Einfach gute Grundlagen

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken in der Region überzeugen zuletzt mit überdurchschnittlichem Wachstum. Doch die großen Herausforderungen kommen wohl erst noch.

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Letzter gemeinsamer Auftritt von Eberhard Spies, Jürgen Fricke und Manfred Bub (von links). Der Vorstand der Raiffeisenbank Kocher-Jagst (rechts) scheidet aus dem Gremium aus, da er im Sommer in den Ruhestand geht.  Foto: 

Die neun Volks- und Raiff­eisenbanken der Bezirksvereinigung Hohenlohe-Franken liegen im Trend der genossenschaftlichen Banken generell: „Die Genossenschaftsbanken bleiben auf Wachstumskurs und erwiesen sich als robust und ertragsstark“, erläuterte Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiff­eisenbanken (BVR) bei der Betrachtung des Wirtschaftsjahres 2016.

Gutes Kundengeschäft

Diesen Worten kann auch das Führungstrio der  Bezirksvereinigung Eberhard Spies, Manfred Bub (Raiffeisenbank Kocher-Jagst) und Jürgen Fricke (Volksbank Vorbach-Tauber)  uneingeschränkt folgen. „Wir sind wirklich sehr zufrieden und haben  in diesem Umfeld sehr ordentlich abgeschnitten“, bewertet Eberhard Spies die Geschäftszahlen in der Bezirksvereinigung.  Auch beim diesjährigen Bilanzgespräch in den Räumen der VR Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim  wollten die Vorstände nicht klagen: „Wo wir das Geschäft machen können, machen wir es auch“, fasst  Jürgen Fricke  im Rückblick zusammen. Die Zuwächse im Kreditgeschäft zeigen, dass die Genossen „nah an ihren Heimatmärkten“ sind. Das Plus bei den Einlagen ist ein Zeichen für „das hohe Maß an Vertrauen“, das die  traditionsreichen Bankenhäuser genießen und ist zum anderen eine Folge davon, dass sie derzeit noch keine Negativzinsen verlangen.

Die stark gestiegenen Geschäftsvolumen belegen zudem: auch das Geschäft mit den Produkten der Verbundpartner (Bausparen, Versicherungen, Aktien und Fonds) lief zuletzt in Summe hervorragend. Trotzdem will keiner der Frontmänner  die Lage „schön reden“. Im Gegenteil: Die Bankspitzen gehen davon aus, dass die Erträge in den nächsten zwei, drei Jahren um rund ein Drittel abschmelzen. Jürgen Fricke: „Das werden wir auch über das Provisionsgeschäft wohl nicht ausgleichen können.“

Der Hintergrund: zwar haben die Genossen ihre Hausaufgaben weitgehend gemacht und kostenbewusst ihre Prozesse durchforstet, Mitarbeiter reduziert und  unrentable Zweigstellen geschlossen, aber dafür hat sich der „notwendige Investitionsaufwand“ für die durchgreifende Digitalisierung des Bankgeschäftes deutlich erhöht. Und hier gibt es auch kein Zurück. Schon heute werden mehr als 30 Prozent der täglichen Geldgeschäfte maschinell oder online abgewickelt. Eine Situation der Manfred Bub auch Positives abgewinnt: „Das eröffnet uns zusätzliche Chancen.  So gibt es alternative Anlageformen und die müssen wir unseren Kunden aufzeigen. Das erfordert hohe Beratungskompetenz und die können wir bieten.“ Diese Botschaft scheint am Markt anzukommen, denn legt man die aktuellen Mitgliederzahlen zugrunde, dann erreichen die Genossen einen  Marktanteil von deutlich über 50 Prozent. Trotzdem: Der notwendige Handlungsdruck dürfte dazu führen, dass perspektivisch noch die eine oder andere Zweigstelle verschwindet. „Dass es in Zukunft  auch noch größere Veränderungen geben wird“, steht für Eberhard Spies völlig außer Frage, „aber das ist ein Blick auf die nächsten fünf Jahre. Aktuell steht hier nichts auf der Agenda.“

Kräftiger Umbruch

Der Umbruch in den beiden zurückliegenden Jahrzehnten war heftig genug. Von den 35 ehemals selbstständigen Volks- und  Raiffeisenbanken zwischen Bad Mergentheim, Öhringen und Schwäbisch Hall sind noch elf übrig. Das ist die Folge davon, dass „die Modernisierung des Geschäftsmodells“ zusätzlich von einer steigenden Zahl an  regulatorischen Vorgaben sowie deutlich mehr Aufwand in der Produktberatung begleitet wird. Hier stoßen  gerade die kleineren Geno-Banken schon aus Kapazitätsgründen an ihre Grenzen oder sind durch die zusätzlichen Kosten überfordert. Dass das eine oder andere Haus zuletzt seine Dividende etwas zurücknahm, hat aber nichts mit der Kapitalausstattung zu tun. „Die Häuser sind allesamt sehr gesund“, sagt Eberhard Spies und erklärt: „Wir haben nur dem Rechnung getragen, dass wir in einer Zeit, wo wir aufgrund der Gegebenheiten am Markt eigentlich zusätzliches Geld von unseren Kunden verlangen müssten, lieber die Ausschüttung etwas nach unten korrigieren.“

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