Es geht ab hinter der Bühne

Beim Jugendclub der Freilichtspiele toben sich nicht nur die Schauspieler auf der Bühne, sondern auch ein großes Backstage-Team kreativ aus.

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Peter Munk (Anneliese Schaal) träumt im Märchen „Das kalte Herz“ vom großen Glück, beobachtet vom unheimlichen Glasmännlein (Paula Korner).  Foto: 

Alles, was Dein Herz begehrt“ ist der Titel des neuen Stücks des Jugendclubs der Freilichtspiele Schwäbisch Hall. Seit November treffen sich Haller Jugendliche im Alter von 13 bis 23 Jahren; sie haben seitdem eine spannende Produktion entwickelt. Am Anfang stand lediglich ein Thema: „Alles, was Dein Herz begehrt“. Unter Regie der Schauspielerin Martina Maria Reichert haben sich die Jugendlichen intensiv damit auseinandergesetzt. Sie suchten danach, wie man sein Leben gestalten sollte, wenn man seinem Herzen folgen will. Als Material dienten persönliche Geschichten und Gegenstände der Jugendlichen, aber auch Klassiker der Weltliteratur.

Neben den Schauspielern verdient in diesem Projekt das außergewöhnlich große und kreative Backstage-Team Beachtung. Das sind alle Mitarbeiter einer Theaterproduktion, die nicht auf der Bühne stehen, sondern die Proben organisieren, die Kostüme und das Bühnenbild gestalten und sich um Beleuchtung, Ton und Technik kümmern.

Die Regisseurin

Die Schauspielerin Martina Maria Reichert (42) führt als Regisseurin durch die Proben. Mit „Alles, was Dein Herz begehrt“ hat sie bewusst ein sehr persönliches Thema gewählt. Sie beschreibt: „Wir haben die Proben nicht mit einem kompletten Stück, sondern mit einer Frage begonnen: Was begehrt dein Herz? Das Besondere an dieser Arbeitsweise ist für mich, dass die Entwicklung des Stücks eher mit dem Wachsen einer Pflanze zu vergleichen ist. Ob auf der Bühne oder hinter der Bühne entstand ein großer Zusammenhalt und ein Vertrauen zwischen den Beteiligten, der allen den Mut gab, sich mit den Dingen, die uns im Herzen bewegen, wirklich einzubringen und zu zeigen.“

Der Regieassistent

Constantin Reutter (17) ist die Schaltzentrale der Produktion. Constantin, der bereits selbst Stücke inszeniert hat und seine Zukunft im Film oder Theater sieht, organisiert die Proben, führt Buch über das, was in den Proben entwickelt wird, hilft Martina Maria Reichert dabei, das Material zu ordnen und in eine Fassung zu bringen und ist für Licht, Ton und Technik zuständig. So viel er sich zuvor mit Theater und Film beschäftigt hat, war vieles doch Neuland: „Bei ,Alles, was Dein Herz begehrt’ bin ich zum ersten Mal bei einer Projektentwicklung dabei, in der ganz intensiv mit den Persönlichkeiten der Spieler gearbeitet wird. Da werden dann auch die Aufgaben hinter der Bühne ganz andere, weil man eben nicht schon am Anfang weiß, wo das Stück hinführt, und genau darauf achten muss, was die Situation gerade verlangt.“

Die Kostümbildnerin

Jule Matysik (22) möchte später gerne beruflich Kostüme für Theater und Film gestalten: In verschiedenen Praktika, unter anderem in der vergangenen Spielzeit bei den Freilichtspielen, entwickelte sie ihre große Begeisterung dafür. Derzeit macht sie eine Ausbildung zur Schneiderin im Haller Atelier Körner. Sie plant, nach Abschluss dieser Berufsausbildung Bühnen- und Kostümbild zu studieren.

Für „Alles, was Dein Herz begehrt“ ist sie nun alleinverantwortlich für die Kostüme. Zudem gestaltete sie eine Fechtszene, unterstützt den Regieassistenten bei den Proben und souffliert Text, wenn die Schauspieler auf der Bühne nicht weiterwissen. Ihren „Auftrag“ bei der Suche nach Kostümen versteht sie so: „Ich versuche, für alle Spieler passende Kostüme zu finden, die die Spieler nicht verstecken, sondern ihnen dabei helfen, zu spielen. Sie sollen sich im Kostüm einfach noch ein Stückchen wohler auf der Bühne fühlen als zuvor.“

