Flötenklang trifft Dichtergeist

In der Reihe "Sommerliche Konzerte" in der Haller Urbanskirche war jetzt die Flötistin Anne Suse Enßle mit ihrem Vater Kurt Enßle an der Orgel zu hören. Burkhardt Goethe rezitierte und moderierte.

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In der Urbanskirche musizieren Kurt Enßle an der Orgel und seine Tochter Anne-Suse Enßle mit der Flöte. Foto: Ufuk Arslan

Vorwiegend virtuose Flötenmusik der eher frühen Barockzeit (1590 bis 1764) beherrschen das Konzert, das kürzlich in der Reihe "Sommerliche Konzerte" in der Haller Urbanskirche maßgeblich von der jungen Flötistin Anne Suse Enßle gestaltet wurde. Als fast ständiger Begleiter steht ihr dabei Vater Kurt Enßle zur Seite, der zweimal Solistisches beisteuert.

Burkhart Goethe, der die Sommerkonzertreihe ins Leben rief, rundet als brillant vortragender Rezitator das Programm mit literarischen Ergänzungen ab und würzt den Abend mit seiner geistvollen, mitunter recht launigen Moderation. Als erste Lesung gibt es mit "Lenz" eine fast schon in unsere Zeit passende "grüne", den Wald verherrlichende Naturlyrik des 1689 geborenen Niederländers Hubert Korneliszoon Poot. Die deutsche Textfassung schuf Burkhart Goethe selbst.

"Engles Nachtegaeltje", die Englische Nachtigall des Utrechters Jacob van Eyck (1590 - 1657), ist ein Solostück für Flauto Dolce, ein großes, sonores, weichklingendes Blockflöteninstrument. Die Orgelbegleitung beschränkt sich auf die gelegentliche Betätigung des Zimbelsternes. Der Charakter der Flötenstimme imitiert die Natur: lange Phrasen, melodiös und von virtuosen, lautmalerischen Elementen durchsetzt wie Triller oder rasche Tonwiederholungen, welche die Flötistin brillant meistert.

Wiederkehrende Gegensätze des Legato und präzisen Staccato sind ein Stilmittel, das auch bei anderen vitalen Stücken von Francois Couperin ("Ritratto dellamore"), oder der "Sonata VIII" des Bach-Zeitgenossen Ignazio Sieber und Jean-Marie Leclairs "Sonata II". Die raschen, hüpfenden, artikulationsreich gestalteten Sätze stellen hohe atemtechnische Anforderungen und das Spiel erhält eine sportliche Note.

Mitunter fragt man sich, ob der Jazzstil Bebop seine Anfänge hier schon hat. Jedenfalls bleiben diese Allegrosätze beim Zuhörer kaum hängen, hier herrscht Flüchtigkeit pur. Anders die weniger häufigen elegischen Sätze wie Siebers "Largo" mit deutlichem tragischem Unterton oder Leclairs nicht gänzlich schmerzfreier Kopfsatz, die Anne-Suse Enßle mit Ausdruck gestaltet. Kurt Enßles transparente Orgelbegleitung ist fast stets in lichtem Klang gehalten. Auch eine "Sonata per Organo" von Johann Kaspar Kerll (1627-1693) kommt leichtfüßig daher.

Eine zeitgenössische "Quadrophenia für Orgel", von Kurt Enßle selbst geschrieben, lebt durch die Wirkung des extrem langsam und kraftvoll pulsierenden Tremulanten dieser Orgel. Die kompositorische Substanz ist ein in kleinen Schritten sich zunehmend ausbreitendes Akkordgebilde - wie eine gekräuselte Wasserfläche. Bemerkenswerte Gedanken beseelen weitere Lesungen Goethes nach Texten von Francois de Malherbe und Paul Fleming sowie ein Nachdenken über die Beredtheit des Schweigens von Robert Creeley. Mit Varianten des Kirchenlieds "Unser Vater im Himmelreich" von Jacob van Eyck für Soloflöte, ausdrucksstark gespielt von Anne-Suse Enßle, endet das gut besuchte Konzert.

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