Gefahrenabwehr steht weiterhin im Fokus der Arbeiten in Braunsbach

Vier Ingenieure für vier Schadensdistrikte: Experten geben im Gemeinderat eine groben Abriss ihrer Aufgaben und der schon erledigten Maßnahmen.

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Der Musiksaal der Grundschule Braunsbach füllt sich am Mittwochabend immer mehr. Nicht nur Gemeinderäte kommen herein, begrüßen sich und nehmen ihre Plätze ein, auch rund 20 interessierte Bürger sind anwesend. „So viel Interesse an Sitzungen haben wir sonst nicht“, sagt Margit Rapp vom Bürgermeisteramt, während sie ihren Laptop für das Protokoll hochfährt. Der ungewöhnliche Ort für die Sitzung erklärt sich durch die Zerstörungen, die das Unwetter am 29. Mai im Rathaus angerichtet hat: Im Erdgeschoss sind mehrere Räume nicht mehr nutzbar. Die Mitarbeiter sind in den eigentlichen Ratssaal in der Rosensteinhalle ausquartiert worden.

104 Millionen Euro Schaden sind keine "Willkürzahl"

Vier Männer nehmen hinter Bürgermeister Frank Harsch Platz. Um diese wird es in der Sitzung gehen. „Nach dem Unwetter haben wir direkt mehrere Ingenieur-Büros eingeschaltet“, führt der Bürgermeister aus. Die Gemeinde sei in vier Schadensdistrikte eingeteilt worden. Die für die Bezirke zuständigen Planer sollen sich dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit vorstellen. Der Bürgermeister zieht aber erst ein kurzes Resümee über den bisherigen Stand. Derzeit gehe es in erster Linie noch um die Gefahrenabwehr und die Schaffung einer provisorischen Infrastruktur. Die geschätzten Schäden von rund 104 Millionen Euro seien auch keine „Willkürzahl“. „Das sind seriöse Berechnungen“, so Harsch. Die Häuser seien mittlerweile frei, es sei aber immer noch viel zu tun. So würden auch noch Kanäle untersucht. In dieser Sitzung wolle man sich „mental darauf vorbereiten, was in den kommenden Jahren auf die Gemeinde zukommt“. An detaillierte Planungen sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu denken, dazu müssten die Planer auch noch die entsprechenden Förderanträge fertigstellen. „In den nächsten Sitzungen müssen wir dann ins Detail gehen“, kündigt Harsch an.

Dann stellen sich die Ingenieure vor. Den Anfang macht Hermann Schöll von Schöll Consult aus Aalen. Er und seine Mitarbeiter kümmern sich um den Distrikt 1, den südlichen Ortsteil mit Raingasse und Geislinger Straße inklusive Grimmbach. Gerade im Bereich Raingasse und Schloßstraße müsse „alles“ gemacht werden. Was er unter „alles“ verstehe, will Gemeinderat Walter Falk wissen. „Straßen, Kanäle, Oberflächenwasserbeseitigung, Beleuchtung, Kommunikation“, führt der Planer aus. Auch die Verdohlung des Schloßbachs müsse erneuert werden, um einem künftigen Starkregen standhalten zu können. „Es wird nichts nicht gemacht“, verspricht Schöll.

Marcus Eising von IPE Ingenieur aus Schwäbisch Hall ist der Nächste. Sein Distrikt ist der zweite, inklusive der besonders betroffenen Orlacher Straße und der Ortsmitte. Man habe bislang unter anderem den Orlacher Bach provisorisch wieder hergerichtet, beim Wiederaufbau müsse man hier vor allem an die Sicherheit bei Hochwasser denken. Er mache sich auch schon erste Gedanken um die Neugestaltung der Ortsmitte. „Dazu werden wir die Bürgerschaft einbeziehen“, ergänzt Bürgermeister Harsch. Er denke dabei an „Workshop-Strukturen“: „Neugestaltung bedeutet nicht nur Tiefbau.“

Klaus Gehring vom Büro Bürgel aus Untermünkheim berichtet aus Steinkirchen und dem Distrikt 3. Eine neue provisorische Brücke über den Reichenbach stehe mittlerweile, erste Schutzwälle seien im Außenbereich der Ortschaft errichtet worden. Gehring ist auch für Jungholzhausen und Döttingen zuständig – der Hauptbrennpunkt dort sei der Jungholzhausener Bach, der den Aussiedlerhof bei Döttingen getroffen hat.

Gemeinderat Stefan Schäfer wirft ein, dass es auch in Jungholzhausen Probleme mit Kanälen und Gullys gebe. „Wir müssen zwar viele Dinge parallel machen, aber es geht nicht alles auf einmal“, sagt Bürgermeister Harsch. Man müsse immer noch priorisieren, gerade im Hinblick auf die Gefahrenabwehr. Aber kümmern werde man sich um alles.

Beim vierten Distrikt handelt es sich um die weiteren Bachverläufe in Braunsbach und Teilorten. Gregor Zeiser von BFI Zeiser aus Ellwangen ist dafür verantwortlich. „Wir haben alle Bäche begangen“, erklärt der Experte. Am Schloßbach habe man einen Geröllfang installiert, Warneinrichtungen in den Bachläufen seien auch schon im Einsatz, ein Notfallplan erstellt. Sofortmaßnahmen seien direkt nach dem Unwetter eingeleitet worden, die bei erneutem Starkregen Schutz bieten sollen. Bei allem, was man plane, müsse man „pragmatisch herangehen“. Es gebe auch Dinge, die ökologisch nicht sinnvoll seien und darüber hinaus nicht bezahlbar, so Zeiser.

Bürgermeister Harsch bedankt sich für die Kurzreferate. In den kommenden Gemeinderatssitzungen müsse man sich eingehender mit den einzelnen Distrikten befassen. Dann gehe es für das Gremium auch an die Mammutaufgabe „Grober Zeitplan Wiederaufbau“.

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