Gefangenen Seelen gefriert das Herz

Kino im Schafstall zeigt den grandiosen schwedischen Stummfilmklassiker „Der Fuhrmann des Todes“ mit Musikuntermalung durch einen Live DJ.

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DJ D’dread unterlegt den Stummfilm-Klassiker „Der Fuhrmann des Todes“ mit passenden Klängen.  Foto: 

Mit diesem Wagen fährt kein Lebender. Auf der zweirädrigen alten Kutsche des Todes, die von einem alten Klepper gezogen wird, sitzt der Sensenmann, um die Seelen der Verstorbenen einzusammeln. Was zunächst als Lehrfilm über Tuberkulose geplant war wird im Jahre 1921 zum Klassiker der Filmgeschichte.

Den Auftrag für die Geschichte bekommt die schwedische Schriftstellerin Selma Lagerlöf. Bei uns eher bekannt als die Autorin des „kleinen Nils Holgersson“ mit seinen Wildgänsen – und als die erste Frau, die 1909 den Literatur Nobelpreis erhalten hat. Ihr 1912 erschienener Roman handelt von der mystischen Erzählung, dass der Mann, der in der Silvesternacht als letzter stirbt, ein Jahr lang als Fuhrmann des Todes die Seelen der Sterbenden von ihren Körpern erlösen muss.

Vor diesem Hintergrund wird die Geschichte zweier Frauen erzählt, die in ihrer grenzenlos aufopferungsvollen Liebe zu einem unwürdigen Mann den Kampf des Guten mit dem Bösen zu verlieren scheinen. „Ich werde dir zeigen wie es ist, wenn einem das Herz gefriert.“

Vielfach kopierte Szene

Der Diskjockey D’dread aus Leipzig hat es sich zur Aufgabe gemacht, Stummfilmklassiker mit modernen Melodien zu untermalen. Für den „Fuhrmann des Todes“ sind dies etwa 30 Lieder von 17 verschiedenen Künstlern, die er vom PC aus „live“ zum Film einspielt. So lässt er etwa die grandiose Beth Gibbons von Portishead zum Stummfilm passend singen: „Give me a reason to love you – Give me a reason to be a woman.“ Und das während einer Szene, die seit 1921 oft kopiert worden ist: Der unglücklichen Liebe einer Frau zu einem Mann. Oder aber er lässt der isländischen Sängerin Björk dem stummen aber vielsagenden Geschehen auf der Leinwand eine neue Stimmung verleihen.

Zum 50-jährigen Jubiläum des Club Alpha 60 bekommen die nur etwa 60 Zuschauer im Kino im Schafstall einen wirklich außergewöhnlichen Kinoabend serviert. Das schwedische Film-Meisterwerk beweist nach fast 100 Jahren sehr deutlich, dass es auch heute noch vorgezeigt werden kann. Viele der Szenen, die damals mit der Schwarz-Weiß-Hand-Kurbelkamera eingefangen worden sind, haben Geschichte gemacht. Sowohl in der Kameraführung als auch bei den „Special Effects“, welche für die damalige Zeit hochmodern waren. Wenn der „Fuhrmann des Todes“ den frisch Verstorbenen befiehlt, sich aus ihren Körpern zu befreien, werden die „gefangenen Seelen aus ihrem Gefängnis“ entlassen. Die Geisterfiguren bewegen sich dabei transparent erscheinend in dem eigentlichen Geschehen. Sie gehen durch Türen und fahren über das Wasser. Heute nichts ungewöhnliches, für die damalige Zeit jedoch etwas ganz Neues.

Mit moderner Musik vereinbar

D’dread schafft es hervorragend die moderne Musik mit den antiken Filmmaterial verschmelzen zu lassen. Es fängt zunächst etwas zäh an, wenn man als Besucher den alten Film und die überwiegend moderne Musik vereinbaren will. Jazz, Electronic, Klassik oder Hip Hop. Zu groß scheinen die Unterschiede zu sein. Aber spätestens nach 15 Minuten kann man sich den Film, der mit zahlreichen Rückblenden arbeitet, ohne die begleitenden „musikalischen Klammern“ gar nicht mehr vorstellen.

Die Zuhörer sollen „zwischen dem hypnotischem Sog alter Filmbilder und den treibenden Klängen der neuen Töne“ schweben, formuliert Dirk Kuntze, wie der DJ mit bürgerlichem Namen heißt, seine Intention. Und das schafft er wirklich. Was für eine schöne Vorstellung.

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