Gewalt gegen Sexualtäter

Das Haller Amtsgericht erhöht die Haftstrafe eines Gefangenen um acht Monate. Der Angeklagte war an einer Gefängnisschlägerei beteiligt.

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Das Gefängnis in Schwäbisch Hall. Hinter diesen Mauern, im Duschraum, griffen Mitgefangene im Juni 2016 einen 23-Jährigen an und misshandelten ihn. Ein Mann musste sich jetzt als Mittäter vor dem Haller Schöffengericht verantworten.  Foto: 

Tatort ist ein Duschraum im Haller Gefängnis:  Ein 23-jähriger Untersuchungshäftling aus Pakistan wird im Juni 2016 von anderen Mithäftlingen schwer misshandelt. Der Grund: Er ist ein Sexualtäter. Die Angreifer sind Untersuchungsgefangene vom selben Stockwerk. Sie haben zuvor die Unterlagen des Opfers eingesehen. Sie haben gelesen: Der 23-Jährige steht im Verdacht, einen jungen Mann vergewaltigt zu haben. Das reicht ihnen, um ihn unter der Dusche krankenhausreif zu schlagen.

Häftlinge bitten um Schutz

Die Täter dieser Attacke sind teilweise schon verurteilt worden. Ein 38-jähriger Gefangener, der inzwischen in das Gefängnis von Hünfeld in Hessen verlegt wurde, musste sich jetzt als Mittäter wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Haller Schöffengericht verantworten.

Im Knast sind mutmaßliche Sexualtäter grundsätzlich gefährdet. Das wussten auch das spätere Opfer und sein Zellengenosse, beide sind Pakistaner. Als sie am 8. Juni 2016 abends während der sogenannten „Freizeit“ bemerkten, dass in ihrem Zellenregal   Dokumente fehlten, gingen sie zu einem Stockwerksbeamten. Sie waren sich sicher, dass Mithäftlinge ihre Papiere zur Durchsicht weggenommen hatten. Die beiden Pakistaner baten um Schutz. Der Beamte bot ihnen an, sie trotz der allgemeinen Öffnung während der Freizeit in ihrer Zelle einzuschließen. Sie wollten aber zunächst noch duschen.

Kaum standen die beiden unter der Brause, stürmten Mitgefangene hinein. Sie hatten es auf den jüngeren Pakistaner abgesehen. Sie wollten ihn als homosexuellen Vergewaltiger abstrafen. Von einem der Angreifer bekam der 23-Jährige einen so heftigen Stoß, dass er mit dem Kopf gegen die Wand prallte.

Danach wurde er von mehreren geschlagen und getreten. Er blutete heftig aus der Nase und wurde kurzzeitig bewusstlos. Im Krankenhaus wurde unter anderem eine Schädelprellung festgestellt.

Der jetzt angeklagte russlanddeutsche Gefangene soll sich den Misshandlungen tatkräftig angeschlossen haben. Der 38-Jährige selbst bestreitet das. Er will den Duschraum verlassen haben, bevor die Schlägerei begann: „Ich habe nichts gemacht.“ Aber nicht nur das Opfer selbst, sondern auch Zeugen belasten ihn. Er habe, heißt es, die Beine des 23-Jährigen niedergehalten, ihn geschlagen und getreten.

Das Haller Schöffengericht traut den Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten nicht. Es folgt den Aussagen des Opfers und der Belastungszeugen. Wie von der Staatsanwältin beantragt, wird der Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Die Strafe, die der Russlanddeutsche wegen Diebstahls mitbringt, wird von zweieinhalb Jahren auf drei Jahre und zwei Monate erhöht. Im Klartext: Er bekommt wegen der Schlägerei unter der Gefängnisdusche einen Haftzuschlag von acht Monaten.

Als Belastungszeugen hat das Gericht auch den zweiten Pakistaner vernommen, der damals die Zelle mit dem Opfer teilte.  Dieser hagere 28-jährige Gefangene mit dichtem Vollbart wurde besonders gesichert und bewacht in den Haller Gerichtssaal gebracht.

Als der Vorfall im Anstalts-Duschraum passierte, befand sich dieser pakistanische Asylbewerber frisch in Untersuchungshaft. Er war Ende Mai 2016 wegen Mordes festgenommen worden. Wenige Tage zuvor hatte er eine 70-jährige Frau in Untergriesheim bei Bad Friedrichshall auf bestialische Weise in ihrem Bett erdrosselt.

Mörder im Haller Gefängnis

Im Februar dieses Jahres hat das Heilbronner Schwurgericht den bärtigen 28-Jährigen, der jetzt als Zeuge vorgeführt wurde, zu lebenslanger Haft verurteilt. Er verbüßt seine Strafe gegenwärtig im Haller Gefängnis. Auf diesen brutalen Mörder aber hatten es die gewaltbereiten Mithäftlinge im Juni 2016 im Duschraum nicht abgesehen. Auf der untersten Stufe stand für sie der junge homosexuelle Sexualtäter.

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