H-MUN in Hall: Bei Podiumsdiskussion über "Islamischen Staat" wird heiß debattiert

Es ist wieder H-MUN - das Projekt, bei dem Schüler Vereinte Nationen spielen. Eine Woche läuft die Aktion an Haller Gymnasien. Am zweiten Tag steht in der Aula des Gymnasiums St. Michael eine Diskussion an.

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Moderatorin Tabea Heinle, Jonas Weinert als Generalsekretär und Katrin Heinritz, die Vorsitzende der CDU im Kreis Hall (von links).  Foto: 

Junge Menschen betreten die Aula des Gymnasiums bei St. Michael. Sie tragen Hemd und Krawatte, Rock, Bluse, Kleid. So weit, so lustig. Sich schick anziehen macht Spaß, aber macht es jungen Leuten auch Spaß, sich eine zweistündige Debatte anzuhören? Thema: Ist eine militärische Intervention gegen die Terrororganisation IS nach globaler Rechtspolitik realisierbar und ethisch vertretbar?

Auf dem Podium sitzen Thomas Preisendanz, Schulleiter des Gymnasiums bei St. Michael und Vorsitzender der Haller FDP, Udo Stein als Vertreter der Partei Alternative für Deutschland, Dekanin Anne-Kathrin Kruse, Alexander Lohner vom Hilfswerk Misereor, CDU-Kreisvorsitzende Katrin Heinritz, die Moderatoren und Koordinatoren Marc Maurer, Simon Frohmader und Tabea Heinle sowie der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-Moon, dessen Rolle Jonas Weinert übernimmt.

Jeder scheint zu wissen, was das ist - ein Generalsekretär. Wer es nicht weiß, googelt und findet: Der Generalsekretär ist oberster Verwaltungsbeamter der Vereinten Nationen (United Nations, kurz UN) und ist somit Hauptverantwortlicher für die Verwaltung der UN. Er vertritt die Organisation nach außen.

Die rund 180 Schüler, die zur Diskussion gekommen sind, wissen das. Warum? Weil sie Teilnehmer von H-MUN sind und seit zwei Tagen eingeweiht sind in die Arbeit der Vereinten Nationen. Aufmerksam lauschen sie, was auf der Bühne passiert. Manche schreiben mit.

Alle Teilnehmer auf dem Podium sind sich einig, dass Deutschland in Syrien eingreifen muss. Da, wo Menschen Leid zugefügt werde, könne unser Land nicht wegschauen. In welcher Form wir eingreifen - ob militärisch mit Bodentruppen, mit Schutztruppen, mit Hilfe zu demokratischem Aufbau oder Hilfe zur Selbsthilfe, darüber pendeln die Meinungen hin und her.

Die Kirchenvertreter Kruse und Lohner sind sich einig, dass der Grund für Gewalt, wie sie der IS in die Welt trägt, nie die Religion sein kann. Die Ursache sei immer ein Ressourcenkonflikt. Die Religion sei nur ein Vorwand. Man schaue sich nur an, dass 95 Prozent der Muslime den IS ablehnen, sagen sie.

Schüler stehen auf und stellen Fragen. Zuvor begrüßen sie höflich die Anwesenden. "Auch wenn das egoistisch klingt: Geht uns denn der Krieg in Syrien eigentlich etwas an?", fragt einer. "Ja, denn wir haben den Terror hier. Wir müssen uns schützen", sagt Katrin Heinritz.

Auffällig ist, wie freundlich alle miteinander umgehen. Aus dem Fernsehen kennt man es, dass sich die Politiker in Rage reden und so ereifert kaum den anderen aussprechen lassen.

Auf dem von H-MUN zusammengestellten Podium herrscht ein zahmes Miteinander. Man wartet, bis der andere ausgesprochen hat, fragt "darf ich noch was dazu sagen?", überreicht sich freundlich das Mikrofon. Wie ein Ballspiel, bei dem man vorsichtig mit zarten Fingern den Ball hinüberwirft. Erst zum Ende hin wird es hitziger, der Ball wird ansatzweise geschmettert. Erstaunlich, wie die Schüler mitgehen, auch die im Publikum. Jeder scheint etwas sagen zu wollen. Erstaunlich auch, wie gut vorbereitet der Generalsekretär Jonas Weinert ist. Er kann manches Argument mit Fachwissen entkräften.

Am Ende loben die Erwachsenen auf dem Podium die Schüler und Rektor Thomas Preisendanz sagt: "Ich finde sie toll, immer toller!"

Politisches Planspiel - 180 Schüler debattieren und verhandeln bei H-MUN in Hall

Debatte Model-United-Nations-Konferenzen (MUNs) sind Planspiele, bei denen die Teilnehmer in die Rolle von Delegierten der Vereinten Nationen schlüpfen. In simulierten Gremien wie dem Sicherheitsrat oder der Generalversammlung debattieren die Delegierten über weltpolitische Themen, handeln Kompromisse aus und verabschieden Resolutionen.

Jeder Teilnehmer vertritt einen Staat, in dessen Position er oder sie sich vor der Konferenz eingearbeitet hat. Dabei zählt nicht die persönliche Meinung, sondern die offizielle Position des Staates, die realistisch wiedergegeben werden soll.

Vorteil Die Teilnehmer lernen nicht nur die Arbeitsweisen der internationalen Politik kennen, sondern trainieren auch ihre rhetorischen Fähigkeiten und ihr Verhandlungsgeschick.

Weltweit MUNs gibt es auf der ganzen Welt in vielen Sprachen und für unterschiedliche Altersgruppen. In Deutschland gibt es eine Reihe großer Konferenzen. Schwäbisch Hall hat mit 180 Schülern die größte MUN in Baden-Württemberg.

H-MUN in Hall ist eine fünftägige Konferenz, die von Schülern aller Haller Gymnasien organisiert wird. In den Räumlichkeiten des Gymnasiums bei St. Michael können bis zu 200 Schüler als Delegierte in bis zu sechs Gremien teilnehmen oder im Presse- und Serviceteam mitwirken. Was 2001 klein begann, wuchs aufgrund großer Resonanz immer weiter.

SWP

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