Großes Herz für die Urbanskirche

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Unzählige Male hat Marianne Gässler-Grau die Besucher der Urbanskirche mit ihrem strahlenden Lächeln begrüßt und sie für dieses kostbare und liebenswerte Schmuckstück an der Unterlimpurger Straße begeistert. Archivfoto: Ufuk Arslan

Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat", heißt es im ersten Brief des Apostels Petrus (Kapitel 4, Vers 10) im Neuen Testament. Marianne Gässler-Grau hat dies vorgelebt. Als im Herbst 2004 die Urbanskirche wegen finanzieller Engpässe geschlossen werden sollte, setzten sich viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Gaben ehrenamtlich ein, um das Kleinod für gottesdienstliches Leben zu erhalten. Sehr bald war Marianne Gässler-Grau, zusammen mit ihrem Mann Karlheinz Grau, das Herz des sich bildenden Freundeskreises.

Eine Vielfalt von Begabungen entfaltete sich in Marianne Gässler-Grau zu einer großen Tatkraft, die ansteckend auf andere wirkte. Ob sie sich nun schriftlich, beispielsweise durch das Verfassen vielfältiger Texte, verbal oder durch die Ausstrahlung ihrer Persönlichkeit äußerte, Menschen wurden durch sie motiviert und für das Vorhaben begeistert. Vorausschauend war sie präsent im Heute, aber das Morgen mit den nächsten Schritten lebte schon in ihr.

Viele Menschen werden sich erinnern an ihre Führungen durch die mittelalterlichen Kirchen der Stadt, Kindern erklärte sie anschaulich die Glocken in St. Michael. Mit ganz besonderem Einsatz gestaltete sie aber die Führungen in der Urbanskirche während der Renovierungsarbeiten. Als dann am 24. Juni 2012 das Werk gelungen war und der erste Gottesdienst wieder gefeiert werden konnte, trat sie den Gottesdienstbesuchern an der Kirchentüre noch strahlender entgegen als zuvor. Oft hatte sie die Spendenbereitschaft in den Menschen wecken können mit den schlichten Worten: "Die Urbanskirche soll leben". Fundraising war für sie lebendige Begegnung mit den Menschen. Oberflächlich und halbherzig war sie nie und alles, was sie tat, war in gewissem Sinne perfekt. Wo immer sie bei ihren zahlreichen Aufgaben Menschen traf, merkte sie schnell, wenn jemand ihren Beistand oder ihre Hilfe brauchte. Meisterlich versteckte sie manchmal ihre eigene suchende Persönlichkeit, wenn sie sich mit schier leidenschaftlichem Einsatz für religiöse und philosophische Fragen interessierte.

Wie war das Leben dieser besonderen Frau, deren Spuren uns in Halls mittelalterlichen Kirchen auf Schritt und Tritt begegnen und auch der Nachwelt begegnen werden? Aus einer bäuerlich geprägten und naturverbundenen Familie in Vaihingen/Enz stammend begann sie als 16-Jährige ihre Ausbildung zur Diplom-Verwaltungswirtin. 1972 wurden Schwäbisch Hall und die Bausparkasse ihr zur Heimat. Mit 33 Jahren heiratete sie ihren Mann Karlheinz Grau. Auch ohne eigene Kinder hatte sie Freude an einer großen Familie, deren Mittelpunkt sie bald wurde. Die Bausparkasse hatte sie inzwischen verlassen. Wissbegierig und mit großem Interesse war sie offen für die Welt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sie in den 90er Jahren ein begeistertes Mitglied der Schwäbisch Haller Frauenakademie wurde.

Seit dieser Zeit verwurzelte sie sich mehr und mehr in Schwäbisch Hall und brachte sich mit ihren Begabungen ein. Am Donnerstag der vergangenen Woche fand ihr Leben ein jähes Ende. Die Spuren ihres Engagements werden sichtbar bleiben. Wir werden Marianne Gässler-Grau vermissen.

Info Die Trauerfeier für Marianne Gässler-Grau ist am Dienstag,

26. November, um 14 Uhr in der

Haller Urbanskirche.

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