Grafenhof: Kolibakterien im Wasser - Gesundheitsamt will Leitung desinfizieren lassen

Bereits seit zehn Wochen müssen die Bewohner der ehemaligen Feriensiedlung Grafenhof ihr Trinkwasser abkochen. Es ist verkeimt. Jetzt sollen Hochbehälter und Leitungen gereinigt und desinfiziert werden.

|
Wasser läuft, immerhin. Das war in Grafenhof vor wenigen Jahren auch schon anders, da gab es gar kein Wasser. Dafür muss nun das Wasser aber vor der Verwendung abgekocht werden.  Foto: 

Nach dem Zähneputzen mit Leitungswasser den Mund ausspülen - das empfiehlt sich derzeit für die Bewohner des Grafenhofs nicht. Auch Planschbecken für Kinder sollten nicht mit Leitungswasser befüllt werden. Der Grund: Das Wasser ist mit Kolibakterien verkeimt, die Grafenhofener müssen deshalb schon seit 28. Mai ihr Trinkwasser abkochen.

Das Wasserabkochen kennen die Grafenhofener, denn seit Jahren gibt es regelmäßig Rohrbrüche im Ort. Doch jetzt kamen weitere Schäden hinzu, die größere Reparaturen nach sich ziehen. Es wird noch einige Wochen dauern, bis diese abgeschlossen sind. Wie das Gesundheitsamt gestern auf Nachfrage dieser Zeitung mitteilt, werden allerdings noch in dieser Woche die Wasserkammern des Sammel- und Hochbehälters gereinigt. Danach sollen diese Kammern sowie das Leitungsnetz gespült und desinfiziert werden. Wenn die anschließende mikrobiologische Untersuchung einwandfrei ist, soll das Abkochgebot aufgehoben werden, heißt es aus dem Gesundheitsamt.

Die Situation im Grafenhof ist vertrackt, wie die Rückschau zeigt: Bei einer Routinekontrolle Ende April wurden in der "Hausinstallation der Kläranlage Grafenhof coliforme Keime" festgestellt, berichtet Dr. Eva König, Leiterin des Gesundheitsamts. Weitere Nachuntersuchungen bestätigten diese Verunreinigung. Die Keime wurden in ansteigender Konzentration gefunden, sowohl im Auslauf des Sammelbehälters, im Zulauf des Hochbehälters als auch im Auslauf ins Wassernetz.

So weit, so schlecht. Während bei allen übrigen Teilorten der Gemeinde Bühlerzell in solchen Fällen die Gemeinde aktiv wird, ist es im Fall des Grafenhofs anders. Der Grafenhof wurde als private Feriensiedlung angelegt, die Wasserversorgungsanlage durch einen eigenen Brunnen gespeist. Deshalb ist zunächst der Eigentümer für die Wasserqualität zuständig. Der Eigentümer indes hat Insolvenz angemeldet - und hat auf Nachfrage des Haller Gesundheitsamts erklärt, es gebe kein Geld für die Sanierung der Wasseranlage.

Bei einer Prüfung der Zuständigkeit stellte sich heraus, dass nicht die Gemeinde sondern das Gesundheitsamt tätig werden muss, berichtet Bühlerzells Bürgermeister Franz Rechtenbacher. Daraufhin erklärte sich das Gesundheitsamt Ende Juni bereit, eine Fachfirma zur Sanierung, Reinigung, Desinfektion und Beprobung zu beauftragen. Mit der Planung und Abwicklung wurde die NOW beauftragt, der Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg mit Sitz in Crailsheim. Wie gestern der Bauleiter der NOW mitteilte, werde es noch vier bis sechs Wochen dauern, bis die Abdeckung des Bohrbrunnens und der Abschlussdeckel für den Sammelbehälter geliefert werden. Wenn diese eingebaut sind, soll die Wasserqualität erneut geprüft werden.

Gesamtes Wassersystem ist undicht

Mehrere Faktoren tragen zur Verunreinigung des Wassers bei. Zum Einen die steten Rohrbrüche. "Wir haben allein drei Rohrbrücke in den vergangenen Wochen geflickt", sagt Bürgermeister Franz Rechtenbacher. Zum anderen die undichte Brunnenkopfabdeckung sowie die undichte Abdeckung am Sammelbehälter. Zudem wurden in der Vergangenheit die Wasserkammern des Sammelbehälters und des Hochbehälters nur unzureichend gereinigt.

Die Höhe der Kosten steht noch nicht fest. Diese wird zunächst das Haller Landratsamt tragen. Steffen Baumgartner, Sprecher des Landratsamts, sagt, der Kreis werde versuchen, sich diese Kosten vom Land ersetzen zu lassen.

Auf unbezahlten Rechnungen sitzt auch die Gemeinde Bühlerzell. Auf mehrere 10000 Euro summieren sich die Kosten für die Behebung von Rohrbrüchen und andere Reparaturen.

Auch auf die Bewohner der Feriensiedlung kommen Rechnungen zu. Vielfach gab es seit sieben Jahren keine Wasserabrechnung für die Haushalte, berichtet Bürgermeister Franz Rechtenbacher. Deshalb verschicke nun der Insolvenzverwalter Gebührenbescheide, um dieses Geld nachträglich zu holen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Viel Zeit und Mühe investieren

Wer einen ausländischen Mitarbeiter einstellt, muss einiges mehr beachten als bei einheimischen Kollegen. weiter lesen