Gelangt zu viel Gülle in die Flüsse?

In der Bühler ist ein vermehrtes Algenwachstum festgestellt worden. Das kann natürliche Ursachen haben, aber auch durch landwirtschaftliche Dünger bedingt sein.

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Der Nesselbach bei Obersontheim: Gut erkennbar ist rechts der nicht landwirtschaftlich genutzte Streifen zwischen dem Acker und dem Bach, der sogenannte Gewässerrandstreifen. Er soll verhindern, dass Düngemittel vom Acker in den Bach geschwemmt werden.  Foto: 

Anfang April schwammen auf der Wasseroberfläche der Bühler bei Bühlertann auffallend viele grüne Algen.  „Wir nehmen das auch wahr und machen uns Sorgen“, antwortet Martin Zorzi vom Haller Umweltzentrum. Falls, wie er betont, landwirtschaftliche Einträge als Ursache feststehen, fordert das Umweltzentrum eine konsequente Einhaltung und stichprobenweise Überwachung bei der Düngung und der Gülleausbringung. Denn zehn Meter (als Abstand zu Gewässern, neben denen nicht gedüngt werden darf) reichen – wenn sie nicht eingehalten werden – nur auf dem Papier aus, schreibt Zorzi weiter. Wenn Gülle auf stark ausgetrocknete Böden ausgebracht werde, wie es diesen Februar durch fehlende Niederschläge der Fall war, dringe sie schlecht in den Boden ein und ein kurzer, heftiger Schauer könne sie von der  Oberflächlich abspülen, erläutert Zorzi.

Laut Werner Balbach, Leiter des Landwirtschaftsamts, brauchen Landwirte nach dem Landeswassergesetz nur fünf Meter und zu Gräben und Kleingewässern nur vier Meter Abstand einzuhalten. Wird die Gülle mit der Schleppschlauchtechnik unmittelbar auf den Boden abgesetzt, reicht ein Meter. „Das sehen wir als überaus kritisch, weil der Boden in Gewässernähe oft leicht durchlässig ist und der Dünger ziemlich schnell ins Gewässer geschwemmt wird“, so Zorzi.

Der Haller Gewässerökologe Matthias Wolf findet, dass der Eintrag von  Nährstoffen aus der Landwirtschaft nicht genug kontrolliert wird. „Durch die intensive Viehhaltung landen zu viele Nährstoffe und mit der Gülle auch Medikamente früher oder später in den Flüssen und führen dort vor allem in Schönwetterperioden zu starkem Algenwachstum“, sagt er. „Die Landwirtschaft wird in dieser Form betrieben, um die Düngemittel- und Pestizidindustrie gut verdienen zu lassen. Natur- und Verbraucherschutz müsste anders aussehen“, stellt er fest.

Ganz anders beurteilt Helmut Bleher vom Haller Bauernverband das Algenwachstum. Es habe viele Ursachen: etwa Klima und Vegetationsverlauf, ebenso Belastungen aus Kläranlagen und Laubeintrag aus Wäldern. „In der Regel hängt es nicht mit der Bewirtschaftung der angrenzenden Grundstücke zusammen“, sagt er. Den von der grün-roten Regierung eingeführten Fünf-Meter-Abstand, wo Düngung verboten ist, hält er für übertrieben, zumal bundesweit ein Meter als Ausbringgrenze gelte. „Dies drückt ein ungerechtfertigtes Misstrauen gegenüber dem ordentlichen Landwirt aus“, stellt er fest. Landwirte, die mit guter Technik fahren, kämen auch mit einem Meter Abstand zurecht. Wenn abschüssige Flächen gedüngt würden und anschließend Regen zu erwarten sei, erkenne der ordentlich arbeitende Landwirt die Gefahr.

Viele Landwirte hätten ohne gesetzlichen Druck die Schleppschlauchtechnik eingeführt, um Ammoniakemissionen zu vermindern und exakt zu düngen. Sie sei aber nur für große Betriebe wirtschaftlich. Bleher wehrt sich gegen die neue Düngeverordnung, die praktisch nur noch bodennahe Düngerausbringung mit dem Schleppschlauch erlaubt. „Die Kosten für die Landwirte, die mit bisherigen Methoden düngen, steigen dann enorm“, gibt er zu bedenken.

Die neue Düngeverordnung (voraussichtlich ab 1. Juli 2017) soll die EU-Vorgaben der Wasserrahmen- und der Nitratrichtlinie umsetzen. Demnach darf künftig nach der Ernte der Hauptfrucht nur noch ausnahmsweise gedüngt werden. Für die Bauern bedeutet das, größere Lagerkapazitäten für Gülle und Festmist bereitzuhalten.

Bei einem biologischen Monitoring der Bühler wurden zuletzt 2012/2013 an drei Stellen des Flusses Proben genommen: am Oberlauf oberhalb von Heilberg, in Obersontheim und in Geislingen an der Mündung in den Kocher. Untersucht wurden Organismen, die auf und im Gewässerboden leben und noch mit dem Auge erkennbar sind. Die einzelnen Ergebnisse liegen  zwischen sehr gut und gut. Die Messungen erfolgen alle sechs Jahre. siba

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