Grazil aber mit Power

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Die Musiker Lutz Streun, Sebastian Winne, Melane Nkounkolo und TiL Schneider (von links) heizen den rund 100 Zuhörern in der Haller Hospitalkirche mit ihrer Musik ein.  Foto: 

Als Mitte April 2012 die Formation Three Fall bei der Veranstaltungsreihe „Jazztime“ aufspielte, kamen nur wenige Besucher. Diese aber feierten die Neusser Newcomer-Band euphorisch. Bis zur Empore füllte sich ein knappes Jahr später beim Jazz-Art-Festival die Hospitalkirche – und der knackige Sound, der ungeniert auf Jazz-Tradition und zeitgeistigen Hip-Hop zugreift, überzeugte erneut.

Kunstvoll arrangiert ertönten die groovigen Stücke, die damals vielfach von den Red Hot Chili Peppers adaptiert wurden. TiL (ja, mit einem großen L am Schluss!) Schneider an der Posaune, Lutz Streun (Bassklarinette sowie Tenorsaxofon) und Sebastian Winne (Schlagzeug) bilden ein unkonventionell instrumentiertes Trio mit zuweil orchestraler Klangfülle, herbeigeführt durch natur-akustische Tricks der beiden Bläser oder mit elektronischen Hilfsmitteln, die – wie bei Rockgitarristen – mittels Pedalen gesteuert werden.

Nun also ein kunstfertiges Quartett dank Melane Nkounkolo, eine vehemente wie auch subtile Vokalistin mit kongolesischen Wurzeln – authentischer Afro-
Beat inklusive und amerikanischer Soul als Beigabe. Die gemeinsame CD „Four“ erregte bereits immense Beachtung. Man könnte meinen, im Studio sei mit viel Overdupping und Multitrackverfahren gearbeitet worden.

Vor allem eigene Stücke

Aber zuvor schon hatte sich die inzwischen weltweit etablierte Three-Fall-Formation auf der Bühne ja mit digitaler Gerätschaft quasi multiplizieren können. Der pressfrische Silberling präsentiert vor allem Eigenkompositionen, aber auch zwei Stücke schwedischer Provenienz: „Elevation of Love“ des tragisch verstorbenen Pianisten  Esbjörn Svensson und der 1992er-Hit „All that she wants“ der Pop-Band Ace of Base. Eine ganz besondere Cover-Version, anfangs lyrisch und zum Schluss deftig.

Dies alles geschieht weitgehend ohne populistische Anbiederung. Die auswendig ausgeführten Arrangements sind gewitzt, das Spiel perfekt. Und Melane Nkounkolo bringt grazil aber mit Power mehr Farbe ins Spiel. Das beseelte und choralartige Lied „Tata Na Lola” im Kwela-Sound hat sie ihrem 2010 verstorbenen Vater gewidmet, das sehr perkussiv gestaltete „Mòto Pamba“ erzählt über aufblühende und vergehende Freundschaften.

Dann zelebriert das Dreimann-
orchester in der Hospitalkirche immer wieder reine „Instrumentals“. „Alexandria“ beispielsweise bezieht sich auf die nordägyptische Metropole, in der Streun, Schneider und Winne schon mehrfach konzertierten und dozierten. Nun hört man betörende Musik auf arabischen Skalen und Geräusche, die Straßenlärm assoziieren lassen.

Die rund annähernd hundert Zuhörer, des vom Jazzclub und Kulturbüro gemeinsam veranstalteten Konzerts, quittieren das Quartett-Event mit johlend enthusiastischem Applaus und werden dafür mit zwei Zugaben belohnt. Und erst bei diesen „Extras“ schnappt sich Lutz Streun das Tenorsaxophon und lässt seine „Kanne“ rockig röhren. Die Bassklarinette tönt zuvor mittels elektrotechnischer Transformation auch mal wie eine quengelnde Gitarre.

Info Das nächste „Jazztime“-Konzert findet am 4. Oktober mit dem Trompeter Markus Stockhausen und dem Pianisten Florian Weber statt.

Anlauf steht hier, hier die Erklärung

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