Filigranarbeit - steckdosenfrei

Immer wieder gibt es euphorischen und herzlichen Applaus für ein Trio aus St. Gallen. Rosset-Meyer-Geiger begeistern zum wiederholten Mal in der Hospitalkirche das Schwäbisch Haller Publikum.

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Das Trio Rosset-Meyer-Geiger jazzt in der Haller Hospitalkirche. Foto: Hans Kumpf

Nachdem der Pianist Josquin Rosset, der Kontrabassist Gabriel Meyer und der Schlagwerker Jan Geiger Anfang 2012 in Hall so überzeugend gespielt hatten, war klar, dass die drei Schweizer Präzisionsmusiker vom örtlichen Jazzclub und vom städtischen Kulturbüro alsbald wieder nach Deutschland eingeladen würden. Sogar in einem auf "YouTube" verbreiteten Video hat das Trio damals in der Hospitalkirche aufgenommene Fotos integriert. Nun eröffneten die eidgenössischen Künstler an gleichem Ort das allgemeine Wiederholungsprogramm der aktuellen "Jazztime"-Reihe.

Schon das erste Stück des Abends ist für die Konzeption der optimal aufeinander eingespielten Gruppe symptomatisch: Das Schlagzeug gibt dumpfe Trommelschläge vor, das Klavier nimmt das Kurzmotiv in minimalistischer Manier auf, spinnt es fort und bringt fein ziselierte Wiederholungen. Keine simple Funktionsharmonik, aber eine metrische Konstante, welche dem Ganzen ein ordnendes Fundament verleiht und selbst atonale Attitüden ohrengefällig erscheinen lässt. Chromatisch und kleinintervallig geht es zu - der Flügel macht also keine großen Sprünge.

Der Kontrabass, der ebenfalls völlig ohne elektrotechnische Verstärkungshilfe auskommt, komplettiert die eng verhakten und ineinandergreifenden Aktionen. Innige Interaktion und konstruktive Kommunikation - auf Noten wird bei den Eigenkompositionen verzichtet.

Von Bassist Gabriel Meyer stammt das Stück "Sahara" (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Nummer von Klaus Doldinger mit dem näselnden Sopransaxophon). Da bedient er sich wohlweislich einer arabischen Skala, zupft die Saiten gekonnt doppelgriffig, während Jan Geiger filigrane Perkussionsarbeit fertigt. Josquin Rosset drückt bei seinem sachten Tastenspiel das rechte Pedal - und es entsteht obertonreich und mit Nachhall imaginär eine Fata Morgana im glitzernden Wüstensand.

Zuvor eine im phrygischen Tongeschlecht gehaltene Nummer: Eine äußerst kurz erzählte Ballade der geheimnisvollen Art, ein sehr komprimiertes "moment musical" im spanischen Flamenco-Flair.

Anfangs entwickelt Josquin Rosset überaus spartanisch und sparsam "horn lines", also einstimmige Melodien, ausgeführt im Diskant mit der rechten Hand. Erst im weiteren Verlauf des Konzerts langt er beidhändig mit prallen Akkorden und mit spannungssteigernden Tremoli zu. Kein Getöse und Geschrei auch vom Schlagzeug - Jan Geiger trägt mit leiser Leichtigkeit seinen Teil zum hohen Musikniveau bei. Von subtilen Klangmalereien und punktuell Hingetupftem über inbrünstige Choralhaftigkeiten mit lieblicher Harmonik bis zu rhythmisch akzentuierten Hardbop-Varianten - bei Rosset-Meyer-Geiger wird es niemals langweilig. Kammermusikalisches im barocken Kirchenraum, total befreit von Steckdosenabhängigkeit, ohne plumpe Anbiederungen und auf hohem Niveau. Dem Publikum gefällt es, da ist mehr als eine Zugabe fällig.

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