Neuer Windpark Obersontheim: Strom für 22.000 Haushalte

Endspurt beim Aufbau des Windparks Obersontheim: Die letzten vier Kraftanlagen werden in diesen Tagen montiert. Nächste Woche ist Probelauf für fünf Anlagen.

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Auf der Baustelle bei Winzenweiler ist es Donnerstagvormittag ruhig: „Die Arbeiter haben heute Nacht geschafft“, berichtet Matthias Pavel, der als Jurist bei der Firma Uhl, Ellwangen, angestellt ist und die Verfahren betreut sowie den Aufbau koordiniert. Der 165 Meter hohe Kran, der noch in der Nacht bei Scheinwerferlicht die Turmsegmente hochgehievt hat, liegt jetzt abgesenkt auf dem Waldweg. „Wir müssen arbeiten, wenn kein Wind weht.“

Seit Jahresbeginn wird auf der Höhe bei Winzenweiler daran gearbeitet, neun Windkraftanlagen (WKA) aufzubauen. Ursprünglich sollten es zehn werden, doch die WKA 4 fiel weg – sie lag zu nahe an dem Ort Weiler. Die WKA 10, 9, 8, 7 und 3 stehen bereits, in der kommenden Woche soll bei ihnen ein Probelauf zeigen, ob alles funktioniert.

Die übrigen vier WKA sind im Bau. Wer den Weg von der Anhöhe Winzenweiler zu den Windrädern im Wald geht, kann verfolgen, wie die Türme aufgebaut werden, da sie in unterschiedlichen Baustadien sind. Beim WKA 1 sind die beiden unteren Turmsegmente aufgestellt. Das unterste Turmteil mit einem Durchmesser von sechs Metern besteht aus zirka drei Zentimeter dickem Stahl.  „Das lässt sich auf keiner Straße transportieren“, sagt Pavel, „deshalb wird es im Werk in Drittel gesägt und dann überführt.“ Pavel geht an den Turm heran und zeigt auf die senkrechte Naht am Turm, an der die Teile miteinander verbunden wurden.

Das Licht kann gedimmt werden

Der Turm der WKA 2 steht bis zur Radnabe. Das busgroße, 60 Tonnen schwere Gehäuse des Maschinenhaus steht neben dem Turm auf dem gefrorenen Boden. Weiter hinten das 50 Tonnen schwere Getriebe. Erst wird das Maschinenhaus mit dem Kran hochgehievt und montiert, dann das Getriebe in das Gehäuse eingesetzt. Beides zusammen  ist mit 110 Tonnen zu schwer für den Kran. Pavel macht auf Besonderheiten aufmerksam: Zusätzlich zu den Kühlrippen und den Blinklichtern sind Windmesser auf dem Maschinenhaus montiert, ebenso ein Messgerät, um den Sonnenstand zu ermitteln. Dieses ist dann notwendig, falls wegen Schattenwurf auf Gebäude ein Windrad abgestellt werden muss. Das ist im Wald nicht der Fall. Zudem ist auf dem Maschinenhaus ein Sichtweitenmessgerät angebracht. Dieses stellt fest, ob nachts klare Sicht besteht. Wenn ja, werden die roten Blinklichter in ihrer Helligkeit reduziert. „Diese Nachtbeleuchtung stört, wir wollen die Belastung so gering wie möglich halten.

Die Firma Uhl in Ellwangen wurde 1991 von Franz Uhl (59) gegründet. Ursprünglich war Uhl Polizeibeamter. 1990 verbrachte er in Norddeutschland seinen Urlaub und sah erstmals Windräder. Diese Energieform faszinierte ihn so, dass Uhl seine Beamtenlaufbahn aufgab und sich selbstständig machte.  Zunächst verwirklichte Uhl in Schleswig-Holstein Windkraftanlagen, seit der Jahrtausendwende auch in Baden-Württemberg und Bayern. Insgesamt hat das Unternehmen, das 18 Mitarbeiter beschäftigt,  knapp 150 WKA gebaut. Im Kreis Hall realisiert Uhl neben dem Windpark Obersontheim auch die drei WKA bei Mainhardt.

Zum Jahresende  sollen alle neun Windkraftanlagen, die derzeit auf der Gemarkung Mittelfischach (sieben) und Geifertshofen (zwei), gebaut werden, Strom liefern. Sie sollen rund 22 000 Haushalte mit elektrischer Energie versorgen.

Eigentümer des Waldes ist das Land Baden-Württemberg. Die Firma Uhl, Ellwangen, baut den Windpark. Aufgestellt werden Windkraftanlagen der Firma Vestas, Typ V136.  „Die Anlagen gehören zu den modernsten aktuell auf dem Markt verfügbaren“, berichtet Matthias Pavel, Projektleiter bei der Firma Uhl in Ellwangen.

Die Windkraftanlagen haben eine Nabenhöhe von 149 Metern, einen Rotordurchmesser von 136 Metern (daher der Name). Bei senkrecht stehendem Rotorblatt beträgt die Gesamthöhe 217 Meter. Der Windpark hat eine Gesamtleistung von 31,05 Megawatt.

Baubeginn war im Januar, im Dezember 2016 hatte die Firma grünes Licht vom Haller Landratsamt bekommen. Im Januar und im Februar 2017 wurden die Bäume auf den neun Flächen gerodet. Die Tiefbauarbeiten wie der Aushub der Fundamentgruben und die Herstellung der Kranstellflächen begannen im Mai.

Ursprünglich sollten zehn Windkraftanlagen gebaut werden. Auf die Anlage mit der Nummer 4 verzichtete die Firma Uhl mit Rücksicht auf die Nähe zum Obersontheimer Teilort Weiler. Die kürzeste Entfernung zu dem Dorf beträgt jetzt zirka 1500 Meter.

Der Strom wird in das bestehende Umspannwerk in Gaildorf-Unterrot eingespeist. Dazu wurde eine unterirdische Leitung vom Windpark bis zum Umspannwerk errichtet. sel

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