Gentlemen grooven im Garten

Paula hat in letzter Zeit ein bisschen pausiert. Kurz vorm Sommernachtsfest tanzte sie wieder: beim Minifestival im Anlagencafé - gewohnt lässig und charmant mit Haller Lokalmatadoren und Gästen aus Hamburg.

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Tim Jürgens und Carsten Friedrichs von der "Liga" machen Musik im Anlagencafé - die Haller tanzen. Foto: Ufuk Arslan

"Gefällts Euch ein bisschen?", fragt Günter Wagner, Frontmann der Haller Indie-Rock-Band G-M-Y-P. Das Publikum beim Minifestival der "Paula will tanzen"-Reihe im Anlagencafé jubelt. Klar gefällt das. Der lauschige Garten des Haller Anlagencafés - im 19. Jahrhundert waren dort übrigens die Schießstände des Schützenhauses - hat sich am Freitagabend in ein kleines Festivalgelände verwandelt und ist immer noch sehr lauschig und sehr gemütlich.

Elektro-Sounds vom Laptop

Aus profanen Bierbänken haben die "Paula-will-tanzen"-Macher gemütliche Lounge-Möbel zusammengesteckt, die sonst munter plätschernden Wasserfontänen schweigen. Und der kleine Gartenkanal, der zwei Becken verbindet, ist sicher mit Holz verkleidet - so dass keiner nasse Füße bekommt. Das kunterbunt gemischte Publikum kann sich zwischen Cocktailbar und Pizzaduft richtig wohlfühlen. Trotz rund 550 Gästen herrscht eine familiäre Atmosphäre - der Großvater ist ebenso gut unterhalten wie der Enkel, und beide wippen im Rhythmus der Musik munter mit.

Die ist an diesem sommerlichen Abend so vielfältig wie die Zuhörer. Der junge Haller Gabriel Vitel stimmt die Gäste musikalisch auf den Abend ein. Seine sphärischen Elektro-Sounds und Rhythmen bastelt er am Laptop zusammen und singt dazu. Das ist klingt spannend, ein bisschen Techno, ein bisschen Avantgarde - am frühen Abend lässt sich dazu zwar noch nicht so richtig tanzen, dafür aber trefflich zuhören und in Gedanken schwelgen, wie im Anlagencafé zu beobachten ist.

Jeder auf Erden ist wunderschön

Erwartungsgemäß schnell springt der Funke über als G-M-Y-P die Bühne betritt. Die Haller Rocker und Lokalmatadore heizen mit satten Sounds und zackigen Beats ordentlich ein. In die Masse der Besucher kommt zusehends Bewegung.

Der Weg für die Gäste aus Hamburg ist bereitet - "Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen". Auf ihrer ersten Openair-Saison sind die Musiker von der Waterkant auch in Hall gelandet. Am nächsten Tag wollen die Fußballfans ein paar Kilometer südlich die Partie Aalen gegen Kaiserslautern anschauen - und das tun sie dann auch. In Hall dringt zunächst der Livekommentar einer ganz anderen Sportart aus den Lautsprechern: vom Trabrennen. Mit dem frischen Opener und Titelstück ihres Albums "Jeder auf Erden ist wunderschön", der einen Abend von der Trabrennbahn bis ins Nachtleben beschreibt, legt die "Liga" los. Ex-Superpunk- Sänger und -Gitarrist Carsten Friedrichs, Bassist Tim Jürgens (auch ein Ex-Superpunk), Gunther Buskies hinterm Keyboard, Gitarrist und Saxofonist Philip Morton Andernach sowie Gastschlagzeuger Asterix - sie nennen ihn so - treten sympathisch und lässig auf. Und das sind sie wirklich. Die von Friedrichs lakonisch erzählt und gesungenen Geschichten über stilvolle Beinkleider wie die Lieblingsjeans, sorgfältiges Scheitern in der Beziehung sowie Musik und Fußball als die schönsten Nebensachen der Welt - das bringt die "Liga" kurzweilig zum Klingen: mit kraftvollem Saxofon, resoluten Gitarrenriffs und rollende Bassläufen. Und die Tragik des Daseins ist stets mit viel Humor gewürzt - eine charmante Leichtigkeit mit Tiefe.

Das macht Spaß, dazu wird im Anlagencafé auch rege getanzt. Aber erst bei der letzten Nummer, dem instrumentalen "Nach dem Spiel" greift der Groove eigentlich richtig auf die Zuhörer über. Als Zugabe begibt sich die "Liga" noch einmal auf die Trabrennbahn. Viel Applaus für die Hamburger und für ein großes Minifestival.

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