Für Liebesgespräche empfohlen

Eine Hainbuche am Limeswanderweg in Mainhardt ist seit Generationen als „Liebeslaube“ bekannt. Heute darf man an dem romantischen Ort am Waldrand sogar heiraten.

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Die „Liebeslaube“ auf einer Wiese am Limeswanderweg kannten die Mainhardter schon unter diesem romantischen Namen, als Karl Schlipf noch ein kleiner Junge war. Heute darf man im Schatten der vielstämmigen Hainbuche sogar heiraten.  Foto: 

Mutter Natur hat die „Liebeslaube“ in Mainhardt höchstpersönlich mitten auf eine große Wiese am Limeswanderweg gestellt. Mindestens 100 Jahre alt muss sie sein. Denn als Karl Schlipf 1928 geboren wurde, gab es die eigenartig gewachsene Hainbuche bereits, die zwischen ihren vielen, meterhohen Stämmen ein romantisch belaubtes Versteck für Menschen bildet, die sich vor neugierigen Blicken schützen möchten. Viel mehr, als dass der Ort jedem Dorfbewohner schon immer unter der vielsagenden Bezeichnung bekannt war, kann das Mainhardter Urgestein nicht erzählen: „Die jungen Liebesleute, die sich damals dort verabredeten, haben das aus naheliegenden Gründen nicht an die große Glocke gehängt.“ Solche geheimen Treffen galten zu seiner Zeit als höchst unschicklich, ein Mädchen riskierte im Falle der Entdeckung seinen guten Ruf. „Aber getroffen haben sich die Paare wohl trotzdem, sonst wäre die Menschheit ja längst ausgestorben“, lächelt der alte Herr, dessen Frau Emma nicht aus Mainhardt, sondern aus dem hohenlohischen Öhringen stammt.

In einem älteren Reiseführer, den der Vorsitzende des örtlichen Albvereins Helmut Fischer entdeckt hat, steht über die „Liebeslaube“ zu lesen: „Die Bank im Inneren soll für Liebesgespräche besonders geeignet sein. Ein Versuch wird empfohlen.“ Die feinsinnige, verbale Reduzierung der im Schatten der Zweige möglichen Tätigkeiten auf den Austausch liebevoller Worte gefällt Fischer an dieser Formulierung besonders gut. Eine ganze Weile sei sogar eine Tafel mit der Aufschrift „Liebeslaube“ an einem der Stämme angebracht gewesen, wie er sich erinnert. Dieser Wink mit dem Zaunpfahl, der überdies klar im Widerspruch zur Diskretion des Ortes stand, ist schon seit längerem verschwunden.

Die kleine Bank in der Mitte des vielstämmigen, alten Baums sei vermutlich in den 60er-Jahren erstmals aufgestellt worden: „Damals boomte in Mainhardt der Tourismus, die Gäste kamen aus ganz Deutschland zum Wandern hierher und die Gemeinde installierte daher mehrere Ruhebänke an den Wegen.“ Einen eigenen Fremdenverkehrsverein gibt es hier schon seit 1925.

Die Mainhardter „Liebeslaube“ findet, wer ein Stückchen dem Limeswanderweg folgt, der neben der Aral-Tankstelle die Bundesstraße 14 kreuzt. Der alleinstehende, buschige Baum ist schwer zu übersehen. Als „Hachenbuche“ bezeichnet sie Karl Schlipf, Förster Werner Brosi nennt die Art außer Hainbuche auch Hagenbuche oder Weißbuche. Der Name der großgewachsenen Pflanze führt – genauso wie mitunter die Liebe – in die Irre. Denn diese Buche gehört zur botanischen Familie der Birkengewächse.

Einige Meter weit von dem Solitärbaum entfernt beginnt ein Waldstück, das die älteren Einheimischen nach seinem früheren Eigentümer „Bäcker Schmälzes Wald“ nennen. Der Wallgraben des Limes ist dort deutlich zu erkennen. Schlipf und Fischer kannten noch die Fischweiher, die früher unterhalb der „Liebeslaube“ lagen. Dieser Teil der Wiese ist heute für seine seltenen Pflanzen, wie etwa wilde Orchideen, bekannt. Wer mit den Liebesgesprächen fertig ist, kann beglückt durch die wunderschöne Landschaft weiterwandern – zu den Ruinenresten der ehemaligen Hankertsmühle und zum Biergarten Mönchsberg.

Zu einer ganz offiziellen „Liebeslaube“ ist die birkengewächsige Hainbuche vor zwei Jahren von der Gemeinde ernannt worden. Seither gehört der lauschige Platz zu den dreien in Mainhardt, an denen Paare direkt unter dem freien Himmel standesamtlich heiraten können. Die beiden anderen nicht überdachten Trauorte befinden sich beim Mainhardter Schlössle und beim Felsenkeller. Vier Freiluft-Trauungen haben Bürgermeister Damian Komor und Standesbeamtin Petra Dietz bisher vorgenommen. Die „Liebeslaube“ hat sich dabei noch niemand für den amtlichen Treueschwur auserkoren. Ein Versuch wird empfohlen.

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