Hallia Venezia: 15. Auflage des venezianischen Karnevals in Hall ein Besuchermagnet

Hallia Venezia lockt am Sonntag bei blauem Himmel und strahlenden Sonnenschein Tausende Besucher in die Gassen von Hall. Kostüme, Masken und Gestik der verkleideten Protagonisten beeindrucken.

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„Boahh, das sieht ja schick aus“, sagt eine sichtlich faszinierte Frau mit ihren beiden Kindern an den Händen auf dem Grasmarkt. Sie läuft gerade an einer puppengleichen, maskierten Figur vorbei. Die Verkleidete ist gänzlich in Gold gehüllt. Sie trägt spitze Schulterpolster, eine funkelnde Maske und hält ein Zepter in den Händen. Beeindruckt bleiben die Kinder stehen: „Mama, ist darunter eine Frau oder ein Mann?“, fragen sie. „Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht“, gibt ihre Mutter offen zu. „Aber das ist doch eigentlich auch egal. Es ist einfach schön“, sagt die Mutter.

 


Wie aus einer anderen Welt

 

Die junge Familie hat es wie Tausende andere Besucher auch am Sonntag in die Haller Innenstadt gezogen. Der Grund: Hallia Venezia – der venezianische Karneval auf Haller Art. Etwa 100 Maskenträger streifen bei herrlichem Sonnenschein durch die Gassen der Kocherstadt. Sie tragen bunte, fantasievolle Gewänder, ihre Gesichter sind mit aufwendig gestalteten Masken bedeckt. Ihre Gestik hat etwas Anmutiges, Erhebenes, Zauberhaftes. Die Kostümierten scheinen aus einer anderen Welt zu stammen.

Überall, wo sie auftauchen, halten die Massen inne. Viele Menschen zücken die Kamera – wohl das häufigste Accessoire an diesem Sonntag – und versuchen, die Gewandeten abzulichten, die satten Farben und die liebevollen Feinheiten einzufangen.

Auch Rainer Hinz aus Bretzfeld und Martin Rau aus Langenbrettach gehören zu den Hobbyfotografen. Beide kommen seit vielen Jahren zu Hallia Venezia. „Es ist immer wieder schön“, sind sie sich einig. Und am Sonntag, da hätte einfach alles gestimmt: Wetter, Kulisse und Kostüme. „Die Maskenträger inszenieren sich wunderbar. Sie spielen mit der Kamera und setzten sich in Pose“, schwärmt Rau. Kollege Hinz ergänzt: „Die Feinheiten sind atemberaubend. Egal, wie nah man an die Verkleideten ranzoomt, man kann tolle Details festhalten.“
 


Anders ist jedoch die Art der Kommunikation zwischen Fotograf und abgelichtetem Protagonist. „Man gibt weniger verbale Anweisungen. Es ist vielmehr ein Spiel mit den Augen und der Gestik“, erklärt Hinz. Und das soll auch so sein, denn anders, als der Fasching hierzulande, ist der venezianische Karneval ein ruhiges Wandeln durch die Straßen, ein Inszenesetzen der Kostüme und Masken, eine Einladung zum Staunen und Träumen.

Der Höhepunkt von Hallia Venezia ist das großes Defilee auf dem Marktplatz. Es ist eine Art feierliches Schreiten der Maskierten auf der Treppe vor der Michaelskirche. Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ erklingen und das Wandeln der kostümierten Protagonisten beginnt. „Ich hätte nie gedacht, dass Hallia Venezia eine solch große Vielfalt bietet“, gesteht die 24-jährige Eleni Anastassatos aus Hall. Die junge Frau ist das erste Mal beim venezianischen Karneval in der alten Reichstadt dabei – und ist sichtlich beeindruckt. „Die Kostüme sind großartig und mega aufwendig gemacht. Das ist wirklich toll.“

Freundin unter Maskenträgern nicht entdeckt

Ähnlich empfinden das die Freundinnen Sabine Grames aus Gelbingen und Elke Gruber aus Übrigshauen. Auch für Gruber ist es die Premiere bei Hallia Venezia. „Ich war neugierig, wie das gemacht ist. Und ich muss sagen, es hat sich gelohnt zu kommen. Es ist schön, Hall von einer neuen Seite zu erleben.“ Grames kommt schon im fünften Jahr: „Man muss solche Veranstaltungen unterstützen, zumal es sich lohnt und immer wieder Spaß macht.“ Sie habe eine Bekannte, die unter den Verkleideten sei, habe sie aber nicht ausmachen können. „Man rätselt zwar immer wieder, aber man hat doch keine Chance, jemanden zu erkennen“, sagt sie lachend.

Doch nicht jeder der vielen Besucher scheint von den Verkleideten nur fasziniert zu sein. Die einjährige Svenja ist mit ihrer Familie aus Esslingen zu Gast in Hall. Gerade schießt ihre Mama ein Foto einer in bunten Stoffen gehüllten Frau. Skeptisch blickt das Mädchen drein, so ganz geheuer scheint ihr die Fremde nicht zu sein. Als diese sich auf das Mädchen zubewegt, um ihr einen kleine Vogelfigur zu zeigen, die sie in Händen hält, brechen bei der Kleinen alle Dämme. Bitterlich beginnt sie auf Papas Arm zu weinen. Doch sobald die Unbekannte wieder ihrer Wege zieht, fängt auch Svenja wieder an, neugierig und gebannt in die Mengen zu blicken.

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