Freischwimmer in Hessental: Festival wird Saft abgedreht

Das Festival der Freischwimmer auf dem Karl-Kurz-Gelände droht zu scheitern. Die Stadt will, dass die Musik um 1 Uhr beendet wird. Die Veranstalter haben an zwei Tagen bis 5 Uhr geplant und 22 Künstler engagiert.

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Bretter werden zurechtgesägt, es wird gemalt und gehämmert. Wer in den Haller Hinterhof blickt, der sieht, dass dort seit Monaten gearbeitet wird: Die Freischwimmer wollen ein Festival auf die Beine stellen, das kulturelle Angebot in Hall mit einem Openair bereichern. Freitagabends sind unter anderem Livemusik und Soul geplant, samstags House. Kunstinstallationen sollen die Industriebrache in Szene setzen. Es sollen jeweils bis zu 1000 Gäste kommen, zum Teil auf dem Zeltplatz übernachten. Zu den Freischwimmern gehören vier Hauptorganisatoren sowie 50 Helfer, darunter viele Ehrenamtliche.

In vier Wochen soll das Festival steigen, nun drohen Stadt und ihre Töchter Stadtwerke sowie Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft (GWG) - sie sind Eigentümer des Geländes - abzuspringen. Als Grund nennt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim "unzumutbare Lärmbelästigung". Am Mittwoch erreichte die Hiobsbotschaft die Veranstalter. "Wir wurden von der Thematik überrannt, unser Konzept zerpflückt", so Oliver Weidner.

Vor Wochen sah das noch anders aus: Die Grundstückseigentümer erklärten, dass das Festival grundsätzlich steigen könne. Stadtwerke-Chef Johannes van Bergen wollte zur Bereicherung der Jugendkultur gerne beitragen. Klaus Wackenheim von der GWG wollte dieser "von Pelgrim und van Bergen als positiv beschiedenen Idee natürlich nicht im Wege stehen".

Nun lässt der OB über seinen Sprecher Robert Gruner erklären, die Verwaltung habe bis vergangene Woche nicht gewusst, dass die Musik bis 5 Uhr morgens laufen soll - erst durch einen HT-Bericht. Aus einem Schriftverkehr geht aber hervor, dass das Ordnungsamt bereits am 30. April über den Zeitplan des Festivals informiert war. Gruner fügt hinzu, dass aufgrund des Lärmschutzes keine Ausnahmen möglich seien. "Ab 22 Uhr gilt die Nachtruhe. Daran kann man nicht rütteln." Ausnahmen gibt es allerdings schon - etwa beim Jakobimarkt. Gruners Erklärung: "Wir können das Event in Hessental nicht länger laufen lassen." Die Musik soll daher um 1 Uhr abgeschaltet werden. Kenner der Szene wissen, dass dies für ein Electro-Festival das Todesurteil bedeuten kann, denn gefeiert wird vorwiegend nach Mitternacht.

Noch hat das Ordnungsamt keine Genehmigung erteilt, die Pachtverträge sind nicht unterschrieben. Aufgrund der Zeitnot haben die Freischwimmer aber längst 22 Künstler engagiert. Die heiße Vorbereitungsphase läuft. "Ich bin seit Anfang des Jahres mit nichts anderem beschäftigt", so Johannes Kallendrusch. Christian Brattig hat sich extra drei Wochen Urlaub genommen. Natürlich sei es blauäugig, vor Genehmigung das finanzielle Risiko einzugehen, meint Oliver Weidner - bei Absage droht ein Verlust von 20.000 Euro - "wir wollten aber Pioniergeist zeigen, etwas reißen".

Mit ein Grund für das Umschwenken der Stadt könnten Briefe von Anwohnern aus dem Swiggerweg sein, die eine enorme Lärmbelästigung erwarten. Die Häuser stehen mehrere 100 Meter entfernt. Laut Lärmgutachten, welches die Veranstalter haben erstellen lassen, überschreiten dort wenige Spitzen die erlaubte Schallgrenze. Mit den direkten Anwohnern am Karl-Kurz-Areal hatten sich die Freischwimmer bereits vor Wochen abgestimmt. Hunderte Karten sind bereits verkauft.

"Das Event wird irgendwie steigen", meint Kallendrusch zuversichtlich, "wir arbeiten an Alternativen." Er hat dabei auch mit einem Umzug an die Wiese am Hasenbühl geliebäugelt, wo das Westerntreff stattfindet. Für dieses Jahr ist das aber zu kurzfristig. Zudem werden dort die ersten Trapper erwartet.

KOMMENTAR: Kein Platz für Jugendkultur?
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Kommentare

21.07.2013 21:28 Uhr

Freischwimmerfestival - Lärmbelästigung?

Wo bleibt die Solidarität für die Jugend? Für alles was Spaß macht, das Jugendliche betrifft, werden Lärmgutachten erstellt, zum Beispiel für den Skaterpark in der Weilerwiese, das Schwerpunktglück musste ebenfalls wegen Lärmbelästigung schließen und nun soll das Freischwimmerfestival abgesagt werden. Im Gegenzug finden jährlich Veranstaltungen in der Innenstadt mit Sondergenehmigungen statt, sowie Faschings- und Sportveranstaltungen in den umliegenden Gemeinden. All das wird gerne toleriert, weil das unser Kulturelles Leben bereichert. Auf anderer Seite darf der Verkehr nachts durch Untermünkheim "brettern" und nichts wird dagegen unternommen, keine Verkehrskontrollen oder Reparaturen der Straßendohlen.
Täglich und nächtlicher Lärm muss toleriert werden, doch einmalige Veranstaltungen werden wegen "Lärm" unterbunden. So geht das nicht weiter! Jugendliche brauchen Raum um sich kreativ zu entfalten.

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