Circus Compostelli: Eröffnung auf Frühjahr verschoben

Wegen Lieferengpässen für die Fußboden-Dämmung verzögert sich der Bau auf dem Teurershof. Grund sind belastete Materialien. Der Kostenrahmen wird trotzdem eingehalten.

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Ein Mann fährt auf dem Rad am neuen Zirkusanbau auf dem Teurershof vorbei. Zirkusfahne sowie rote Lamellen an der Gebäudefront fehlen noch. Außerdem muss die Fläche um die Haller herum noch gepflastert werden.  Foto: 

Rudolf Siebert zählt zweimal nach, multipliziert. Dann kommt erneut auf 788. So viele Latten verkleiden also die Innenwand der neuen Compostelli-Trainingshalle. Teilweise sind die Latten bis zu 5,1 Meter lang.  „Die wurden allesamt in Eigenleistung von Helfern, vorwiegend Eltern, angebracht“, so Siebert. Er ist Lehrer an der benachbarten Waldorfschule. 1989 war der Circus Compostelli dort aus einem Klassenprojekt heraus entstanden. Heute ist er als Verein längst eigenständig und zählt rund 180 Mitglieder. Zum Eigentum gehört nun eine eigene Halle in Zirkus-Optik.

Zu viel Benzol im Grundstoff

Viele akrobatische Verrenkungen waren nötig, bis das 700.000-Euro-Projekt durch Spenden und einem städtischen Zuschuss in Höhe von 200.000 Euro finanziert werden konnte, bis die passende Location gefunden war: als Anbau an die bestehende Waldorfschule-Turnhalle.

Dass die für den 24. November geplante Einweihung nun doch verschoben werden muss, liegt an Problemen, die rund 100 Kilometer entfernt verursacht wurden: Bei BASF in Ludwigshafen kam es zum Fehler bei der Herstellung von Toluylendiisocyanat, einem Grundstoff für Schaumstoffe.

Das als krebserregend geltende Di-Chlor-Benzol sei dabei zu hochdosiert beigemischt worden, berichtete etwa der Bayerische Rundfunk im Oktober. Das war offenbar erst vier Wochen später aufgefallen. Tonnenweise ging das Produkt auf den Markt. Die Folge: Auch bei den weiterverarbeitenden Firmen, die den Dämmstoff für den Haller Zirkusboden liefern sollten, standen die Maschinen eine Zeitlang still.

„Kurzfristig war kein Ersatz zu beschaffen“, so Siebert. „Die Meldung kam aber gerade richtig, also bevor das belastete Material geliefert und eingebaut wurde.“ Die Bauverzögerung sei da das deutlich kleinere Übel.

Nachlieferung früher als geplant

Bauleiter Georg Häfele vom Haller Architekturbüro Kuhn teilt mit, dass zwischenzeitlich neue, unbedenkliche Chargen auf dem Markt seien – zumindest, was die jüngsten Messungen ergaben. Am gestrigen Montag starteten die Arbeiten für den Sportboden. „Auf einem Schweißband kommt eine Dämmung, darauf eine doppelte Beplankung und dann als Obermaterial rotes Linolium.“ Durch den Aufbau entstehe ein Schwingboden, der bei Belastung etwas nachgebe. Dadurch könnten akrobatische Kunststücke gelenkschonender geübt werden, freut sich Siebert.

Insgesamt, so Häfele, seien die Arbeiten weit vorangeschritten. In den Nebenräumen, die als Umkleide, Büro und Lager für Requisiten genutzt werden, liegt bereits Linolium. Etliche Wände sind verspachtelt, manche sogar verputzt. „Es fehlen noch Malerarbeiten sowie Keramik“, so der Bauleiter.

Der Hallenboden, auf den die Projektbeteiligten sehnlichst warten, soll nun bereits Ende der Woche fertig sein. Das Team kann nun verlorene Zeit wieder gutmachen. Häfele ist überzeugt, dass der Anbau zumindest innen bis Ende November fertig ist. „Wir wussten nicht, dass wir relativ bald Materialien für den Boden nachgeliefert bekommen. Das hätte auch viele Wochen dauern können.“

Es bleibe trotzdem dabei: Die Einweihung wird erst im Frühjahr 2018 nachgeholt. Mit ein Grund, so Siebert, sei die Premiere für das neue Zirkus-Programm sowie das „Dinner for you“, bei dem den Gästen ein kulinarisches und akrobatisches Programm in der Kulturscheune nebenan serviert werden soll. „Der Fokus liegt daher nun auf der Organisation der Veranstaltungen. Danach ist Zeit, das neue Objekt einzuweihen.“

Freuen können sich die Zirkus-Leute indes über eine gute Planung und Umsetzung. „Stand heute liegen die Prognosen der kompletten Baukosten bei 97 Prozent der ursprünglichen Schätzung“, so Häfele. „Wir kommen mit dem Geld also gut hin.“

Die neue Halle des Circus Compostelli bietet eine Fläche von 15 auf 15 Metern. Umliegend sind Büro, Requisitenkammer, Umkleide und Toiletten angeordnet. Über einen Zugang geht es in die bestehende Turnhalle der Waldorfschule. Es soll einen regen Austausch und Synergieeffekte  zwischen Compostelli und Schule geben. Die dortigen Schüler dürfen etwa einen Teil der Requisiten mitbenutzen. Die Artisten werden auch weiterhin Teile der Sporthalle belegen.

Die Außenfassade des Anbaus soll nach Plänen des Büros Kuhn an einen Zirkus erinnern. Die Fassade erhält noch rote Lamellen in Dreiecksform sowie die obligatorische Zirkusfahne am Dach. Außerdem soll der Dachvorsprung als Buswartehäuschen dienen. Die Außenarbeiten hierfür laufen in den nächsten Tagen an.

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