Haller Architekt Wolfgang Kuhn zeigt Reiseskizzen aus der syrischen Stadt Aleppo

Zerstörung, Gewalt, Vertreibung - im syrischen Aleppo ist das heute Alltag. Wolfgang Kuhn aus Hall hat vor zehn Jahren ein anderes Aleppo erlebt. Er zeigt ab morgen im Haller Architektenhaus Reiseskizzen.

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  • Seine Skizzen von Aleppo entstanden meist in wenigen Minuten am Straßenrand. Manchmal kolorierte Wolfgang Kuhn abends im Hotelzimmer noch nach. 1/2
    Seine Skizzen von Aleppo entstanden meist in wenigen Minuten am Straßenrand. Manchmal kolorierte Wolfgang Kuhn abends im Hotelzimmer noch nach. Foto: 
  • Aleppo im April 2015: Gewalt und Zerstörung prägen die Stadt. 2/2
    Aleppo im April 2015: Gewalt und Zerstörung prägen die Stadt. Foto: 
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Dort, wo Wolfgang Kuhn im Jahr 2005 noch gemütlich kleine Gassen und Höfe zeichnete, herrscht heute Bürgerkrieg. Weite Teile der Stadt sind zerstört, ein großer Teil der Bevölkerung ist auf der Flucht, die Menschen vor Ort leiden. Aleppo im Norden Syriens gilt als eine der ältesten Städte der Menschheitsgeschichte, ist Unesco-Weltkulturerbe.

Seit Jahren kommen Nachrichten der Gewalt und Zerstörung aus Aleppo. Wolfgang Kuhn hört diese mit großer Besorgnis. In ihm reifte ein Gedanke: "Ich wollte einfach irgendetwas tun", erzählt er. Deshalb möchte er nun mit einer Ausstellung von 50 Skizzen, die er während verschiedener Reisen nach Aleppo, aber auch nach Libyen und in den Jemen zeichnete, den Blick auf diese Regionen lenken. Seine kleinformatigen Zeichnungen erzählen von besseren Zeiten.

Kuhn erlebte Aleppo als aufstrebende und freundliche Stadt

Die Faszination für Städte wie Aleppo wurzle bereits in der Studentenzeit, erzählt der 69-jährige Architekt. Damals sei er nach Griechenland gereist und habe sich von antiken Stätten "total begeistern" lassen. Diese Leidenschaft habe sich auf das östliche Mittelmeer ausgedehnt. In Stuttgart stieß Kuhn auf den Verein der Freunde der Altstadt von Aleppo. Eine vom Verein unterstützte Ausstellung im Lindenmuseum bestärkte Kuhn in seinem Wunsch, irgendwann einmal nach Syrien zu reisen.

1993 war es soweit. Wolfgang Kuhn kam auf einer Gruppenreise durch Syrien auch nach Aleppo - zwar nur für kurze Zeit, aber der Haller Architekt saugte die Eindrücke in sich auf. Zuletzt war Kuhn 2005 in Aleppo. Seine Tochter Esther, die in Stuttgart Architektur studierte, arbeitete während der Semesterferien an einem Projekt an der Universität Aleppo - für Wolfgang Kuhn eine willkommene Gelegenheit, seine Tochter zu besuchen und durch die Stadt zu streifen. Während andere Reisende von Sehenswürdigkeiten Fotos machen, ist der Haller Architekt lieber mit seinem "Skizzenbüchle" unterwegs. Dazu eine kleine Schachtel mit Farben, "die passt in die Hosentasche", erzählt er schmunzelnd, "alles ganz einfach, und fürs Wasser nehme ich den Deckel einer Sprudelflasche, das ist alles". An der Straßenecke oder im Café zeichnend hätten ihm immer wieder Menschen über die Schulter geschaut, vor allem Kinder hätten sich für seine Skizzen sehr interessiert. So ist Kuhn mit vielen Menschen in Kontakt gekommen - ohne die Sprache zu sprechen.

Wenn Kuhn von Aleppo erzählt, gerät er ins Schwärmen: die erhabene Zitadelle im Zentrum der Altstadt, der Suq, das Marktviertel mit rund zwölf Kilometern Gassen, das quirlige Treiben auf der Straße, die Innenhöfen als Inseln der Ruhe, stattliche Handelshäuser mit Restaurants, "Höfe von kleinen Moscheen, Kirchen - alles geht ineinander über", sagt Kuhn.

Das friedliche Miteinander von islamischem, jüdischem und christlichem Leben in der Stadt habe ihn damals fasziniert - Aleppo als eine aufstrebende Stadt. Er beschreibt die Atmosphäre als offen, lebendig, freundlich und ohne Misstrauen. "Deshalb ist es jetzt so schmerzhaft, das alles zerstört zu sehen." Doch Kuhn möchte nicht jammern, sondern "mit guten Gedanken" die Stadt begleiten. Und er hofft, dass Aleppo wieder zu einer so "super Stadt" wird, wie er sie kennen gelernt hat.

Ausstellung Architektenhaus

Vernissage "Aleppo und andere unzugängliche Orte" heißt die Ausstellung mit "Reiseskizzen aus anderen Zeiten" von Wolfgang Kuhn. Der Haller Architekt zeigt rund 50 Reproduktionen seiner Skizzen, die bei Reisen vor allem nach Syrien sowie nach Libyen und Jemen entstanden sind. Vernissage wird morgen, Donnerstag, um 19.30 Uhr im Architektenhaus (Obere Herrngasse 8) gefeiert. Mit dabei ist auch Anette Gangler. Die Stadtplanerin und Lehrbeauftragte am Institut für Städtebau der Universität Stuttgart ist Expertin für orientalische Städte, und sie ist Vorsitzende des Vereins Freunde der Altstadt von Aleppo. Kuhns Exponate können nach Ablauf der Ausstellung erworben werden. Der Erlös geht an den Verein der Freunde der Altstadt von Aleppo, der Projekte in der vom Bürgerkrieg erschütterten Stadt unterstützt. Die Ausstellung im Architektenhaus ist freitags von 16 bis 18 Uhr sowie samstags von 11 bis 13 Uhr geöffnet.

SWP

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