Großes Theater: Stadträte sind gegen die Kostenerhöhung

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Heute nach dem Motto ,Augen zu und durch zu handeln’, damit werden wir unserer Verantwortung nicht gerecht“, argumentiert SPD-Fraktionschef Helmut Kaiser am Mittwoch im Gemeinderat. Seine Fraktion beantrage die Vertagung des Beschlusses über eine Erhöhung des Zuschusses an die Freilichtspiele. Statt 5,2 Millionen Euro, könnte das Theater nun 7,5 Millionen Euro kosten, was einer Steigerung von 44 Prozent entspricht.

„Wir sehen Bedarf an Nacharbeit“, rügt Ludger Graf von Westerholt, CDU-Fraktionssprecher. So wurde aus einer einfachen Heizung eine teure Klimatisierung, aus einer günstigen Einfach- eine teure Mehrfachverglasung. Und der unsichere Baugrund sei schon ewig bekannt. „Das ursprüngliche Konzept war ein rustikaleres Globe.“ Das sei nun aufgegeben worden. Westerholt: „Wir hätten gerne ein aktuelles Konzept. Und wir hätten gerne darin den Punkt ,Ende der Wünsche’.“

Auch von den Grünen kommt Kritik: „Das ist ein Etikettenschwindel“, urteilt Joachim Härtig. Bei der Entscheidung, ob ein Neubau errichtet werden soll, oder ob man das bisherige Holzrund ertüchtigt, sei es „nicht redlich“ zugegangen. Schon damals hätte man über die hohen Preise für Theatertechnik informiert sein können, die heute in der Rechnung auftauchten. Damals sei für den Globe-Neubau „ein politischer Preis“ genannt worden. Härtig: „Hier muss ganz klar nachgebessert werden. So eine Kostensteigerung ist unseriös.“

„Eine solche Kostensteigerung gibt es nicht im privaten Bereich und auch nicht im Industriebereich. Die gibt es nur dort, wo sich Architekten selbst verwirklichen wollen“, sagt Hartmut Baumann. „Wir wollen ein tolles, neues Globe, aber zu den Kosten, die wir damals beschlossen haben.“

Kristian Neidhardt (FDP) zieht einen Vergleich zu einem Autokauf. Wenn das Modell zu teuer werde, müsse man „den Kauf überdenken“. Die Kritik fällt vehement aus. Und das, obwohl  Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim, der als Vorsitzender des Vereins der Freilichtspiele die Bauherren vertritt und im Gemeinderat das Wohl der Stadt beachten muss, Fachbereichsleiter Peter Klink, Hochbauamtsleiter Dieter Koch und Intendant Christian Doll die Kostensteigerung ausführlich begründet hatten.

Klink betont, dass auch Punkte in der Kostenschätzung stünden, die nicht den Freilichtspielen zuzurechnen sind: „Die neue Trafostation dient nicht nur dem Globe, sondern auch dem Biergarten.“ Die öffentlich zugängliche Toilette würden auch von Gästen anderer Feiern genutzt.

Zunächst wollte Oberbürgermeister Pelgrim den Zuschuss der Stadt zu den Freilichtspielen um 1,5 Millionen Euro erhöhen. Als er dafür in einer nichtöffentlichen Sitzung des Bau- und Planungsausschusses keine Mehrheit sah, reduzierte er ihn auf 500 000 Euro. Der Rest der Zusatzkosten soll über  einen Zuschuss des Landes von einer Million Euro und Sponsorengelder erfolgen.

Doch auch diese reduzierte Kostenerhöhung ist den Stadträten zu hoch. Sie fordern Abstriche. Intendant Christian Doll verspricht, die Punkte mit den Fraktionen durchzugehen. Er signalisiert aber, dass er kaum Spielraum für Abstriche sehe. Dann sehe er aber auch keine Aussicht auf Zustimmung, betont Helmut Kaiser.

Konsens im Rat: Die Baustellenzufahrt darf ab nächster Woche parallel zur bestehenden steinernen Furt zwischen Lindach und Unterwöhrd errichtet werden.

Über den Baustart samt Kostenrahmen fürs „Neue Globe“, wie das Theater heißen soll, wird auf einer Sondersitzung des Gemeinderats in den nächsten Wochen befunden. Schon 2018 soll das Theater bespielt werden. Pelgrim: „Wir stehen ein wenig unter erheblichem Zeitdruck.“

Berichtigung In einer Meldung in unserer gestrigen Ausgabe war der Betrag der Kostenschätzung aus dem Dezember 2015 fälschlicherweise als zu niedrig angegeben worden. Richtig ist: Damals wurde der Bau auf 5,2 Millionen Euro geschätzt. Für den Fehler entschuldigen wir uns.

Kommentar: Es braucht ein Konzept

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In Schwäbisch Hall soll das Globe-Theater durch einen Nachfolge-Bau ersetzt werden. Noch ist strittig, wo das neue Theater entstehen soll.

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