Hallerin Afife Shahwish will ihre Schwester aus Syrien nach Deutschland holen

Afife Shahwish ist vor 17 Jahren nach Hall gekommen. Eltern und Geschwister sind noch in Syrien. Ihre Schwester lebt seit dem Tod ihres Mannes sehr gefährdet. Afife hofft, sie nach Deutschland holen zu können.

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Die in Hall lebende Syrerin Afife Schahwira bemüht sich darum, ihre Schwester und deren Kinder aus dem Land Syrien zu bekommen.  Foto: 

Immer mehr Familienmitglieder kommen in das Wohnzimmer der Shahwishs und nehmen auf zwei großen Ledersofas Platz. Sie wollen alle dabei sein, wenn Mutter Afife (37) und Tochter Gilan (19) von Afifes Schwester in Syrien erzählen. „Sie hat ein schweres Leben. Ihr Mann ist gestorben und sie hat sechs Kinder.“ Der Mann der Schwester wurde im August 2013 Opfer eines Selbstmordattentats eines radikalen Moslems. Dieser sprengte sich auf offener Straße in die Luft; der Ehemann fuhr gerade mit dem Auto vorbei. Er hinterlässt seine 40-jährige Frau und sechs Kinder, das Jüngste ist fünf Jahre alt.

Der Familie der Schwester ging es vor diesem Unglück sehr gut. Der Mann arbeitete handwerklich, meist in mehreren Anstellungen gleichzeitig, damit sie es sich leisten konnten, in Damaskus ein stattliches Haus zu bauen. „Es war ein kleines Paradies, mit Innenhof und Brunnen“, schwärmt Gilan Shahwish. Die Schwester Afifes hat nicht gearbeitet. Frauen würden in Syrien nur selten arbeiten, berichtet die Familie. Und wenn, dann nur in gehobenen Positionen. Putzfrauen sind dort die Männer.

Kinder werden von radikalen Muslimen entführt, Frauen vergewaltigt

Halia, die Schwester Afifes, hat kaum eine Chance, eine Arbeit zu finden. Als Witwe ist man ohne Unterstützung nicht fähig, eine Familie zu ernähren. Halia musste Damaskus verlassen und lebt nun im Süden des Landes, bei den Schwiegereltern im Haus. Das Haus hat drei Zimmer; darin wohnen jetzt rund 20 Personen. Zu essen gibt es wenig, weil man in dem vom Bürgerkrieg geplagten Land kaum noch Lebensmittel bekommt. Die Kinder können nicht mehr in die Schule gehen. „Kleine Kinder werden von den radikalen Muslimen entführt. Frauen werden vergewaltigt“, sagt Afife Shahwish. „Am Tag teilen sie sich eine Scheibe Brot. Fleisch gibt es vielleicht einmal im Jahr.“

Die Syrerin ist seit ihrer eigenen Ankunft in Hall vor 17 Jahren in Kontakt mit dem Freundeskreis Asyl. Als es hieß, Deutschland würde 500 Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen, wandte sich Familie Shahwish an Inge Lamberg-Scherl vom Freundeskreis. Gemeinsam setzten sie den Antrag auf. 500 Syrer waren schneller als sie. Das einzige, was ihnen bleibt, ist, die Schwester finanziell zu unterstützen, damit sie sich wenigstens Lebensmittel besorgen kann. Wenn mehr Geld zur Verfügung stünde, könnte die siebenköpfige Familie in ein Nachbarland flüchten und auf ein besseres Überleben hoffen.

Regelmäßig sitzt die Familie Shawish in ihrer Dachgeschosswohnung in Hall rund um das Telefon und spricht mit den Verwandten in Syrien. Mit der Nichte skypen (Internettelefonie vor der Bildschirmkamera) sie manchmal. Getroffen hat Afife Shahwish ihre Familie seit 17 Jahren nicht mehr. Die gelernte Kosmetikerin folgte damals ihrem Mann, der ein paar Jahre zuvor nach Deutschland gegangen war, um Geld zu verdienen. Als er 20.000 Mark beisammen hatte, konnte er seine Frau und die kleine Tochter nachholen.

Afife Shahwish arbeitet bei der Metzgerei Hespelt. Ist Schwäbisch Hall ihre Heimat geworden? „Klar“, sagt Tochter Gilan überzeugt. Die Eltern nicken. „Meine drei Kinder sind hier zu Hause. Selbst wenn der Krieg in Syrien endete, würden wir nicht wieder zurück gehen. Meine Kinder wollen hier bleiben, und ich will bei meinen Kinder bleiben.“ Der größte Wunsch aber wäre, dass dieser Krieg aufhörte und es ihren Familien endlich wieder gut ginge.

Info Wer die Familie unterstützen möchte, kann sich mit Wolfgang Engel und dem Verein Grenzenlose Freundschaft in Verbindung setzen. Telefonnummer: (0791) 946740.

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