Gesundheits-Aufklärung: Sozialminister Manfred Lucha eröffnet Schau auf Haalplatz

Anschauen, anfassen, informieren: Mit 50 interaktive Exponaten zeigt eine Schau, wie man sich vor sexuell übertragbaren Infektionen schützt.

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Im Zimmer einer verliebten 16-Jährigen (von links): Sozialminister Manfred Lucha, Gesundheits-Bundeszentralen-Leiterin Heidrun Thaiss, Erste Bürgermeisterin Bettina Wilhelm und FDP-Landtagsabgeordneter Friedrich Bullinger.

Acht Menschen, acht Lebenskonzepte, in 24 Stunden haben sie achtmal Sex. Einer der acht wird sich mit einer Geschlechtskrankheit infizieren. Da ist zum Beispiel Mustafa. Der 48-jährige Pilot kommt in der Welt rum, macht die Erfahrung, dass es andernorts weit höhere Risiken als in Deutschland gibt, mit HIV infiziert zu werden. Mustafa ist eine der acht fiktiven Personen, die den Besuchern die Gefahren von Ansteckungskrankheiten nahebringen.

Der Besucher stellt sich in ein Cockpit, steuert das leuchtende Flugzeug auf einer Wand zu einer der aufgezeichneten Städte. Auf einem Bildschirm  erhält er Infos über die Aids-Rate dort.

In der Ausstellung gibt es eine Love-Lounge in einem großen weißen Zelt, eine „Kondom-Schule“ und ein Tüv-Prüfgerät für Präservative. 30 Liter Luft nimmt das Gummi auf, bevor es platzt. Die Mär vom geplatzten Kondom soll so entlarvt werden. Es liege meist in der Hand des Benutzers, das Verhütungsmittel richtig anzuwenden. Wer wissen will, wie das geht, kann in die „Kondom-Schule“ gehen oder ein Daumenkino durchblättern, das über die Benutzung aufklärt.

Über Sex reden und dann noch über Krankheitsübertragungen dabei – „das ist ein Thema, bei dem nicht alle gleich Juhu rufen“, erläutert die Vertreterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung  Lena Löll. Daher haben die Ausstellungsmacher Wege gesucht, um Krankheiten wie Gonorrhoe, Trichomoniasis oder Chlamydien-Befall  ins Bewusstsein der Jungendlichen und  Erwachsenen zu rücken.

Doch was steckt in den Containern und im prallen weißen Zelt auf dem Haalplatz? Will die Bundesregierung Hallern Nachhilfe bei der Aufklärung geben?  Nein. Fotos von unverhüllten Geschlechtsteilen oder gar konkrete Darstellungen von Sexszenen sind nicht zu sehen.

 „Nutz‘ Kondome. Und wenn etwas nicht stimmt, geh zum Arzt.“ In diesen zwei Sätzen fasst Dr. Heidrun Thaiss die zentralen  Botschaften der Ausstellung zusammen. Der Rat soll nicht mit erhobenem Zeigefinger vermittelt werden, sondern keck, informativ  und manchmal auch lustig. Thaiss leitet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln. Diese Organisation ist wohl wenig bekannt. Ihr Slogan „Gib Aids keine Chance“ umso mehr. Die Welt der sexuell übertragbaren Krankheiten bestehe nicht aus Aids allein. Daher wurde die Kampagne ausgeweitet und heißt nun „Liebesleben“.

Mit dem ist es in zunehmendem Alter schlecht bestellt, witzelt Manfred Lucha, neuer Grünen-Sozialminister des Landes. „Jugendliche haben Sex. Das ist okay. Auch wir hatten mal Sex“, sagt er zur Eröffnung. Was ihm besonders an der Ausstellung gefalle: „Man nimmt das Thema ernst, aber sieht es mit einem Augenzwinkern.“ Zahlreiche Cartoons auf Plakaten geben ihm recht. Er verweist auf die Herausforderungen im Internetzeitalter.

Pornofilme seien verbreitet. Doch wer die guckt, sei noch lange kein guter Liebhaber und wisse auch nicht viel über Verhütung. „Kondome spielen in diesen Filmen keine Rolle.“ Lucha: „Wenn sie Chlamydien, Tripper und Syphilis hören, tippen viele Jugendliche auf eine neue Hip-Hop-Band.“

Schwäbisch Halls Oberbürgermeister betont bei der Eröffnung vor rund 75 Gästen die Notwendigkeit dieser Aufklärung: „In meiner katholischen Heimat im Münsterland gab es in der Jugend und auch unter Erwachsenen keine Auseinandersetzung mit dem Thema.“ Zufall: „Nach mir spricht meine ehemalige Frau“, sagt Pelgrim.

Melissa Hullmann von pro familia  freut sich, dass in der heutigen Zeit ein so offenes Gespräch über Sexualität möglich ist. Eine Gefahr sieht sie aber neuerdings in Parteien, die alte Gesellschaftsmodelle mit festen Geschlechterrollen heraufbeschwören. Es gelte vielmehr, Sprachtabus zu brechen. Hullmann:  „Wenn wir über Chlamydien-Infektionen so reden würden wie über eine Schnupfenerkrankung, hätten wir viel erreicht.“

Öffnungszeiten und Führungen

Zeitplan Der Eintritt zur Ausstellung „Große Freiheit – liebe.lust.leben.“ auf dem Haalplatz von Schwäbisch Hall ist kostenlos. Sie macht an acht Orten pro Jahr Station. 14 Mitarbeiter betreuen die Besucher in den Öffnungszeiten von 9 bis 20 Uhr. Die Ausstellung, die über sexuell übertragbare Krankheiten aufklären soll, ist bis einschließlich Samstag geöffnet.

Gruppen Sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen können die Ausstellung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung besuchen. Es haben sich schon 40 Klassen mit 700 Schülern angemeldet. Es können aber noch weitere Führungen angeboten werden. Anmeldung unter Telefon: 0160 7000700.

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