Erst Abriss, dann Neubau

Am Zentralen Omnibusbahnhof entsteht in zwei nebeneinander liegenden Häusern neuer Lebensraum. Die Arbeiten sollen im November abgeschlossen sein.

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Die beiden Gebäude am Badtorweg sind eingezäunt. Demnächst wird das rechte komplett, das linke zum Teil abgerissen.  Foto: 

Es sind kleine, alte Häuser, die am Badtorweg, direkt hinter dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) stehen. Fast unscheinbar schmiegen sie sich an den Hang unterhalb der Stadtmauer. Seit Ende April steht ein Bauzaun um die Nummern 4 und 6. „Aufgrund der Baumaßnahme, Hausabriss und Neubau … kann diese Haltestelle ZOB 3 nicht mehr angefahren werden“, steht auf einem Schild.

„Wir schaffen neuen Wohnraum“, erklärt Walter Scheu von Scheu Holzbau aus Rappoltshofen. Er ist Generalunternehmer für die beiden Häuser im Badtorweg. „Das ist schon ein Zeichen“, wertet er den Entschluss der Bauherren, mitten in der Stadt zu investieren. Es gebe in der attraktiven Haller Altstadt einen großen Wohnraumbedarf.

Salpeter im Mauerwerk

Die Bauherren wollen nicht in der Zeitung genannt werden. Das Haus im Badtorweg 6 befand sich bereits in Familienbesitz und wurde bislang vermietet, erzählt Reiner Zoller von Zero Architektur. Das Nachbarhaus wurde von der Stadt veräußert. „Durch die Hanglage und aufgrund von Oberflächenwasser war alles feucht und unbewohnbar“, berichtet Scheu. Eine kaputte Dachrinne und fehlende Ziegel hätten das Problem verstärkt. Salpeter habe sich im alten Mauerwerk gebildet.

Laut digitalem Gebäudeverzeichnis der Stadt stammt das Gebäude am Badtorweg 6 aus den Jahren 1721/22. Eine dendrochronologische Untersuchung – die Jahrringanalyse der verbauten Hölzer – ermöglichte demnach die Ermittlung der Bauzeit. 1827 befanden sich beide Häuser im Besitz des Zimmerergesellen und Holzbauers Jacob Friedrich Wieland. Auch das Anwesen Blendstatt 34 gehörte laut Primärkataster ihm. Dort wurde 2013 direkt an der Stadtmauer die alte Scheuer abgerissen und ein modernes Wohnhaus gebaut.

Auch die städtische Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft (GWG) schuf 2015 ebenfalls im Badtorweg, Mietwohnungen. Der Trend ist offensichtlich: Es geht zurück in die Stadt, selbst wenn es keine großen Gärten oder Stellplätze am Haus gibt. Dafür werden und wurden in Hall viele Häuser aufwändig modernisiert oder neu gebaut – im Einklang mit der Altstadtsatzung.

„Damit man gut darin leben kann, mussten wir die Gebäude verändern“, erläutert Reiner Zoller die Pläne für die Anwesen. Im Haus Nummer 4 sei die Stockhöhe nur zwei Meter hoch. „Die Fassade des linken Gebäudes Nummer 6 bleibt.“ Walter Scheu ergänzt, dass teilabgebrochen und angebaut werden müsse. Der rechte Gebäudeteil hingegen müsse ganz abgerissen werden. „Der Stadtbus hat uns da sehr geholfen“, freut sich der Unternehmer über die Kooperation bei der Haltestellenverlegung Richtung Norden.

180 Quadratmeter im Neubau

Hausnummer 4 werde dem Original ähnlich gebaut. „Es entsteht dort ein neues Gebäude mit zwei Wohnungen: nach Westen hin traditionell, nach Osten lichtdurchflutet“, berichtet Scheu. Der Neubau habe etwa 180, der Altbau rund 75 Quadratmeter. „Massivholzelemente mit Stahlträgern ermöglichen die skelettbauartige Öffnung nach Osten“, schwärmt Zoller für die Glasfront zum kleinen Restgarten, der bis zur Stadtmauer hochreiche. Die Häuser rutschen für mehr Wohnfläche näher an den Hang. Nur die Bodenplatte und die Rückwand seien aus Beton, ansonsten werde viel Holz und Glas verwendet. „Es werden KfW-70-Häuser“, erzählt Scheu. Richtfest solle Ende Juni gefeiert werden.

Die Haller Altstadtsatzung verlangt den Schutz der Gesamtanlage. Die beiden Häuser im Badtorweg stehen aber nicht einzeln unter Denkmalschutz. „Die Verhandlungen waren nicht ganz einfach“, berichtet Zoller. Es seien mehrere Termine und ein gutes Jahr Vorlauf nötig gewesen, um alle Wünsche und Bedürfnisse der Bauherren und der Stadt in Einklang zu bringen. „Das Stadtbauamt kam uns aber sehr entgegen“, fasst Zoller zusammen.

Das Ergebnis: Die Westansicht wird harmonisiert, indem es nur noch eine Firstlinie für beide Häuser gibt. Diese wird auf etwa 9,50 Meter leicht angehoben. Die vorher ungleichen Geschosslinien sind zukünftig auf einer Höhe. Dadurch erhält das linke Haus Oberlichter in der oberen Etage. „Man schaut durch die heraus“, so Zoller. Der Effekt sei einzigartig. Die Dachgeschosswohnung im Neubau werde einen Pent­house-Charakter haben. Das markante Bruchsteinmauerwerk und auch die grundlegende Struktur blieben erhalten. Es gebe beim Neubau die gleiche Anzahl Fenster, weiterhin mit Sprossen. Die Arbeiten sollen im November abgeschlossen sein.

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