Haller Schüler besuchen Flüchtlingskinder und unterstützen sie mit Projekten

Wie geht es jungen Flüchtlingen in Deutschland? Mit dieser Frage haben sich Schüler der "Faire Welt AG" des Gymnasiums bei St. Michael beschäftigt. Sie besuchten das Flüchtlingsheim im Haller Steinbeisweg.

|

Die aktuelle Situation der Flüchtlinge in der Welt beschäftigt nicht nur die Politik, sondern auch Jugendliche in der Umgebung von Schwäbisch Hall. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft "Faire Welt" des Gymnasiums bei St. Michael haben sich die Fragen gestellt: Wie geht es jungen Flüchtlingen in Deutschland, vor allem denen in Schwäbisch Hall? Und was können Jugendlichen tun, um ihnen zu helfen?

Der Anteil der Kinder und Jugendliche unter den Flüchtlingen ist groß - laut der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl lag die Zahl im Jahr 2012 bei 46 Prozent. Auch in Deutschland stieg 2013 die Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Die Hauptherkunftsstaaten waren laut der Internetseite Afghanistan, Somalia und Syrien.

Die AG nahm daher Kontakt zum Freundeskreis Asyl in Schwäbisch Hall auf. Nach einem spannenden Treffen mit Rechtsanwalt Oliver Scheid (siehe Interview unten) kamen die Schüler zum Entschluss, das Flüchtlingsheim im Steinbeisweg in Hall zu besuchen. Aus diesem ersten Kontakt, bei dem die Schüler mit den Flüchtlingskindern Waffeln backen durften und einigen Erwachsenen Deutschunterricht gaben, entstanden weitere Ideen.

Eine Aktion des Haller Gymnasiums war - angelehnt an die Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" -, dass Schüler aus allen Klassenstufen Kartons mit Geschenken für die Flüchtlingskinder gestalten. Die Kinder haben sich, so berichten die Schüler, sehr gefreut.

Vier dieser Kinder, die im Haller Flüchtlingsheim wohnen, haben Angst vor der Abschiebung. Bei einem Gespräch mit Hajrija Rustemova (16) und ihrer kleinen Schwester Almira Komina (10) erzählen sie vom Schicksal ihrer Familie. Sie und ihre beiden Brüder Hamed (14) und Alen (13) sind Roma und stammen aus Mazedonien. "Als Roma werden wir dort ausgegrenzt. Doch andere Roma werfen uns vor, dass wir keine richtigen Roma seien. Unser Vater sei ja ein Albaner."

Da in Mazedonien noch immer das Gesetz der Blutrache verbreitet sei, werde die Familie für schwere Gewalttaten eines Cousins mitverantwortlich gemacht. Ihnen sei angedroht worden, dass zwei Personen ihrer Familie dafür mit dem Leben büßen müssten. "Auch wir Kinder wurden bedroht und konnten deshalb nicht mehr zur Schule gehen. Wir haben alle Freunde verloren. Niemand wollte mehr mit uns spielen. Wir wurden beschimpft und beleidigt", erzählt Hajrija.

Die Möglichkeit, beschützt zu werden oder in einer anderen Stadt oder Region in ihrem Heimatland zu leben, hätten sie nicht: "Die Polizei schützt uns nicht. Woanders können wir nicht hingehen. Sie werden uns überall finden."

Hier in Hall fühlen sich die jungen Flüchtlinge wohl. Sie haben Freunde gefunden und gehen auf die Thomas-Schweicker-Werkrealschule. Sie bemühen sich, in der Schule gut zu sein, um anschließend einen Beruf zu erlernen.

"Wenn wir genau wüssten, dass wir nicht abgeschoben werden, könnten wir noch besser lernen. Hier in Schwäbisch Hall haben wir viele Freunde. Hier sind wir heimisch geworden." Außerdem könnten sie ihre Freizeit sinnvoll gestalten, zum Beispiel im Heimbacher Hof. "Und wir können sonntags in die Kirche gehen, in die Glocke, ganz hier in der Nähe."

Mit allen Mitteln versuchen die Jugendlichen jetzt, ihre Abschiebung zu verhindern. Nachdem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ihre Asylanträge abgelehnt hat, starten sie jetzt eine Petition, bei der sie von deutschen Freunden unterstützt werden. Diese beinhalteten viele rechtliche Artikel, auf die sie sich berufen. Der Text soll an den Petitionsausschuss des Landtags geschickt werden.

Info Die "Faire Welt AG" sucht neue Mitglieder und will andere Jugendliche dazu animieren, selbst aktiv zu werden. Wer Hajrija, Almria, Hamed und Alen unterstützen möchte, kann zudem über die Schule an einer Unterschriftensammlung teilnehmen.

Kommentieren

Kommentare

09.02.2015 12:31 Uhr

Fehlinformation

Die Blutrache ist nicht in Makedonien verbreitet, sondern ist unter Ethnien verbreitet die in Makedonien leben. Die Blutrache ist Gesetz bei Roma und Albanern, aber nicht bei uns Makedonier!

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mitdenkendes Fahrradschloss

Der Spritzgußspezialist Wirthwein will sich mit neuen Entwicklung einen weiteren Markt erschließen. weiter lesen