Haller Fans, Gastronomen und Polizei bereiten sich auf EM-Halbfinale vor

Deutschland im EM-Halbfinale: Haller Fans und Gastronomen bereiten sich auf das heutige Fußball-Spekatkel vor – aber auch die Polizei.

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Autokorso zur WM 2014 in Hall: Wenn Deutschland heute gewinnt, erwartet die Polizei wieder hunderte Fans.  Foto: 

Schwarz-rot-goldene Bemalung auf den Wangen, Vuvuzela in der Hand, vier Sterne auf der Brust. Als Jonas Hector beim Elfmeterschießen das Weiterkommen der Deutschen ins Halbfinale sichert, ist der Fan in den oberen Reihen des Optima Sportparks nicht zu halten. Mit ihm feiern 750 Besucher beim Public Viewing. Sie tanzen, sie jubeln, sie liegen sich in den Armen.

Zur heutigen Halbfinal-Begegnung Deutschland gegen Frankreich erwarten die Organisatoren „mindestens genauso viele Besucher“. Für mehr als 1000 Personen seien Getränke und Speisen vorrätig, so Alexander Koppenhöfer, Geschäftsführer der Stadion-GmbH. „Der Eintritt ist frei. Eine Leinwand ist aufgebaut. Außerdem gibt es eine Snack- und eine Limebar.“ Zusätzlich seien mehrere Großbildfernseher aufgebaut. „Wir sind gerüstet.“

Dabei hatte das Public Viewing dort zunächst nur schleppend begonnen. „Wir haben alle Spiele gezeigt“, so Koppenhöfer. In den Vorrundenspielen und auch in der K.O.-Runde seien jeweils bis zu zwölf Personen gekommen. „Anders bei den Deutschlandspielen. Da ist es von anfänglich 250 kontinuierlich nach oben gegangen.“

"Viertelfinale gegen Italien war der Knaller"

Nicht nur im Stadion: Public Viewing gibt es auch in der Innenstadt – wenn auch eingeschränkt. „Wir wollen zwar nicht zu sehr reglementieren“, meint Thorsten Hauck, persönlicher Referent des Oberbürgermeisters. Der Verwaltung sei aber wichtig, dass die Freilichtspiele ungestört bleiben. Heute Abend etwa wird auf der Treppe „Die Tochter des Salzsieders“ gezeigt. Wirte seien bereits Anfang Juni über die Termine informiert worden – mit dem Hinweis, dass dann draußen keine Spiele gezeigt werden dürfen. Betroffen sind Haalstraße, Sparkassenplatz, Blockgasse und Milchmarkt. „Das war auch bei der WM so“, meint Hauck. Zum EM-Finale am Sonntag gilt das Verbot allerdings nicht – dann ist die Treppe theaterfrei.

Kultbucht-Wirtin Lena Neumann hat sich mit dieser Regelung arrangiert. „Wir zeigen die Spiele im Innenbereich auf Leinwand.“ Wie auf Auwiese seien bei ihr im Lokal die Vorrundenspiele eher mäßig besucht gewesen. „Das Viertelfinale gegen Italien war aber der Knaller.“ Mit rund 200 Gästen sei das Lokal voll gewesen. Ein ähnliches Fußballfest erwartet Neumann für heute Abend. Insgesamt sei aber die Begeisterung der Fans bei der EM im Vergleich zur WM vor zwei Jahren „nicht so breit“.

Das meint auch Günter Wagner vom Anlagencafé. „Die Euphorie ist nicht besonders groß.“ Das könne auch am schlechten Wetter während der ersten Spiele liegen. Das Team um Wagner hat aber ohnehin von einem richtigen Public Viewing abgesehen. „Wir bieten unser EM-Wohnzimmer.“ Dafür hängt im Café über der Bühne ein Fernseher. Rund 50 Personen passen ins Lokal. „Es geht um gemütliches Fußballschauen.“

Das will auch Jutta Bornschein. Die Französisch-Lehrerin hat ehemalige Schüler aus dem Gaildorfer Gymnasium zu sich nach Gottwollshausen geladen. „Ich habe hier schon zur WM mit dem Kurs Deutschland-Frankreich geschaut. Jetzt wird es Zeit für eine Revanche.“ Bornschein hat viele Jahre in Frankreich verbracht. Der Vater ihrer beiden Kinder ist Franzose.  Da sei klar, dass ihr Herz für Les Bleus schlage.

Zehn ehemalige Schüler erwartet die Lehrerin, die allesamt für Deutschland jubeln werden. „Wer weiß, vielleicht überzeuge ich sie zum Autokorso, falls Frankreich gewinnt.“ Ihr Tipp: 2:1 für die Équipe Tricolore. „Ich will, dass es ein knappes Spiel wird – oder ein Krimi wie gegen Italien.“ In der Doppelstunde Französisch am Freitagmorgen will sie aber Rücksicht nehmen „auf die sicherlich müden Schüler“.

Wer letztlich jubelt, entscheidet sich heute Abend ab 21 Uhr. Günter Leitmann vom Cercle Francais begeistert sich zwar für die Franzosen, „aber Deutschland im Finale wäre mir doch lieber“. Die Mitglieder des Freundeskreises schauen aber nicht gemeinsam. „Wir sind mittlerweile alle etwas älter.“ Für seinen Bekannten im Kloster Landevennec wünscht sich  Leitmann dann doch ein französisches Finale. Sie hätten die eiserne Regel, nur das Endspiel anzuschauen, um sich nicht zu sehr vom Alltag abzulenken.
 

Regeln und Verstöße

Strecke Während Freilichtspiele-Vorführungen ist ein Autokorso im Bereich zwischen Friedhofsdreieck und Zwinger verboten. Das betrifft auch die Strecke zwischen Schuppach, Marktstraße und Haalstraße. Das Verbot gilt bis 22 Uhr. Jeder Korso darf nach Auflage der Stadt  maximal einmal durch die Innenstadt fahren, um die Anwohner nicht zu sehr zu belasten.

Vorkommnisse Bisher seien Autokorsos in Hall friedlich verlaufen, sagt Polizeisprecher Bernhard Kohn. Bisher habe es keine Beschwerden gegeben. Hall gehöre auch nicht zu den Fan-Hochburgen. Beim Achtelfinale waren rund 100 und beim Viertelfinale rund 200 Fahrzeuge unterwegs. Im Vergleich: In Schwäbisch Gmünd zählte die Polizei am Samstag 800 Fahrzeuge.

Verbote Die Polizei drücke bei Korsos auch mal ein Auge zu. Sie greife aber ein, wenn Personen nicht angeschnallt sind und wenn sie aus den Autos klettern. Verboten sei, Seiten- oder Frontscheiben sowie Scheinwerfer und Blinker zuzuhängen. Gefährlich werde es, wenn Fahnen geschwenkt werden, „besonders an „Applauskurven“, so Kohn. Damit meint er Abschnitte, wo Korsos an feiernden Passanten vorbeifahren – in Hall etwa an der Ecke Salinenstraße/Johanniterstraße. „Wenn Alkohol und Adrenalin zunehmen und manche auf die Straße treten oder sich dort gar hinsetzen, wird es kritisch.“

Konflikte Insgesamt seien weniger Fans auf den Straßen als vor zwei Jahren. Allerdings schlugen manche mehr über die Stränge. Auch die Aggressivität gegenüber der Polizei nehme zu. Zudem würden  Böller und Flaschen geworfen. thumi

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