Haller Partnerschaft mit Loughboroug trotzt dem Brexit

Es ist wie eine Hochzeit, bei der die Braut zuvor die Scheidung eingereicht hat: Kurz nach dem Brexit-Votum feiert man in Halls Partnerstadt.

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    Der Auftritt der Sieder in der englischen Partnerstadt Loughborough beim Jubiläum. Foto: 
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    Große Ehre. Ein Raum in der Stadtverwaltung wird nach Schwäbisch Hall benannt (von links): Stadträte Graf von Westerholt, Ruth Schmalzriedt, OB Hermann-Josef Pelgrim und Mayor David Gaskell. Foto: 
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„Als vor 50 Jahren die Partnerschaft besiegelt wurde, war England noch gar nicht in der EU, daher übersteht die Beziehung zu Schwäbisch Hall auch einen Austritt Großbritanniens aus der EU“, gibt CDU-Stadtrat Ludger Graf von Westerholt sinngemäß die Worte des Bürgermeisters aus Loughborough wieder.

Der hatte vergangenes Wochenende alle Partnerstädte nach Loughborough, das im Süden Englands liegt, eingeladen. Es sollte ein Fest der europäischen Partnerschaft werden. Doch just am Tag zuvor wurden die Delegationen vom Ausgang des Votums überrascht: Die Mehrheit der Briten will, dass ihr Land die EU verlässt. „Dieses Ergebnis sollte aber die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Schwäbisch Hall und zum 60-jährigen Jubiläum mit Epinal nicht beeinträchtigen“, steht im Bericht der Haller Stadtverwaltung.  Thema war der Brexit trotzdem – auch in der Rede von Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim während des Eintrags ins Goldene Buch der Stadt. Deutlich wurde dabei, dass die Begegnungen im Rahmen der Städtepartnerschaften dadurch aber eher noch intensiviert werden sollten.

„Alle Gesprächspartner waren entsetzt über den Brexit“, berichtet Ludger Graf von Westerholt, der zusammen mit Ruth Schmalzriedt (FWV) den Gemeinderat vertrat. „Der Tenor war: Die Partnerschaft muss daher umso mehr betont werden.“ Westerholt habe sich britische Zeitungen gekauft. „Da stehen Argumente für den Austritt drin, die in Deutschland nicht so betont werden.“ Das stimmte ihn nachdenklich: „Europa muss sich schon fragen, ob es alles richtig gemacht hat.“ Während des Festaktes wurde der Engländerin Mavis Mason für ihr Engagement für die Städtepartnerschaft die Silberne Rathausmedaille der Stadt Hall verliehen. „Ein Moment, den ich nie vergessen werde. Ich liebe die Stadt und die Menschen in Schwäbisch Hall“, sagte sie sehr gerührt über die Ehre, die ihr zu Teil wurde. Mavis Mason ist bereits Ehrensiederin und so war es selbstverständlich, dass auch die Siederinnen und Sieder, die per Bus nach Loughborough gereist sind, bei den Feierlichkeiten anwesend waren.

Pünktlich zu den Veranstaltungen im Park mit dem Auftritt des Großen Siedershofes hatte sich dann auch das typische englische Wetter mit Regen und Sonne im Wechsel eingestellt. Die 54 in Tracht gekleideten Mitglieder des Großen Siedershofes haben aber dennoch Aufsehen in der Stadt erregt und so mancher Passant in der Innenstadt von Loughborough wurde über die Partnerschaft mit Schwäbisch Hall aufgeklärt. Beim Auftritt am Sonntagvormittag auf dem Marktplatz haben sie bei Sonnenschein dann ein großes Publikum angezogen, berichtet die Stadtverwaltung Hall.

„Es war wirklich klasse. Sie haben sich wunderbar um uns gekümmert“, bestätigt Tobias Rieger. Der Erste Hofbursche der Sieder erzählt: „Während unser Betreuer für den Verbleib in der EU war und auf die Austrittsbefürworter entsprechend geschimpft hat, waren viele ältere Menschen für den Austritt.“ Doch das Nein zur EU habe die partnerschaftlichen Beziehungen in keiner Weise belastet.

Das Geschenk aus Schwäbisch Hall, das im Rahmen eines Wettbewerbs der Akademie der Künste entstanden ist, hatte den Transport nach England im Bus des Siedershofes gut überstanden und wurde von Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim beim feierlichen Festabend übergeben: „Die Salzkristalle im Kunstwerk sollen auch das Motto symbolisieren: Gute Freunde sind das Salz des Lebens.“ Das Werk von Ursula Matheis wird einen Platz im neu getauften Sitzungssaal „Schwäbisch Hall“ finden.

Ein großes Programm wurde den Delegationen geboten, vom Lunch im Dampfzug bis zum Konzertbesuch beim Festival auf der grünen Wiese.

Der Oberbürgermeister von Hall sucht nun weitere Anknüpfungspunkte für zukünftige Begegnungen und Projekte. Beim Besuch der Universität mit 18 000 Studierenden, die zu den besten in Großbritannien gehört, war die Gruppe vom rund 200 Hektar großen Campus beeindruckt. Die Sportfakultät verfügt über großzügige Trainingsmöglichkeiten, wie eine Halle für Leichtathletik, und einige Kunstrasenplätze, die sich in das Gelände des Campus einfügen. Die Fakultät für Kunst und Theater ist ebenso vertreten wie der große Bereich der Ingenieurswissenschaften. Auch hier können Ideen für Beziehungen und Begegnungen entwickelt werden.

Ganz so einfach sei die Intensivierung der Kontakte aber nicht. „2100 Kilometer beträgt die Strecke für Hin- und Rückfahrt – rechnet man die Fähre nicht dazu“, sagt Tobias Rieger. Das werde die Sieder aber nicht davon abhalten, der Insel mal wieder einen Besuch abzustatten.

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