Geocaching: 150 Schätze rund um Hall

Einst war der Mensch Jäger und Sammler. Heute sammelt er keine Beeren mehr, sondern die Erfolge seiner Schatzsuche. Auch wenn der Schatz nur ein Zettel ist - beim Geocaching ist der Weg dahin das Ziel.

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  • Moderne Schatzsuche mit elektronischen Geräten: Andreas Neef ist ein Anhänger des Geocoaching. Dabei werden Verstecke im Internet veröffentlicht. Sie können mit dem Navigationsgerät des Smartphones gesucht werden. 1/2
    Moderne Schatzsuche mit elektronischen Geräten: Andreas Neef ist ein Anhänger des Geocoaching. Dabei werden Verstecke im Internet veröffentlicht. Sie können mit dem Navigationsgerät des Smartphones gesucht werden. Foto: 
  • Die Comburg auf einer Münze, die Sucher verfolgen können. 2/2
    Die Comburg auf einer Münze, die Sucher verfolgen können. Foto: 
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Was macht der Mann da mitten auf der Verkehrsinsel? Er sucht den Boden ab, ein Smartphone in der Hand. Die Autofahrer, die rund um den Kreisel vor dem Haller Diakonie-Klinikum fahren, wundern sich. Dass der Fußgänger so öffentlich agiert, ist ungewöhnlich. Normalerweise versuchen diese Leute im Verborgenen zu bleiben. Diese Leute sind Schatzsucher. Geocacher.

Andreas Neef ist einer von ihnen. Er ist aber nicht nur Sucher, sondern er hat in und um Schwäbisch Hall gut ein Dutzend Caches versteckt. "Geo" kommt aus dem Griechischen für Erde. "Cache" (aus dem Englischen) heißt geheimes Lager. Heute hat das Spiel einen englischen Namen, früher hieß es Schnitzeljagd. Früher hatte man selbst geschriebene Land- und Schatzkarten, heute das Navigationssystem des Smartphones.

Zoom auf Hall: Dort tummeln sich lauter farbige Kästchen

Andreas Neef öffnet die Internetseite von Geocaching und zoomt auf Hall. Lauter grüne und orangefarbene Kästchen tummeln sich in und um die Stadt. Die grünen sind die traditionellen Verstecke, die orangefarbenen sind so genannte Multicaches - dort gehören mehrere Schätze zusammen und ergeben eine gemeinsame Lösung.

Mit dem Finden ist es oft nicht getan. Es gilt auch, Rätsel zu lösen. "Mystery Cache" heißen die Verstecke, hinter denen sich ein Rätsel befindet, auf der Landkarte sind sie mit einem Fragezeichensymbol versehen. Neef, 32 Jahre alt und von Beruf Elektrotechniker, hat beispielsweise einen Cache, der mit einer Batterie angetrieben wird und auf dem Lämpchen in zwei Reihen leuchten. Tun dies zwei Lämpchen parallel, muss man einen Knopf drücken, es erscheint eine Zahl - die Lösungszahl in einem Multicache.

Neef holt eine Münze hervor. Die Comburg ist darauf farbig geprägt, darunter steht "Hala Suevorum". "Wohl der lateinische Name Halls im Mittelalter", vermutet Andreas Neef, der die Münze im Geocaching-Internetshop erworben hat. Sie trägt eine Nummer. Somit ist sie ein Cache, den man verfolgen kann. Und diese Caches bekommen ein Ziel: "Ich will nach Japan" oder "Ich will die Welt bereisen". Letzteres wollte die Hala-Suevorum-Münze. Sie war zwar nicht in der ganzen Welt, hat aber immerhin 41.000 Kilometer geschafft. Dabei trieb sie sich meistens im Raum Südtirol, Italien, Rumänien herum, mit einem Abstecher nach Kuba.

Und dann wollte Besitzer Neef sie wieder bei sich sehen und schrieb das auf ihr Ziel - auf der Geocache-Seite ist das zu lesen. Jedes Cache hat seine speziellen Infos - Name, Größe, Schwierigkeit, wann versteckt und mehr. "Der letzte Besitzer ist extra 300 Kilometer gefahren, um sie wieder an ihren Haller Standort zu bringen", sagt Neef.

Er selbst hat 330 gefundene Caches. Das seien nicht viel. Andere kämen auf mehr als 1000. "Man sieht dadurch Orte und Sehenswürdigkeiten, auf die man sonst nie gekommen wäre", begeistert er sich. Lernen tut man auch noch etwas. So hat der Haller in der Gelbinger Gasse einen Multicache versteckt, den er "Kleine Kunstrunde" genannt hat. Dem Finder werden Details zur Haller Kunst erklärt. Und manches muss er sich merken, um das Lösungswort zu erhalten.

Andreas Neef schwärmt von manchen, die sich viel Mühe beim Verstecken geben. Einer steckte den Cache in einen Fliegenpilz, einen unechten, der, kaum unterscheidbar, inmitten lauter echter Pilze steht. Außerdem hat er eine Schraube bearbeitet und darin einen Cache versteckt. So klein können die Schätze sein. Da passt dann nur noch das "Logbuch" hinein - ein Zettel, auf dem der Name und das Datum des Fundes vermerkt werden. Manche schieben die Schätze hinter lose Mauersteine, auf höchste Felsgipfel, in Hundehaufen aus Plastik.

Wer bei Geocaching angemeldet ist, bekommt eine Nachricht, sobald es in seiner Nähe einen neuen Cache gibt. Und dann geht's los. Denn jeder will der Erste sein.

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