Enormer Chorklang

In der für ihre ganz besondere Resonanzstärke bekannten Kleincomburg-Kirche St. Ägidius begeistert der Hohenloher Kammerchor sein zahlreiches Publikum. Er singt vorwiegend geistliche Chormusik.

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Der Hohenloher Kammerchor singt unter der Leitung von Johanna Irmscher auf der Haller Kleincomburg. Foto: Ufuk Arslan

Unter der Leitung von Johanna Irmscher, Professorin an der Kirchenmusikhochschule Tübingen, entfaltet der Kammerchor - inzwischen seiner vielen Sänger wegen eher kein Kammerchor im Sinne des Wortes mehr - einen ganz enormen, großen Chorklang mit ausgeprägtem dynamischem Differenzierungsvermögen.

Sehr satter Klang beherrscht bereits den Beginn des Konzerts. Vergleichsweise langsam, jeden Akkord gewichtig und breit aussingend, beginnt der Chor sein Abendprogramm mit Felix Mendelssohn-Bartholdys "Jauchzet dem Herrn, alle Welt". Bei den Worten "erkenne, dass der Herr Gott ist" geht der Klang zu feinstem Piano zurück, das bei "denn der Herr ist freundlich" in ein wunderbares, hauchzartes Pianissimo übergeht.

Einen der dynamischen Kulminationspunkte erleben die Zuhörer bei Max Regers "Morgengesang", dessen unorthodoxe Harmoniewendungen sicherlich nicht leicht zu gestalten sind. Ein, wie man so sagt, runder Chorklang ist an etlichen Forte-Stellen des gesamten Programms nicht zu beobachten; einzelne Sopranstimmen sind mitunter individuell zu verorten. Aber zur Strahlkraft tragen sie natürlich bei.

Sehr kleinräumige dynamische Gestaltung im Leisen hört man beim "Nachtlied" desselben Meisters. Bei Heinrich Schützens "Herr auf dich traue ich" ordnet sich die Polyphonie doch der Gestaltung des Klanges unter. Geradezu dramatisch gestaltet erklingt ein weiteres "Morgenlied" von Joseph Rheinberger. "Also hat Gott die Welt geliebt" von Melchior Franck, ein mit großem emotionalem Gestus gesungenes "Veni Sancte Spiritus" von Carl Gottlieb Reissiger(1798-1859) und zwei dem 20. Jahrhundert angehörige Werke, "Peace I leave with you" von Knut Nystedt und das tonmalerische "Sleep" von Eric Whitacre, vervollständigen das Programm. Diese modernen Werke wirken trotz ihrer maßvollen Dissonanzen recht wohltuend.

Felix Mendelssohn-Bartholdys beliebtes "Denn er hat seinen Engeln befohlen" hätte man sich auch etwas ruhiger, abgeklärter, mit weniger dynamischem Pathos vorstellen können. Aber natürlich ist es zudem eine Frage der theologischen Auffassung, wie dramatisch man den Text ausdeutet.

Mehrfach eingestreut in die Programmfolge trägt Cecilia Francesconi elf kurze, eher der Moderne angehörige Flötensoli vor. Claude Debussys "Syrinx" erinnert in seiner weichen, fantastischen Melodiegestaltung durchaus an den bekannten "Après midi dun faune". Eine Elegie von Wolfgang Hofmann (1922-2003), zwei Stücke von Jean Francaix und acht Stücke von Paul Hindemith sind vom Kompositorischen her nicht so zugänglich. Ihre emotionale Bandbreite ist groß; von sehnsuchtsvoll-ruhig bis zum heftigen Zerschleudern der Melodik über große Intervalle erlebt man die ganze Scala.

Besondere Bewunderung gebührt hier der Flötistin, die die virtuosen Kapriolen, gespickt mit rasanten kurzen Vorschlägen und wilden Lauffigurationen bei abrupter Dynamik mit begeisternder instrumentaler Fertigkeit meistert.

Mit Rheinbergers "Dein sind die Himmel und dein ist die Erde" belohnt der Chor den kräftigen, langanhaltenden Beifall.

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