Eine Rapunzel wie Conchita Wurst

Eine Lesung im herkömmlichen Stil ist das nicht, was die Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr im Haller Neubau-Saal machen. Es ist mehr Comedy. Aber wenn sie doch lesen, sind sie am witzigsten.

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Volker Klüpfel sitzt im Ohrensessel und liest "Rapunzel", Michael Kobr spielt im dazugehörigen Filmausschnitt den Prinzen. Die Show "My Klufti!" ist reich an optisch reizvollen Momenten.  Foto: 

Der Haller Neubau-Saal ist mit rund 600 Besuchern fast voll besetzt, als das Allgäuer Autoren-Duo dort auftritt. Das Publikum ist sehr amüsierwillig - sind die Autoren doch bekannt für ihre Krimis voller Situationskomik, und versprechen sie doch "Litcomedy", also Comedy zum Thema Literatur.

Aber um Literatur geht es tatsächlich wenig an diesem Abend. Die Lesung aus dem neuesten "Klufti"- Krimi "Grimmbart" nimmt nur wenig Raum ein, und sie gibt fast keinen Einblick in die Handlung des Buches. Wären die Zuhörer nicht wahrscheinlich schon alle treue Leser der witzigen Krimis um den urigen Kommissar Kluftinger, so würden durch diese Veranstaltung nicht viele neue hinzukommen.

Denn in dem gegenseitigen Gefrotzel der Autoren in den Comedy-Einlagen der Show geht es fast ausschließlich um die Halbglatze von Klüpfel und den Bauch von Kobr. Zum Beispiel wenn Klüpfel sagt: "Die Leute sind nicht da, um Geschichten über meine Haare zu hören." Und Kobr antwortet: "Das wären auch Kurzgeschichten!" Das ist einmal lustig, aber auf Dauer mäßig spannend, und es hat mit den Büchern überhaupt nichts zu tun.

"Grimmbart" spielt in einem verfallenen, aber bewohnten Schloss im Allgäu, das umgeben ist von einem "Märchenwald", also einem Waldstück, in dem Skulpturen von Märchenfiguren stehen. Das hat Klüpfel und Kobr bewogen, in ihrer Live-Show Märchenstoffe aufzugreifen. Sie haben ja sowieso eine eigene Theorie zum Thema Märchen: Die Brüder Grimm, meinen sie, hätten ihre Stoffe nicht bei alten Frauen in Hessen gesammelt, sondern alles von den Schneitzelbergers aus dem Allgäu geklaut. Deshalb könne so manches nicht so stimmen, wie es überliefert ist: "Bei uns heißt doch niemand Frau Holle! Die hot Häberle ghoißn!"

"Die hat ja Ähnlichkeit mit Conchita Wurst!"

Um Märchen in der Schneitzelberger-Version vorzulesen, haben die Autoren einen schönen, großen Ohrensessel auf die Bühne gestellt. Dazu gibt es extra für die Live-Shows gedrehte Filmszenen, die auf eine große Leinwand projiziert werden. In einer erscheint Volker Klüpfel als Rapunzel. "Die hat ja Ähnlichkeit mit Conchita Wurst!", stellt Kobr scheinbar überrascht fest und erntet damit großes Gelächter.

Die Filmchen sind originell und gut gemacht, aber so richtig gut werden Klüpfel und Kobr, wenn sie mit verteilten Rollen lesen. Wenn Kobr als Japaner ein sonor-sattes "Hai" ausstößt, Klüpfel Badezimmer-Geräusche imitiert, als "Klufti" in der Badewanne "Auf diese Steine können sie bauen" pfeift oder Kobr zuerst die ganze Lebensgeschichte einer Gaststätten-Bedienung hören muss, um eine Vorstellung von ihrer Stimme zu bekommen, dann kann man sich wirklich gut amüsieren.

Schade, dass ausgerechnet die Zugabe wieder so flach wird: Das bekannte "Dornröschen"-Lied wird zum Duell klein und dick gegen wenig Haare. Das hatten wir schon. Dennoch: Das Publikum geht sehr gut gelaunt nach Hause. Und die meisten Besucher werden den nächsten Kluftinger-Krimi wieder mit Vergnügen lesen.

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