Grünes Rot und „Madame Sparkasse“ en rouge

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Pia Simon vor ihrem Werk „Madame Sparkasse“. Es ist in der Sparkasse am Haller Holzmarkt zu sehen.   Foto: 

„Grünes Rot“ nennt sich die aktuelle Ausstellung in den Geschäfts- und Büroräumen der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim am Holzmarkt. Angespielt wird hier nicht etwa auf den grün vordenkenden Sozialdemokraten Erhard Eppler, sondern auf den Titel eines abstrakten Gouache-Gemäldes von Stefan Pröllochs.  Der 48-Jährige lebt seit 1992 in der mittlerweile zum Sonnenhof gehörenden Einrichtung Schöneck. Dort treffen sich seit 2001 Heimbewohner und auswärtige Menschen mit Unterstützungsbedarf regelmäßig als „Künstlergruppe Tausendgrün“ unter fachkundiger Anleitung.

Im Team der beiden Kunsttherapeutinnen Tanja Michaela Krißbach und Susanne Schmid arbeiten derzeit außerdem Claudia Frank, Beate Graf-Egetemeyer und Eugen Zenzinger. Der in Fichtenberg wohnhafte Freiberufler, der auch an der Haller Volkshochschule unterrichtet, sinniert in der Rückschau: „Als ich 2014 anfing, dachte ich, ich betrete einen unbekannten grauen Raum. Aber dann stellte ich fest, dass dieser hell erleuchtet ist von Farben, die mir schon immer vertraut waren.“

Bereits ein Jahr nach der Gründung stellte sich „Tausendgrün“ in der Hirtenscheuer unter dem Titel „innere BildRäume“ vor. Beteiligt waren im Herbst 2002 schon fünf der jetzt 22 behinderten Kunstschaffenden, denen heuer im Kunstfoyer der Sparkasse  Ehre erwiesen wurde. Nicht nur der dreiköpfige Sparkassenvorstand trat bei der bestens besuchten Vernissage geschlossen an, sondern auch viele „normale“ Künstler kamen und staunten.

Vorstandssprecher Thomas Lützelberger erinnerte daran, dass die Künstlergruppe in den Bankräumlichkeiten bereits vor acht Jahren ausgestellt habe. Es habe ein „tolles, bisher einmaliges Echo“ gegeben, denn schnell seien damals „sämtliche Werke der Schau vergriffen“ gewesen. Nun sicherte sich Lützelberger für die Sammlung des Hauses vorab das mit Tempera-Material gefertigte Bild „Madame Sparkasse“ von Pia Simon. Selbst in klammen Phasen des Niedrigzinses kann das öffentlich-rechtliche Geldinstitut doch noch 125 Euro dafür springen lassen. Thomas Edelbluth, Kaufmännischer Vorstand des Sonnenhofs, sagte: „Durch Kunst und Farben sprechen Herzen miteinander, auch wenn die Menschen ihre Stimmen nicht bewusst hören.“

Die Kunsthistorikerin Claudia Scheller-Schach ergänzte sachlich und nüchtern: „Verzerrungen und Überzeichnungen machen den Charme der Werke aus.“ Zu Sylvia Behnkes Gemälde „Baum blüht“ passte musikalisch ideal der textlich frivole Schlager „Veronika, der Lenz ist da“, den Rainer Ellinger bei der Eröffnungsveranstaltung auf einem E-Piano interpretierte.

Info Die Ausstellung ist bis 23. Juni zu den Banköffnungszeiten zu sehen.

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