Französische Kost mit Pfeffer

Dirk Schäfer und Karsten Schnack verausgaben sich bei einem Chansonabend in der Haller Haalhalle. Sie ernten Bravo-Rufe.

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Die Hose ist zu lang und zu weit, das Hemd hängt raus, aber der Auftritt ist fast perfekt: der Sänger Dirk Schäfer und der Akkordeonist Karsten Schnack.  Foto: 

Nach 20 Minuten ist das Hemd von Dirk Schäfer durchgeschwitzt. Und er wird sich auch danach nicht schonen. Dass dieser Sänger auch und vor allem Schauspieler ist, merkt man sofort. Mit seinem Temperament, seiner vollen Hingabe an Text und Musik, seiner Darstellungskunst zieht er die Zuschauer bei zwei Vorstellungen seines Chansonprogramms „Dirk Schäfer singt: Von Brel bis Piaf!“ in der Haller Haalhalle in seinen Bann.

Die erste Vorstellung Schäfers im Rahmen des Freilichtspiele-Winterprogramms am Samstag sei gut besucht gewesen, berichten die Veranstalter. Zur zweiten am Sonntag sind noch etwa 50 Theatergäste gekommen, die Zuschauerreihen in der Haalhalle sind damit knapp zur Hälfte besetzt.

Für seinen Chansonabend hat Schäfer eigenhändig Übersetzungen von 15 französischen Liedtexten angefertigt – kunstvoll, poetisch, treffend. Das Multitalent beweist sich auch als Dichter. Schäfer singt mal auf Deutsch, mal auf Französisch, wechselt mitten im Stück. Mal summt er sanft, mal singt er kraftvoll, mal brüllt er. Als sein Protagonist glücklos auf „Madeleine“ (Jacques Brel) wartet, schaltet Schäfer blitzschnell von Hoffen und Sehnen auf Wut um. Und im „Lumière tango“ (Boby Lapointe) benützt er eine Fell-Stola als Hüpfseil.

Schäfer hat eine Stimme, die in jeder Lautstärke trägt. Auch wenn er ganz leise spricht oder singt, hört und versteht man ihn hervorragend. Er kann zwischen verschiedenen Gesangstechniken umschalten, beherrscht den typischen Chansonstil ebenso wie klassischen Belcanto- und Falsett-Gesang, auch Kopfstimme genannt. Und er artikuliert mit atemberaubender Geschwindigkeit ungeheuer präzise, plappert, was das Zeug hält.

Und dann ist da sein Partner am Akkordeon. Karsten Schnack ist ein wundervoller Begleiter, spielt mal virtuos, mal zurückhaltend, durchlebt in allen Situationen dieselben Gefühlswelten wie der Darsteller. Wenn Schnack grinst, sieht er aus wie ein Zirkus­clown. Auch er verströmt Charisma. An einzelnen Stellen singt er mit, und er hat auch die eine oder andere Nebenrolle. Wie Schäfer gestaltet er das gesamte Abendprogramm auswendig. Inhaltlich geht es oft ums Tanzen und vor allem natürlich um die Liebe.

Aber es wird auch mit deftigem schwarzem Humor erklärt, dass das Rezept für Boeuf Stroganoff aus einem Gemetzel unter Rivalen entstanden sein könnte. Oder Georg Kreisler legt dar, wie eine perfekte Oper aussehen könnte.

Die Stücke sind zum Teil weithin bekannt wie „Amsterdam“, „Padam, Padam, Padam“ oder „Milord“. Dann kommt es schon mal vor, dass im Publikum jemand leise mitsummt. Es ist ein furioser, opulenter, faszinierender Theater- und Liederabend. Er macht neugierig darauf, wie Dirk Schäfer im Sommer auf der Großen Treppe vor St. Michael den Reformator Johannes Brenz darstellen wird.

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