Freiheit statt Fesseln für Hilflose

Kreative Lösungen seien gefragt, anstatt Hilflose mit Bändern im Bett zu fixieren. Ein Fachtag im Sonnenhof behandelt das Thema "freiheitsentziehende Maßnahmen".

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Tauschen sich während einer Pause des Fachtages aus (von links): Martina Seuser, Katja Kopf, Pfarrer Michael Werner und Manuela Socchiera. Privatfoto

Freiheit sei unmittelbar mit der Würde eines jeden Menschen verbunden, teilt der Sonnenhof mit. Womöglich sei Freiheit kaum etwas anderes als Würde?

An diesem Punkt setzt der von etwa 70 Teilnehmern besuchte Fachtag im Sonnenhof an. Wie können freiheitsbeschränkende Maßnahmen in der täglichen Arbeit vermieden oder eingeschränkt werden? Konkret geht es dabei um die Reduktion oder Vermeidung von Schutzmaßnahmen wie etwa das Anbringen von Bettseitenteilen, die Verwendung eines Bauchgurtes im Bett und Stuhl oder die Ruhigstellung durch Medikamente.

Durch drei Referate sind Antworten gegeben worden. Die Haller Betreuungsrichterin Katja Kopf verdeutlichte, dass ein Eingriff in die Freiheit nur vorliege, wenn gegen den Willen eines Betroffenen gehandelt werde. Eine Schutzmaßnahme habe keinen "freiheitsbeschränkenden Charakter", wenn ein Betroffener "keinen zielgerichteten Bewegungswillen mehr besitzt oder sich nicht mehr bewegen kann".

Die Gerontologin Manuela Socchiera verficht als Verfahrenspflegerin den "Werdenfelser Weg". Auf ein Minimum sollen freiheitsentziehende Maßnahmen reduziert werden - ein erklärtes Ziel im Sonnenhof, wie Pfarrer Michael Werner als theologisch-pädagogischer Vorstand schon eingangs des Fachtages in seiner Begrüßung darlegte.

Bei diesem "Werdenfelser Weg" werde versucht, einen Konsens mit allen Beteiligten zu erreichen. Dabei sollen alternative Möglichkeiten unter Abwägung der Risiken ausgeschöpft werden, referiert Manuela Socchiera. Als Alternativen kämen die Förderung der Mobilität, eine Ausstattung mit Hilfsmitteln wie etwa Transferhilfen oder besondere Rollstühle in Frage.

Praxisnah veranschaulichte Heilerziehungspflegerin und Deeskalationstrainerin Martina Seuser Umsetzungsmöglichkeiten dieses Modells in der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung. Das Wichtigste sei eine veränderte pädagogische Grundhaltung. Kein Mensch mache etwas ohne Grund. Das, so die Vortragende, sei eine wesentliche Grundlage "professioneller Beziehungsarbeit" und trage entscheidend zu einer Vermeidung freiheitseinschränkender Maßnahmen bei.

Anhand vieler Beispiele demonstrierte sie Möglichkeiten alternativer Lösungen: Etwa das Aufstellen eines Stoppschildes, versehen mit einem Porträt eines Betroffenen, der sich und andere gefährde.

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