Haller Umweltzentrum kritisiert Flächenverbrauch und geringen Einfluss

"Verheerende Auswirkungen" auf die Natur habe der Bauboom in der Region. Das beklagt Martin Zorzi vom Umweltzentrum in Schwäbisch Hall.

|
Der Diplom- Biologe Martin Zorzi leitet das Haller Umweltzentrum in der Gelbinger Gasse. Foto: tob

Von einer "ernüchternden Bilanz" schreibt Martin Zorzi in einem Brief zum Jahreswechsel an die Mitglieder und Freunde des Haller Umweltzentrums. Der Kreisgeschäftsführer des Verbands beklagt den massiven Flächenverbrauch durch neue Bau- und Gewerbegebiete. Hinzu komme meist eine noch intensivere Nutzung der verbleibenden Äcker durch die Landwirtschaft.

Gerade in Schwäbisch Hall wird derzeit viel gebaut: Die Flächen für Industrie und Gewerbe in der Stadtheide und in der Kerz (Gemarkung Michelfeld) werden deutlich erweitert. Bestehende Wohngebiete wie die Kreuzäcker erhalten Zuwachs. Neu geschaffene Areale wie die Mittelhöhe in Hessental oder das Gebiet An der Breiteich dehnen sich aufgrund der großen Nachfrage schneller aus als zunächst gedacht. Landesweit wird derzeit täglich eine Fläche, die in etwa zehn Fußballfeldern entspricht, zur Bebauung verplant.

Zorzi klagt, dass die Stellungnahmen des Umweltzentrums zu den Bebauungsplänen der Kommunen, nicht nur in Schwäbisch Hall, generell zu wenig Beachtung fänden. "An der Ausdehnung, Erschließung und Dichte der Bebauung ist meist nichts mehr zu rütteln", heißt es im Informationsbrief des Diplom-Biologen. Von einer ergebnisoffenen Planung, die sich den ökologischen Fakten anpasse, könne oft keine Rede sein. Recherchiere man nach, erfahre man oft von Vorabsprachen: "Oft sind sogar schon lange vor der Genehmigung Grundstücksgeschäfte erfolgt - ja, selbst Investoren werben mit Anzeigen und Prospekten für Immobilien auf noch gar nicht genehmigten Plänen."

Das Umweltzentrum ist der Dachverband fast aller im Kreis tätigen Naturschutzorganisationen. Ihm sind rund 6000 Personen angeschlossen. Eine wichtige Aufgabe ist es, bei Bauvorhaben als "Träger öffentlicher Belange" als Interessensvertreter zu fungieren. Entscheidungsträger sind letztendlich die Kommunalparlamente - in Schwäbisch Hall also der Gemeinderat.

In der Stadt Hall ist die gesamte Fläche für Wohnen, Gewerbe, Straßen, Wege und Plätze seit 1988 von 1676 auf 2122 Hektar (16,1 auf 20,4 Prozent) gestiegen. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche sank in diesem Zeitraum von 6280 (60,2) auf 5659 Hektar (54,3 Prozent). Die Waldfläche dagegen wuchs von 2320 Hektar (22,2) auf 2471 Hektar (23,7 Prozent).

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

EBM-Papst hält an Ausstieg fest

Der Mulfinger Ventilatoren- und Elektromotorenspezialist betont, dass er das geplante Institut am Künzelsauer Hochschul-Standort nicht mitträgt. weiter lesen