, sondern eine Dienstleistung, die nach Gebührenordnung bezahlt wird. Ich bekomme einen Auftrag und setze das mit meinen zehn Mitarbeitern um. Das ist für die Stadt günstiger und mindestens genauso gut, wie wenn es eine Firma aus Stuttgart machen würde. Zudem bleibt die Kaufkraft in Hall. Ich habe mit meiner Firma rund 30 Prozent öffentliche Aufträge im Jahr, nicht nur in Hall, auch in Potsdam oder in Karlsruhe. Der Löwenanteil sind private Aufträge. Es fehlt ein weiterer Statiker in Hall, dann ließe sich splitten. Ich kann nichts dafür und habe kein schlechtes Gewissen.

Hall wächst, aber wächst die Kocherstadt vielleicht zu schnell? Oder braucht es gerade mehrere Baugebiete auf einmal, weil der Bedarf an Wohnungen, an bezahlbarem Wohnraum groß ist, größer wird?
HARTMUT BAUMANN: Ich möchte dazu mal einfach Zahlen sprechen lassen. Wir haben derzeit rund 25.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Stadt. Jährlich steigen davon rund 600 aus, es kommen aber nur 400 potentielle Nachfolger durch Geburten dazu. Davon werden lediglich 70 Prozent in diesem Sinne erwerbstätig. Bedeutet, das Delta ist noch größer, das jedes Jahr geschlossen werden muss, von Zuzügen und Wegzügen einmal abgesehen. Dadurch wird deutlich, dass Hall schon alleine aus diesem Grund wachsen muss, nur um diese Lücke zu schließen. Außerdem kommt der kontinuierlich steigende Wohnraumverbrauch dazu. Heute braucht ein zweiköpfiger Personenhaushalt rund 120 Quadratmeter, so viel wie früher ein vierköpfiger Personenhaushalt.

Und der Flächenverbrauch ist Ihnen egal?
HARTMUT BAUMANN: Ich sehe das eher entspannt. Was bedeutet Flächen- oder Landverbrauch? Die Landwirtschaft geht zurück, viele Felder werden nicht mehr bestellt und liegen brach, ist das besser? Zudem müssen an anderer Stelle Ausgleichsflächen geschaffen werden, wenn gebaut, Fläche verbraucht wird.

Sie haben vor rund einem Jahr den Bau von Hochhäusern gefordert – was finden Sie gut an dieser Bauweise?
HARTMUT BAUMANN: Ich bin auch Fan von Hochhäusern. Damit meine ich natürlich nicht eine reine Hochhaussiedlung. Mit Blick auf das Thema Flächenverbrauch macht in die Höhe bauen ja auch Sinn. Es kommt aber auf den Mix an. Hagenbach beispielsweise ist eine stimmige Siedlung. Die optische Korrespondenz  zwischen den Punkthäusern, also Hochhäusern, mit umrandenden Grünzonen, den Stockwerksbauten, Reihen- und Gartenhofhäusern, bis hin zu Bungalows in unterschiedlichsten Größen hat ebenso städtebauliche Qualität wie die Erschließung. Die Proportionen der verschiedenen Häusertypen wirken harmonisch.

Wie sehen Sie die Gestaltung der Weilerwiese?
HARTMUT BAUMANN: Der ursprünglich geplante Kinderspielplatz war zu teuer, es gab nur einen Anbieter. Das ging so nicht. Dann kam noch eine Idee dazu, ein Ärtzehaus hinzubauen, außerdem braucht das Hotel Hohenlohe mehr Platz. Dadurch ergab sich Bedarf an Parkplätzen, an denen fehlt es in Hall, also kam die Tiefgarage dazu. Ein großer und moderner Freizeitpark entsteht trotzdem. Unterm Strich haben alle gewonnen. Mir gefällt das Ergebnis, zu globig, klotzig finde ich das nicht. Der Blick in die Innenstadt wird wieder schöner. Letztlich hat auch die negative Diskussion ihr Gutes, denn dadurch wurde die Krönung möglich, die Renaturierung des Kochers, die Stadt am Fluss nimmt Gestalt an. Ich bin überzeugt: In drei Jahren wird das stimmig und fertig sein, eine wunderschöne neue Stelle in der Stadt.

Freuen Sie sich aufs neue Theater?
HARTMUT BAUMANN: Ja, eine Stadt muss im Wandel sein, auch immer wieder etwas Neues hervorbringen, um interessant und attraktiv im Wettbewerb mit anderen Städten zu bleiben, die sich mit ähnlichen kulturellen Angeboten positionieren. Das gilt vor allem für die zweite Spielstätte der Freilichtspiele. Es hätte keinen Sinn mehr gemacht, immer weiter am alten Globe herumzuflicken. Ich freue mich vor allem darauf, dass es sich nach außen öffnen kann und ein großer Vorplatz entsteht. Ich erinnere mich gerne an die Sonntagskonzerte auf dem Unterwöhrd zurück, als an ähnlicher Stelle die Musikmuschel stand. Das könnte noch schöner wieder zurückkommen.
 

Zur Person

Hartmut Baumann wurde am 17. März 1949 in Schwäbisch Hall geboren. Er besuchte  die Grundschule am Langen Graben und die Realschule in Hall. Von 1965 bis 1967 absolvierte er eine Lehre zum Bauzeichner und hängte bis 1970 ein Ingenieurstudium auf der Fachhochschule Stuttgart dran. Danach arbeitete er bei der Firma Härer als Statiker, wo er zuvor bereits ein Praktikum gemacht hatte. Seit 1972 ist er selbstständiger Statiker und Inhaber von Statik Baumann mit derzeit zehn Mitarbeitern. 1972 heiratete Baumann. Er hat mit seiner Frau zwei erwachsene Kinder und zwei Enkelkinder. Er wohnt seit 1975 im Teurershof, wo er ein Haus gebaut hat. Baumann ist seit 1984 im Gemeinderat der Stadt Schwäbisch Hall, damit dienstältestes Mitglied und erster ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Baumann ist Mitglied in vielen Haller Vereinen, war unter anderem 15 Jahre Vorsitzender des TC Teurershof und ebenso lange Vorsitzender der Sportfreunde Hall. In seiner Freizeit verbringt Baumann gerne Zeit mit der Familie und mit seinen Enkeln. Er spielt Golf und ist leidenschaftlicher Fußballfan, insbesondere Fan des Zweitligisten VfB Stuttgart und Mitglied dieses Vereins. cus

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