Fließende Übergänge

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Franz Rechtenbacher (links), noch Bürgermeister in Bühlerzell, führt den künftigen Bühlerzeller Bürgermeister, Thomas Botschek, durch die Gemeinde. Hier zeigt Rechtenbacher ihm das Bildungszentrum. Thomas Botschek ist noch auf der Suche nach einer Wohnung in Bühlerzell. Die Familie will ihr Haus in Kirchheim/Ries halten, aber während der Amtszeit in der Gemeinde leben. Seine Anwesenheit am Mittwoch im Ort verband er mit einer Wohnungsbesichtigung.  Foto: 

Noch-Hausherr Franz Rechtenbacher kommt am Mittwochvormittag hemdsärmlig vom Keller in sein Büro im Rathaus zurück und schimpft mit breitem Schmunzeln – hat doch wieder jemand den Beamer umgesteckt, und er hat eine Weile gebraucht, bis er das bemerkt hat. Herzlich begrüßt er Thomas Botschek, der ab Oktober als Bürgermeister in Bühlerzell das seitherige Amt Rechtenbachers übernehmen wird. Ganz offensichtlich können beide gut miteinander, Botschek sagt: „Die Chemie zwischen uns stimmt.“  An diesem Tag wollen beide ihre Übergabe-Tour durch den Ort fortsetzen. Am Dienstag hatten sie die Abwasseranlagen der Gemeinde angeschaut, Rechtenbacher hat erklärt, was wann in den vergangenen Jahren saniert worden ist und aufgezeigt, was voraussichtlich wann ansteht. Heute stehen Bau- und Gewerbegebiete auf dem Plan und die letzte Baustelle, die Rechtenbacher noch abwickeln möchte, bevor er Ende September aus dem Amt scheidet: „Auf dem Friedhof wird noch gepflastert. Gestern standen schon die Baumaschinen da, aber keine Arbeiter. Ich  hab’s gerne, wenn ich fertig bin mit meinen Aufgaben.“

Absprache noch am Wahlabend

Bereits seit Wochen sind Rechtenbacher und Botschek immer an drei Tagen pro Woche in der Gemeinde unterwegs. Der künftige Bürgermeister nimmt an Ausschussitzungen teil, lässt sich die Struktur der Gemeinde erklären, macht sich mit den Menschen bekannt, mit denen er es künftig zu tun hat. „Seit dem Wahlabend sind wir im Gespräch. Noch am Wahlsonntag hat Franz Rechtenbacher angeboten, mir bei der
Einarbeitung zu helfen. Ich bin froh und glücklich, dass das so ist. Ich hab’ die Zeit freischaufeln können – ich hatte noch viele Urlaubstage und Überstunden.“

Wie Thomas Botschek erzählt, ist vieles neu – etwa das doppische Haushaltsrecht – aber er ist zuversichtlich, sich rasch einzuarbeiten. „Es sind ja liebe Kolleginnen da, und wenn ich nächstes Jahr noch Fragen habe, kann ich auch bei Franz Rechtenbacher anrufen.“ In seinem Kalender sind für die kommenden Wochen bereits zahlreiche Termine notiert. Ausschüsse, Vereinssitzungen, Gemeinderatssitzungen. Dass zusätzlich zur Aufgabe des Bürgermeisters weiteres Geschäft auf ihn zukommen würde, war ihm klar, aber „die Anzahl der Ämter war mir nicht bewusst“.  Franz Rechtenbacher lächelt – ihn freut offensichtlich diese Bestätigung, dass er viel geleistet hat.

Abschiedstournee

Wie ist das für ihn, nach 35 Jahren seinen Nachfolger einzulernen? „Im Moment ist’s rein geschäftsmäßig. Das Gefühl kommt am 2. Oktober. Dafür habe ich jetzt keine Zeit – ich will’s auch gar nicht haben.“  Die Verabschiedungen, Rückblicke und Ade-Sagen seien sowieso in jedem Ausschuss gerade Thema, sei es bei der Feuerwehr oder beim Altenpflegeheim. „An dem kommst du nicht vorbei.“ Und wie geht es für ihn weiter? Rechtenbacher zählt zahlreiche Termine auf, die noch im Oktober und November anstehen, weitere Posten, die er abgeben wird. „Das gibt einen fließenden Übergang“, meint er.

Für seine künftig üppige Freizeit hat er auch schon Pläne. „An den freien Tagen werde ich in den Wald gehen und mich dort verausgaben. Meine Tochter hat schon gemeint, ich sei künftig der Enkelbeauftragte, unser Hund ruft nach mir, und rund ums Haus habe ich mir ein umfangreiches Arbeitsprogramm gesetzt. Da ist die letzten 20 Jahre alles liegen geblieben.“

Die Einsetzung von Thomas Botschek als neuer Bürgermeister ist für Montag, 2. Oktober, in der Rudolf-Mühleck-Halle vorgesehen. Er wurde am 9. Juli mit 75 Prozent der Stimmen zum Nachfolger von Franz Rechtenbacher gewählt. sel

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