Engagement für junge Menschen: Rektor Karlheinz Lang bekommt Bürgerpreis

Außergewöhnliche Laudatio, bewegender Chor, passender Preisträger: Die Verleihung des zwölften Bürgerpreises war mehrfach besonders.

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Der internationale Flüchtlingschor „Badinya“ singt zum Thema Brüderlichkeit unter anderem aus der „Ode an die Freude“ von Friedrich Schiller.  Foto: 

Der Preisträger Karlheinz Lang sitzt in der ersten Reihe und steckt sich die Finger in die Ohren. Was ist los, kann er die Laudatio, die ultimative Lobrede nicht mehr hören? Nein, er kommt damit einer Bitte von Professor Dr. Hannes-Hinrich Heißmeyer vom Kreis der Freunde und Förderer der Bürgerstiftung nach. „Ich danke Herrn Lang, dass er den Preis überhaupt angenommen hat, denn eigentlich ist er viel zu bescheiden dafür, hat aus seiner Sicht lediglich seine Pflicht erfüllt“, sagt das Vorstandsmitglied und kaum die Finger aus den Ohren, bekommt Karlheinz Lang nochmal kräftigen Applaus.

Teamerfolg 100-mal emotionaler als der persönliche Erfolg

Diese Bescheidenheit zieht sich auch durch seine eigene Rede, bei der er immer wieder Mitglieder seines Teams in den Mittelpunkt rückt. Er sieht sich als Teil eines Netzwerks, eines Teams. Es sei 100-mal emotionaler und schöner als Team erfolgreich zu sein, als lediglich persönlichen Erfolg zu haben. „Alle Aktivitäten haben ihren Ursprung in meiner Tätigkeit als Lehrer und Schulleiter. Im Grunde bin ich ja teilweise dafür bezahlt worden“, nennt er einen weiteren Grund, warum er überrascht war, als er davon erfahren hat, dass er den Bürgerpreis bekommen soll. Er spüre nun erst recht so richtigen Druck, wenn er nicht in zwei Jahren mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen würde, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Lang geht es um Sprachförderung, um berufliche Orientierung, um Perspektiven für alle Schüler, damit sie ihren individuell passenden schulischen und beruflichen Werdegang finden. Er nennt die Vorbereitungsklassen, mit denen seit Jahrzehnten Grundlagen für Integration von Schülern ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen geschaffen werden.

Früher gab es Vorbereitungsklassen an der Thomas-Schweicker- Werkrealschule, heute gibt es diese an der Gemeinschaftsschule am Schulzentrum West, zu der die Thomas-Schweicker-Werkrealschule und die Leonhard-Kern-Realschule verschmolzen sind. Ein Vorteil: „Wir melden drei Vorbereitungsklassen statt einer an“, sagt Lang und nennt Erfolge der Förderung wie Stipendiaten der Robert-Bosch-Stiftung.

Teamplayer Lang hat selbst lange Fußball gespielt und macht deutlich, was möglich ist, wenn Team und Trainer gut zusammenpassen. Der Rektor der Gemeinschaftsschule im Schulzentrum West (Werkrealschulzweig) bringt auch persönliche Erfahrungen in seiner Rede ein, um rüberzubringen, „was aus Jugendlichen werden kann, wenn man versucht, ihnen eine Heimat zu geben, dass aus einem etwas werden kann, auch wenn es mal nicht so läuft“. Lang hat auf dem Gymnasium St. Michael mal eine Ehrenrunde gedreht. Sein Kommentar zur Laudatio: „Bin das jetzt wirklich ich?“

Die beiden Laudatoren sind Karla Beer und Joachim Rimmele. Sie liefern aus der Sicht von Heißmeyer den originellsten Festvortrag von den bisherigen zwölf bei der Verleihung des Bürgerpreises durch die Haller Bürgerstiftung „Zukunft für junge Menschen“ ab. Karla Beer bringt Zitate, um passend zur Rede von Joachim Rimmele das „Gesamtpaket Karlheinz Lang“ herauszuarbeiten. Dieses sei das „Besondere, das Mehr, das ihn unterscheidet“, sagt Rimmele. Das Gesamtpaket bestehe vor allem aus menschlichen, sozialen, beruflichen Kompetenzen und seiner Begabung. Lang wirke wie eine Schaltzentrale für die gerechte Verteilung von Chancen. Der Zeitaufwand sei ihm nicht wichtig, es gehe ihm dabei vor allem auch um Spaß. Im Umgang mit seinen Schülern sei er geradlinig und unbestechlich, liberal, frei von Indoktrination. Passendes Zitat nach Konfuzius: Bildung sei frei von Standesdenken, von Standesdünkel. Karlheinz Lang wolle Stärken stärken, individuell passend fördern. Er arbeite beharrlich, um Ziele zu verwirklichen. Passendes Zitat nach Wilhelm Busch: „Ausdauer wird früher oder später belohnt. Meist später.“

Für den Vorstandsvorsitzenden Thomas Preisendanz ist Lang frei nach der Liedzeile aus „Heroes“ von David Bowie ein Held – nicht nur für einen Tag, sondern einer, „der über einen langen Zeitraum ein Held war, weil er oft im Verborgenen wirkend, alles Besondere, was er zuwege brachte, meist erfolgreich als ganz normal verkaufte“.
 

Kinder als Preisträger und bewegender Flüchtlingschor

Rätsel Zehn Kinder freuen sich über Stubsi, das flauschige Eichhörnchen. Der Grund: Sie haben das Rätsel beim diesjährigen Kinderfest gelöst und die richtigen Antworten auf Fragen wie beispielsweise „Wo lebt die Giraffe?“ gewusst. Margot Gropper vom Kreis der Freunde und Förderer der Bürgerstiftung nimmt zum Thema „bunte Tierwelt“ bei der Preisverleihung auch den Vorstandsvorsitzenden Thomas Preisendanz ins Visier und fragt nach: „Lebt Stubsi in Nordamerika oder in Europa?“ Der nimmt „all seinen Mut zusammen“ und antwortet richtig: „Europa“. Folgende Kinder haben gewonnen: Fiona Noe (Rosengarten), Luisa Fischer (Tüngental), Alina Otterbach (Untermünkheim/Haagen), Laura Reber (Michelbach/Bilz), Anneli Horlacher, Jakob Schmutz, Aleyna Gündüz, Johanna Schober, Leo Candido und  Aurelia Brennenstuhl (alle Schwäbisch Hall).

Musik Nicht nur Thomas Preisendanz „lief es den Rücken runter“ als der internationale Flüchtlingschor „Badinya“ zum Thema Brüderlichkeit aus der „Ode an die Freude“ von Friedrich Schiller sang, auch mit Blick auf den Brexit. Die 15 Flüchtlinge trugen das Chorfinale und als Europa-Hymne bekannte „Freude schöner Götterfunken“ aus der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven mit kräftigen Singstimmen begeisternd vor. Es gab viel Applaus für den Chor aus dem Hohenlohekreis unter der Leitung des Opernsängers Tobias Frank-Fleck.

Blumen „Dank spreche ich im Namen des gesamten Vorstands der Bürgerstiftung an unsere Susanne Kessen aus, die über viele Jahre unseren Laden zusammengehalten hat“, sagt Thomas Preisendanz. Sie habe ein gutes Händchen, prinzipiell großzügige Spender zu wirklichen Spendern zu machen, den Papierkram erledigt. Blumen gibt es im Adolf-Würth-Saal auch für Frau Lang und Sylvia Weber, die Direktorin der Kunsthalle Würth. cus

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