Freilichtspiele: "Der weiße Knopf" als urkomische Western-Parodie

Warum will der Mann ein Cowboy sein? Und: Was trägt er drunter? Wer "Long John" gesehen hat, weiß es. Das Kölner Theater "Der weiße Knopf" zeigt die turbulent-tiefsinnige Show im Winterprogramm.

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Ein Versehrten-Ballett: Nils Buchholz, Sebastián Inaty und Daan Mackel (von links) arbeiten, schwitzen, stinken und trinken.  Foto: 

Männer sind eine vernachlässigte Minderheit - zumindest im Theaterpublikum. Da sitzen fast immer vorwiegend Frauen, und auch die Stücke stellen oft weibliche Befindlichkeiten in den Vordergrund.

Das Kölner Theater "Der weiße Knopf" macht in "Long John. Western ist mehr als ein Gefühl" Theater für Männer. Auf der Bühne reiten, schießen, pfeifen, rauchen, raufen, tanzen und jammern vier Männer: ein Schauspieler, zwei Jongleure und ein Musiker. Aber Regie führt eine junge Frau, die Zirkuspädagogin Bianca Lehnard. Gemeinsam entwickeln sie die tollsten Ideen zum Thema: Was macht den Western eigentlich so faszinierend? Warum ist unser Bild vom echten Mann bis heute von Filmen aus dem vorigen Jahrhundert geprägt?

Der Cowboy von heute trägt einen dreiteiligen Anzug: Sakko, Weste, Hose, alles grau. "Mein Weg als Mann ist lang", sagt eine Stimme aus dem Off in vertrauter Western-Manier, also langsam, mit Kunstpausen, sonor deklariert mit gewollt tiefer Stimme. "Ich gehe ihn, obwohl er oft einsam macht. Ich arbeite, ich schwitze, ich stinke, ich trinke. Ein Zettel von meiner Frau teilt mir mit, dass ich die Wohnung saugen soll."

Staubsaugen ist langweilig, das wissen inzwischen auch die Männer. Da lässt sich der Cowboy von heute gerne in den Wilden Westen entführen, wo Colts wirbeln und Pferde wiehern. Und dann geht"s rund auf der Bühne der Haalhalle. Auf eine Überraschung folgt sofort die nächste, Männer und Frauen im Publikum lachen sich schief und fühlen sich ertappt von diesem Bild vom Mann, der stark sein will und voll Sehnsucht ist - da heute eine weitere Aufführung ist, soll hier nicht zu viel verraten werden.

Nur so viel: In jedem Mann stecke ein Kind, sagt man. Und so ist Theater für Männer auch ein bisschen wie Kindertheater. Man darf mitmachen, Geräusche erzeugen, sich selbst ein Breitwand-Kino-Gefühl verschaffen und immer wieder staunen darüber, dass alle Gegenstände, die zum Jonglieren benutzt werden, tatsächlich in die richtige Richtung fliegen.

Eines ist ganz klar: Nils Buchholz (Schauspieler von den Freilichtspielen), Daan Mackel, Sebastián Inaty (beide Jongleure und Theaterpädagogen) und Christian Mersmann (Komponist und Musiker) sind echte Männer. Sie arbeiten, sie schwitzen. Man kann sie dafür nur bewundern.

Info Eine weitere Aufführung ist heute, Freitag, um 20 Uhr in der Haalhalle. Der Freundeskreis der Freilichtspiele serviert dort ab 19 Uhr Suppe und Getränke.

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