Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) stellt sich in Ilshofen kritischem Publikum

Er ist seit acht Wochen Vater, trägt jetzt Bart, klärt zwei Stunden lang viele Detailfragen zum Gesundheitswesen. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) macht im Wahlkampf Station in Ilshofen

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  • Er freut sich über die prominente Unterstützung im Wahlkampf: FDP-Kandidat im Wahlkreis Hall-Hohenlohe Stephen Brauer (links) verabschiedet Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr nach der Diskussion. Foto: Tobias Würth 1/2
    Er freut sich über die prominente Unterstützung im Wahlkampf: FDP-Kandidat im Wahlkreis Hall-Hohenlohe Stephen Brauer (links) verabschiedet Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr nach der Diskussion. Foto: Tobias Würth
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"Soziale Arbeit und Pflege - wir sind systemrelevant!", steht auf dem Banner der Gewerkschaft Verdi, das über fünf Stühle in der ersten Reihe im Veranstaltungssaal des Flair Park-Hotels gespannt ist. Eine Delegation der Diakoniestation Blaufelden bringt sich in Stellung: "Es brennt in der häuslichen Pflege", steht auf Handzetteln. Minister Daniel Bahr (36) wird vom FDP-Kandidaten vor Ort, Stephen Brauer, freudig erwartet. Andere haben sich schon Sätze zurechtgelegt, mit denen sie Bahr am Freitagabend konfrontieren wollen.

Der Politiker ist zwar noch jung, geht mit solchen Situationen routiniert um. Mit 14 kam er in die Politik, mit 26 in den Bundestag, im Alter von 34 Jahren in die Regierung. "Man kann auch sagen, das Bundesgesundheitsministerium war ein vergiftetes Geschenk", bekennt er. Es fiel der FDP überraschend zu. Als Gesundheitsminister könne man es weder Steuerzahlern, Ärzten, Lobbygruppen oder Patienten recht machen. Bahr bemüht sich in Ilshofen zumindest sichtlich darum, seinen Standpunkt zu vermitteln: "Ich bin nicht für Umverteilung, sondern für Anreize" - daher sollten Ärzte für ihre Abrechnungen möglichst wenige Deckelungsregeln vorfinden, sodass der fleißige eben auch mehr verdient. Und: "Nicht jeder Arzt muss dem Nobelpreis nachjagen" - auch ohne eine Abiturnote von 1,0 oder 1,1 sollte ein Medizinstudium möglich sein. Schließlich seien Landärzte knapp. Als Bahr sich lobt, weil er mit Bürokratie aufgeräumt habe, werden einige Zuhörer unruhig. "Wo denn?", fragen Pflegekräfte im Publikum. "Von den Betroffenen hat es nur keiner gemerkt", ruft jemand laut dazwischen.

"Sie werden nie eine Partei finden, bei der Sie alles überzeugt"

Dem rund einstündigen Vortrag, der wenig Wahlkampfpolemik beinhaltet, sich aber an Sachthemen orientiert, folgt eine genauso lange Fragerunde. Es geht um "Fallpauschalen", "Grundlohnsumme", "Doppelte Degression" und das "Pflegeneuausrichtungsgesetz". Fragen von Ärzten und Pflegern gehen ins Detail. Daniel Bahr nimmt Einwände ernst, kann zu allem etwas sagen - auch wenn es nicht immer das ist, was die Fragenden hören wollen. Ein Problem zeigt sich: Es gibt viele Bundesgesetze, die Probleme heilen sollen. Doch vor Ort klappt es mit der Therapie nicht, denn zu viele Doktoren - sprich Lobbygruppen und föderale Ebenen - verderben den Brei. So stellt es zumindest Bahr dar. Nach der Diskussion, die immer fair bleibt, erhält Bahr Applaus. Mit dem Hinweis auf die Bundestagswahl am 22. September gibt es weise Worte von dem Mann mit Bart: "Sie werden nie eine Partei finden, bei der Sie alles überzeugt. Wenn Sie das wollen, müssen Sie ihre eigene gründen. Doch spätestens, wenn Ihre Frau oder Ihr Mann Mitglied werden soll, müssen Sie Kompromisse machen."

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