Gutachten zum Schwarzstorch fehlt

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Der Schwarzstorch gilt als scheuer Waldbewohner. Er ist etwas kleiner als sein weitaus häufiger vorkommender Verwandter, der Weißstorch. Für ein geplantes Windkraftareal auf der Gemarkung von Bühlerzell soll ein Gutachten klären, ob hier der Schwarzstorch nistet.  Foto: 

Windkraft-Areale planen die drei Gemeinden Bühlertann, Bühlerzell und Obersontheim gemeinsam als Gemeindeverwaltungsverband (GVV) Oberes Bühlertal. Praktisch festgezurrt sind die beiden Konzentrationszonen E und F westlich von Unterfischach und Rappoltshofen im Waldgebiet der Limpurger Berge. Dazu kamen keine gravierenden Kritikpunkte seitens der Träger öffentlicher Belange.

Ähnlich ist es auch bei der Fläche D südlich von Weiler, wo inzwischen schon neun Anlagen der Firma Uhl genehmigt sind. Hier hat der Investor für das Genehmigungsverfahren artenschutzrechtliche Untersuchungen veranlasst. Das Ergebnis hat die untere Naturschutzbehörde im Landratsamt dazu bewogen, die Fläche zu befürworten. Um den Bau weiterer Anlagen außer den bereits genehmigten zu verhindern, will die Gemeinde Obersontheim erreichen, dass diese Fläche verkleinert wird.

Auf der Gemarkung von Bühlertann sind ebenfalls schon vier Anlagen (Windpark Fronrot) genehmigt worden. Auch sie stehen in einer geplanten Konzentrationsfläche, die damit Fakt ist.

Noch unklar ist, ob die geplante Konzentrationsfläche im Schönbronner Holz, also auf Gemarkung Bühlerzell, bestehen bleibt. Grund ist der Schwarzstorch. Das Landratsamt hat klargestellt, dass das Areal nur im Flächennutzungsplan (FNP) für Windkraft bleiben kann, wenn ein ausführliches Gutachten zum Schwarzstorch erstellt wird. Weil sich an diesen Windrädern der Zeag auch Bürger über eine Genossenschaft beteiligen könnten, drängt der Bühlerzeller Gemeinderat ebenfalls auf diese Untersuchung, um zu klären, ob dort ein Schwarzstorch nistet oder nicht.

Laut Kreisplaner Jens Fuhrmann, der im Auftrag der drei Gemeinden den Flächennutzungsplan erstellt, fordert das Landratsamt ein sehr detailliertes Gutachten, das die gesamte Vegetationsperiode abdeckt. „Die Kosten von rund 26 000 Euro übernimmt die Zeag – egal, wie das Gutachten ausfällt“, so Fuhrmann. „Wir sollten Sicherheit haben, bevor wir endgültig eine Entscheidung treffen“, sagt Bühlerzells Bürgermeister Franz Rechtenbacher.

Sowohl in der Verbandsversammlung wie auch in der Bühlertanner Gemeinderatssitzung widersprach der Bühlertanner Gemeinderat Konrad Stöcker. Schon der Termin der Verbandsversammlung einen Tag vor der Gemeinderatssitzung stieß ihm sauer auf. „Der FNP betrifft uns (Bühlertann) sehr wohl“, sagte er. Seiner Meinung nach sollte der GVV auf die Konzentrationsfläche Schönbronner Holz verzichten. „Wir haben genug Flächen ausgewiesen. Das ist keine Verhinderungsplanung. Private Interessen vor den Naturschutz zu stellen, ist nicht richtig“, sagte er in Richtung Bühlerzell.

Folgendes Szenario treibt ihn um: Was wäre, wenn während der Zeit des Gutachtens kein Schwarzstorchhorst gefunden wird und dann Windräder gebaut werden, der Vogel dann aber ein Jahr später, wenn die Anlagen stehen, wieder brüten will?  Dass der Vogel dann einfach Pech haben soll, damit wollte sich Stöcker nicht zufrieden geben.

Bühlertanns Bürgermeister Michael Dambacher unterstützte das Gutachten. Wenn es den Schwarzstorch nachweist, könne das auch auf den Nachbarlandkreis Auswirkungen haben. Damit meinte er den wenige Kilometer entfernten Windpark Adelmannsfelden, der derzeit im Genehmigungsverfahren ist. Auf der GVV-Sitzung war von verschiedenen Seiten zu hören, dass es gestoppt sei. Das verneinte aber das Landratsamts Ostalbkreis auf Anfrage. Es seien noch ergänzende Unterlagen und Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange erforderlich. Und: Der Schwarzstorch werde im Rahmen des Genehmigungsverfahrens sicher eine Rolle spielen.

Jens Fuhrmann stellte klar, dass für den GVV kein Risiko bestehe, wenn der Flächennutzungsplan erst im Herbst 2017, sobald das Gutachten vorliegt, oder sogar noch später rechtskräftig wird. Wenn Investoren außerhalb der geplanten Zonen Windräder bauen wollen, könne der Verband für ein Jahr einen Rückstellungsantrag stellen, der das Genehmigungsverfahren aussetzt.  Sollte der neue FNP auch dann noch nicht gültig sein, kann auf zwei Jahre verlängert werden.

Info Text

Die Vogelart gehört zu den besonders und streng geschützten Arten. Der Art muss ein hoher „Risiko-Index“ bezüglich Kollisionsgefahr an Wind­energieanlagen zugeordnet werden. Bisher spielte die Windkraft im Wald (überwiegend genutzter Lebensraum) kaum eine Rolle, sodass mit einer zunehmenden Betroffenheit der Art zu rechnen ist. Schwarzstörche sind in der Nähe ihres Horststandortes außerordentlich störungsempfindlich. Zudem sorgen Windkraftanlagen für eine Meidungs- beziehungsweise Barrierewirkung auf die Flugkorridore in die regelmäßig genutzten Nahrungsgebiete. siba

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