Sozialpsychiatrischer Dienst unterstützt Menschen mit psychischer Erkrankung

Die wenigsten Menschen mit einer chronischen psychischen Erkrankung müssen über einen langen Zeitraum im Krankenhaus behandelt werden.

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Birgit Kern vom Sozialpsychiatrischen Zentrum in Hall im Beratungsgespräch mit einer Klientin.  Foto: 

Frau M. leidet immer wieder unter Manien. Bis 2001 war sie fast jedes Jahr wegen ihrer psychischen Probleme in der Klinik. „In diesen Phasen war ich in Hochstimmung und habe in meiner eigenen Welt gelebt“, berichtet sie. Ernsthafte Schwierigkeiten bekam sie dadurch in ihrem Beruf. Sie wechselte innerhalb der Firma den Arbeitsplatz. „Irgendwann ging das auch nicht mehr“, erinnert sie sich. Über einen Berater, der sie zu ihrer beruflichen Zukunft unterstützte, lernte sie Birgit Kern vom Sozialpsychiatrischen Dienst (SpDi) in Hall kennen. „Von mir bekam und bekommt sie bis heute Hilfe in lebenspraktischen Dingen“, erklärt die erfahrene Sozialpädagogin.

Frau M. schätzt das Vertrauensverhältnis zu Birgit Kern. „Sie kennt mich und meine Familie, ich kann mit ihr über meine Gefühle sprechen. In einer akuten Phase kann ich sie anrufen und ich erhalte von ihr ganz konkrete Tipps, wie ich den Tag einigermaßen gut überstehe“, erzählt die Mitfünfzigerin. Auch ihr Mann ist in Kontakt mit Kern. „Die Arbeit mit Angehörigen ist ein Schwerpunkt des SpDi. Sie leiden manchmal mehr als die Betroffenen. Sie zu stärken ist ganz wichtig“, sagt Birgit Kern. „Ich gehe gern zu den Angehörigentagen des SpDi, um mich mit anderen auszutauschen. Das hilft mir“, sagt der Ehemann von Frau M. „Anfangs war er ziemlich hilflos, wenn ich meine manische Phase hatte. Inzwischen kommt er besser damit klar“, meint sie.

Kern und ihre Kollegen kennen im Landkreis Hall sämtliche Angebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen. „Mancher braucht eine Psychotherapie, andere suchen eine Selbsthilfegruppe, haben ein Suchtproblem oder sind hoch verschuldet. „Ich weise die Menschen dann auf die passende Beratungsstelle hin“, so Kern, die auch gut mit der Reha-Abteilung der Agentur für Arbeit und anderen Ämtern vernetzt ist. Denn wie bei Frau M. ist es oft der Beruf, wo chronisch psychisch kranke Menschen als Erstes Probleme haben. Wenn die Einschränkung zu groß wird, kann eine Arbeit in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung oder die Tagesstätte das Passende sein. „Die Haller Tagesstätte ist gleich nebenan. Die schaue ich mir mit dem Klienten dann ganz unverbindlich an“, schildert die SpDi-Mitarbeiterin. Für Frau M. sei die Frühverrentung die richtige Entscheidung gewesen. „Da ist eine Last von mir abgefallen, als ich nicht mehr zur Arbeit gehen musste“, erinnert sich die Frau, die dank der Unterstützung durch den SpDi seit vielen Jahren nicht mehr stationär in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt werden musste.

Neutrale Beratung

Auch zur geeigneten Wohnform für Menschen mit psychischen Erkrankungen kann Birgit Kern informieren. „Da gibt es im Kreis Angebote in größeren oder kleineren Einheiten“, sagt sie. Das Samariterstift, Träger des SpDi, hat Wohngruppen für Menschen mit psychischer Behinderung. Kern ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass sie absolut neutral berät, auch wenn das Samariterstift ihr Arbeitgeber ist.

Der SpDi steht allen Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihren Angehörigen kostenlos offen. „Wir stellen uns regelmäßig in Weinsberg vor, damit die Patienten nach der Entlassung eine Anlaufstelle haben und schon ein Gesicht mit dem SpDi verbinden“, berichtet Kern. Auch aus den neurologischen Praxen oder von Therapeuten kommen Klienten. „Ein beachtlicher Teil wird aber auch durch Freunde oder die Familie auf uns aufmerksam nach dem Motto ,Ruf doch da mal an’, weiß die Sozialpädagogin. Während sie manche Klienten schon seit vielen Jahren begleitet, gibt es andere, die nur ein-, zweimal kommen. „Wenn Angehörige nach Unterstützung für ein psychisch krankes Familienmitglied fragen, ist für mich oft  die erste Frage, wer die Hilfe nötiger braucht – der Angehörige oder der Kranke“, berichtet sie. Einen Teil ihrer Klienten besuchen SpDi-Mitarbeiter zu Hause, denn für manche ist es nicht möglich, nach Hall zu fahren. „Wir haben uns den Altkreis Hall aufgeteilt. Unsere Kollegen in Crailsheim und Blaufelden sind für den nördlichen Kreis zuständig.“

Info Kontakte sind das Sozialpsychiatrische Zentrum Hall, Ringstraße 2, Birgit Kern, Telefon 07 91 / 9 43 06 92 06 und  Benjamin Greiner Telefon 07 91 / 9 43 06 92 07; in Crailsheim in der Schulstraße 6, Jutta Grau, Telefon 0 79 51 / 4 69 91 31; in Blaufelden in der Pfarrgasse 1, Bianca Preuninger, Telefon 0 79 53 / 9 26 22 86 und 0 79 51 / 4 69 91 31.

Betroffene und Angehörige sind nach der Diagnose meist ziemlich ratlos, an wen sie sich wenden können, um passende Unterstützungsangebote zu finden. Der Sozialpsychiatrische Dienst, der in diesem  Auftaktbeitrag der Serie vorgestellt wird, hat eine Lotsenfunktion. Er ist mit sämtlichen für psychisch kranke Menschen wichtigen Einrichtungen und Behörden vernetzt.

In den nächsten fünf Artikeln, die ab 21. Oktober einmal pro Woche erscheinen, stellen wir Selbsthilfegruppen, staatliche Hilfen und Beratungsstellen sowie Einrichtungen für Wohn- und Betreuungsangebote vor. Nächste Woche beginnen wir mit der Vorstellung des ärztlich-therapeutischen Angebots. Dazu sprechen wir mit einem Arzt des Haller Zentrums für psychische Gesundheit, einem niedergelassenen Psychotherapeuten und einem Mitarbeiter der AOK. Unter dem Dach der VHS präsentieren sich am 18. November die im HT erwähnten Akteure von 10 bis circa 13 Uhr an eigenen Ständen und bieten Kurzberatungen an. siba

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