Freundin der Pferde: Sandy Kühnle aus Ilshofen erhält das goldene Reitabzeichen

Ein Reiter kann das Goldene Reitabzeichen nur einmal in seiner Karriere bekommen. Sandy Kühnle ist eine der wenigen und jüngsten, die es sich erkämpfte.

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Als der Richter beim Turnier in Ludwigsburg ihren fünften Platz in der Dressur-Klasse S***  verkündete, wusste er nicht, was das für die junge Frau bedeutete. Sie hat genau mitgezählt. Acht Siege in der Dressur-Klasse S*, einen Sieg in Klasse S** und dieser fünfte Platz erfüllen die Voraussetzungen, die es braucht, um das goldene Reitabzeichen zu erlangen.

„Ich glaube, hier im Kreis hat das keiner“, überlegt Sandy Kühnle. Sie ist zu Recht stolz. In eineinhalb Jahren hat sie sich all die Erfolge erritten, die als Summe zu der begehrten Ehrung führen. Seit zweieinhalb Jahren fährt sie regelmäßig mit ihren Pferden nach Westfalen zu ihrem Trainer Hermann Gösmeier.

Schon in jungen Jahren bekam Sandy Kühnle Unterricht von namhaften Trainern. Mit drei Jahren ritt sie ihr erstes Turnier – geführt an einer Leine, im Schritt und Trab. Im Alter von zehn Jahren ritt sie damals, angeblich als „Jüngste aller Zeiten“, beim Bundeschampionat. Kurze Zeit später wurde sie schon in den Landeskader von Baden-Württemberg gewählt.

Über Misserfolge sagt sie: "Das Pferd ist nie schuld."

Ist sie Amateurin oder Profi? „Das ist eine gute Frage“, sagt sie und überlegt. „Ich verdiene ja nicht mein Geld damit.“ Sie arbeitet in der Tierarztpraxis ihres Vaters und bildet die stalleigenen Pferde aus. Ihr nächstes Ziel: Erst einmal die drei Sterne in der S-Klasse zu etablieren. Vier Sterne wären Olympia-Niveau – „das wäre natürlich ein Traum“.

Sie geht in den Stall und in die Box von „Ami“, der mit vollem Namen „Amaretto W“ heißt.  Es ist das Pferd, mit dem sie die meisten Siege für das goldene Reitabzeichen holte. Sie streichelt seinen Hals, legt ihm behutsam die Trense an und spricht mit ihm, sanft und sehr lieb. Ihr Pferdeschwanz neben dem des Hengstes, so gehen sie zur Tür hinaus. Sie lacht. Sprach sie vorher noch von etwas zu großem Perfektionismus, wird sie jetzt zu einem jungen Mädchen, das seine Pferde liebt. Der Ehrgeiz und das Streben nach Siegen scheinen plötzlich zweitrangig zu sein.

Nach einem Misserfolg grübelt sie lange, woran es gelegen haben könnte. Den Fehler sucht sie dabei stets bei sich. „Das Pferd ist nie schuld“, so die 25-Jährige. „Schau, ob die harmonisch miteinander sind“, sagt sie, wenn ihr Freund sie auf ein Turnier begleitet und sie andere Reiter beobachten. Sieht man die Hilfen nicht, die das Pferd „von oben“ bekommt, sieht es kinderleicht und selbstverständlich aus – dann ist es richtig. Das erreicht man vor allem, indem man eine Beziehung zum Pferd aufbaut. Die berühmte Einheit, die vor allem durch Vertrauen entsteht.

Ihr Freund ist erst seit ein paar Monaten an ihrer Seite. Eigentlich interessiert er sich mehr für Fußball, aber für sie lässt er gerne Pferde in sein Leben. „Er hat es auch schon am Zügel gehalten“, erzählt sie. Vor allem habe er Verständnis für ihren „Pferdevirus“.

Urlaub gibt es nicht so oft – und wenn, dann höchstens eine Woche lang. Danach treibt sie die Sehnsucht nach Hause. Morgens um sechs sitzt sie manchmal schon im Sattel. Um sieben wird gefüttert, um acht steigt sie erneut auf’s Pferd. „Bist du heute schon geritten? Mein Pferd auch?“ – das ist immer der erste Satz, den sie morgens von ihrem Vater hört. Gut acht Stunden verbringt sie täglich im Sattel.

Einmal in der Woche ist „Spaßtag“ – für sie und die Pferde. Da wird nicht trainiert, da kommen die Pferde nur auf die Weide. Und sie hat mal Zeit für ihre Freunde.

Info Das goldene Reitabzeichen ist für einen Pferdesportler nur einmal im Leben zu erreichen. Es wird verliehen für eine bestimmte sportliche Leistung im Wettbewerb mit anderen Reitern. Bei dem Turnier in Rot am See vom 20. bis 24. Juli wird Sandy Kühnle das goldene Reitabzeichen in einer kleinen Feier offiziell verliehen.
 

Zur Person

Sandy Kühnle ist 25 Jahre alt und stammt aus Ilshofen. Nach dem Abitur studierte sie Pferdewirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen. Seit ihrem Abschluss arbeitet sie in der elterlichen Tierarztpraxis. Dort ist Sandy Kühnle zuständig für die Rehabilitation von Pferden, für das Stallmanagement mit Deckstation und für die Ausbildung der familieneigenen Pferde.

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