Freilichtspiele Hall: 8000 Besucher weniger

Künstlerisch äußerst gelungen, aber weniger Zuschauer als erhofft - so fasst Halls OB Pelgrim die 88. Saison der Freilichtspiele Hall zusammen. 63375 Zuschauer kamen, rund 8000 weniger als im Rekordjahr 2012.

|
"Rössl"-Hauptdarsteller Felix Martin in seinem Leopold-Kostüm - er muss aber noch kein Abschiedsfoto von Hall machen. Auch wenn das "Weiße Rössl" bei den Publikumszahlen hinter den Erwartungen zurück blieb, kommt die munter überdrehte Revue-Operette 2014 erneut auf den Spielplan der Freilichtspiele Schwäbisch Hall.  Foto: 

Der strahlende Sonnenschein auf der Sudhaus-Dachterrasse, wo am Freitag, Bilanz zur 88. Spielzeit gezogen wurde, mag nicht recht zu den Zuschauerzahlen passen: "Geringer als gedacht", sagt Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim, Vorsitzender der Freilichtspiele Hall. Heute, Samstag, geht die Saison mit einer ausverkauften Vorstellung von "Summer of Love" zu Ende - auch im dritten Jahr lockt die Flower-Power-Revue fast 12.000 Menschen an.

Insgesamt sind 63.375 Zuschauer zu 51 Vorstellungen auf der Treppe, zu 61 Aufführungen im Globe-Theater und zu 91 Veranstaltungen an anderen Orten gekommen. 2012 waren es 71.032. An der 70.000-Marke hätte man schon gerne gekratzt, lässt auch Intendant Christoph Biermeier durchblicken.

Drei Vorstellungen mussten wegen schlechtes Wetters abgebrochen und die Eintrittsgelder zurück gezahlt werden. Dennoch: "Übers Wetter können wir uns nicht beklagen", sagt Pelgrim. Und das Risiko, das man mit dem Bekenntnis zu Klassikern eingehe, sei richtig, ist der OB überzeugt. "Dantons Tod" und die Wiederaufnahme von "FaustI" lockten zusammen 12993 Zuschauer an. Beide Stücke lagen in der Publikumsgunst fast gleichauf. "Wir wollen nicht nur Unterhaltung bieten", sagt Pelgrim und betont den kulturpolitischen Auftrag der Festspiele.

Das Globe-Theater schneidet positiv ab. Das Familienstück "König Artus!" sahen 5239 kleine und große Zuschauer. Den größten Zuspruch im Abendspielplan erntete das Struwwelpeter-Musical "Shockheaded Peter" mit 5075 Zuschauern, gefolgt von "Brandner Kaspar" mit 4714 Zuschauern und "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" mit 3612 Theaterbesuchern. Im Rahmenprogramm Freilichtspiele-Extra zählen die Haller Theatermacher 4530 Gäste.

"Das ist mein Schmerzpunkt 2013"

Der dicke Wermutstropfen der Saison 2013 ist die Operette "Im weißen Rössl" auf der Treppe. Knapp 15.000 Menschen wollten das Singspiel sehen. "Gerechnet hatten wir mit 22.000", sagt Biermeier, der das Stück auch in Szene setzte. Er macht keinen Hehl aus der Enttäuschung: "Das ist mein Schmerzpunkt 2013, daran hab ich noch zu knapsen." Richtig erklären könne er sich das Ausbleiben des Erfolgs nicht - tolles Bühnenbild, tolles Ensemble, tolle Kritiken, der Applaus sei jedesmal riesig. Ob es auch damit zu tun habe, dass im kaum 50 Kilometer entfernten Neuenstadt am Kocher die dortige Amateurbühne das gleiche Stück auf dem Spielplan hatte? "Wahrscheinlich schon", so Biermeier. Dennoch hofft er auf 2014. Das Singspiel wird in der 89. Spielzeit wieder aufgenommen - Intendant und OB teilen die Hoffnung, dass sich das Haller "Rössl" rumsprechen werde. Immerhin müssen die Festspiele, deren Gesamtetat bei 2,4 Millionen Euro liegt, nun mit einem Defizit von etwa 250000 Euro fertig werden, so Pelgrim. Er kündigt überdies Gespräche mit Land, Stadt und Sponsoren über potentielle Zuschusserhöhungen an. "Es wird keine Abstriche in der Qualität geben", versichert er.

Das tut Biermeier gut: "Eine Seltenheit, dass man mit weniger Besuchern trotzdem noch gelobt wird", sagt er dankbar - und blickt nach vorn. Die Freilichtspiele wollen ihr Winterprogramm, dessen Probelauf in der zurückliegenden Saison mit 16 Aufführungen und rund 1000 Besuchern positiv verlief, weiter ausbauen. Die theaterpädagogischen Aktivitäten wachsen weiter. Und Anfang 2014 steht der Umzug ins ehemalige Haalgymnasium an.

Ausblick auf 2014

Um so ein Defizit nicht zu wiederholen, sagt Biermeier, setzen die Freilichtspiele im Sommer 2014 im Globe auf Kooperationen: mit dem Theater an der Glocksee in Hannover ("Hase Hase" von Colin Serrault) und dem Metropoltheater München ("Kinder des Olymp" von Jacques Prévert). Außerdem gibts Shakespeare, dessen 450. Geburtstag gefeiert wird: das Lustspiel "Verlorene Liebesmüh" im Globe und die Tragödie "Hamlet" auf der Treppe. Neu auf die Stufen kommt das Musical "Kiss me, Kate!" von Cole Porter, damit wird die Spielzeit am 21. Juni 2014 eröffnet. Büchners "Dantons Tod" wird wieder aufgenommen. Und der zum Dauerbrenner gewordene "Summer of Love" kehrt in seinem vierten Jahr zurück - "zum allerallerallerletzten Mal", versichert Dramaturg Kistner.

Das kommt 2014
Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Fröhliches Jagen im kalten Winterwald

Links und rechts der Schmerach wird vergangenen Samstag gejagt. Eine Wildsau, drei Rehe, zwei Hasen und zwei Füchse werden erlegt. weiter lesen