Die Bühnenbildnerinnen

Für Bühnenbild und Requisiten sind Gina Schaefer (16) und Anastasia Reutter (19) zuständig. Ein wesentlicher Teil des Bühnenbilds für „Alles, was Dein Herz begehrt“ entstand aus „Herzensbotschaften“ des Ensembles: Auf einer Fantasiereise in einer der ersten Proben fanden alle Spieler eine ganz persönliche Botschaft, sei es für sich selbst oder für andere, zum Beispiel: „Tanz! Tanz! Tanz! Aber vergiss mich nicht“, „Flieg weg“ oder „Ich geh mit dir überall hin“. Anastasia Reutter und Gina Schaefer fanden visuelle Umsetzungen dieser Herzbotschaften – und gestalteten für jede einzelne einen Schuhkarton, der über der Bühne schweben wird. Außerdem baute Gina ­Schaefer gemeinsam mit ihrem Vater in dessen Schreinerei große Holzwände fürs Bühnenbild und gestaltete und bearbeitete gemeinsam mit Anastasia die zahlreichen Requisiten des Stücks.

Besonders stolz ist Anastasia auf die Gestaltung des Kartons mit der Botschaft „Es wird kommen. Es wird kommen. Du wirst dein Glück finden!“ – einer der schlichtesten Kartons, in dem ein Mann in Anzug, mit Hut und Koffer auf eine nächtliche Stadtlandschaft blickt: „Anfangs wusste ich gar nicht, wie ich den Spruch umsetzen sollte. Aber irgendwann habe ich tatsächlich eine Form gefunden, die es total trifft und mich auch selbst berührt.“

Der Bühnenmaler

Eine tolle Zusammenarbeit verbindet den Freilichtspiele-Jugendclub mit der aktuellen Klasse der Haller Akademie der Künste. Die Teilnehmer des Zeichnen-Kurses besuchten mehrere Proben und ließen sich vom Gesehenen inspirieren. So entstanden über hundert faszinierende Zeichnungen, mehr oder weniger abstrakt, mit Kohle, Tusche oder Bleistift. Zoe Hölzel (19) aus der Kunstklasse übernahm die Verantwortung, aus den Bildern auszuwählen, zu collagieren und damit große Bühnenwände zu gestalten, die das Geschehen auf der Bühne assoziativ aufgreifen und auf diese Weise zu permanenten Mitspielern werden.

Ursprünglich waren nur Zeichnungen der Proben für eine eigene Ausstellung in der Akademie geplant gewesen, doch bald wurde daraus eine viel umfangreichere Kooperation mit dem Jugendclub, wie Zoe berichtet: „Das hat sich einfach so entwickelt. Erst haben wir mit einer Collage vieler kleiner Bilder auf den Bühnenwänden experimentiert. Dann haben wir gemerkt, dass großformatige Drucke viel besser wirken – und inzwischen haben wir uns entschieden, die Zeichnungen nochmal neu mit Kohle direkt auf die Wände aufzutragen. Und das hat schon mega den Reiz, diese zwei mal zwei Meter großen Wände zu gestalten und dann im Theater in Aktion zu sehen!“

Technik & Bühnenbild

Jürgen Müller (54) ist seit vielen Jahren Techniker bei den Freilichtspielen und großer Fan und Unterstützer des Jugendclubs und des Internationalen Jugend­theaterfestivals. Weit über seinen Job hinaus unterstützt er die Jugendclub-Produktion mit Ideen für das Bühnenbild: Von einem riesigen Herzen bis hin zu einem wandelbaren Steg aus Bühnenpaletten regte Jürgen Müller zahlreiche Bühnenbildelemente an, die das Team um Martina Maria Reichert dankend annahm. Zudem berät er die Jugendlichen bei der technischen Umsetzung ihrer eigenen Bühnenbild-Ideen. „Ich finde es toll zu sehen, wenn Jugendliche und junge Künstler aus eigener Initiative Dinge auf die Beine stellen. Und wenn ich ihnen ein paar Tipps geben kann und wir gemeinsam dann anpacken, macht das großen Spaß!“, sagt er.

Info Der Autor Florian Götz ist Dramaturg der Freilichtspiele Schwäbisch Hall.

„Alles, was Dein Herz begehrt“ heißt das selbst entwickelte Stück des Freilichtspiele-Jugendclubs. Die Aufführungen fnden am 1., 2., 6. und 7. April jeweils ab 19.30 Uhr in der Haalhalle statt. Karten zum Preis von 12 Euro (ermäßigt 6 Euro) gibt es im Haller Kartenkontor am Marktplatz, Telefon 07 91 / 751-600 sowie online auf www.freilichtspiele-hall.de. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Mit einer weiteren Vorstellung am 17. April eröffnet der Jugendclub außerdem das Internationale Jugendtheaterfestival „Wilde Mischung“ – ebenfalls in der Haalhalle.

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